Schnelligkeit und Kundennähe

Von Startups lernen

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Was können IT-Organisationen von Startups lernen? Vier Fragen an den Branchenexperten Andy Goldstein. Er ist Partner bei Deloitte Digital und engagiert sich in Initiativen zur Förderung von Gründern und Unternehmertum.
Andy Goldstein ist Partner bei Deloitte Digital mit dem Schwerpunkt Digital Strategy & Venture Services. Er ist Mitbegründer und Executive Director des LMU Entrepreneurship Center sowie des German Accelerator in München.
Andy Goldstein ist Partner bei Deloitte Digital mit dem Schwerpunkt Digital Strategy & Venture Services. Er ist Mitbegründer und Executive Director des LMU Entrepreneurship Center sowie des German Accelerator in München.
Foto: Deloitte Digital

CW: Was können beziehungsweise sollten ­IT-Organisationen von Startups lernen?

Andy Goldstein: Hier sehe ich vor allem zwei entscheidende Punkte: Geschwindigkeit und Kundennähe. Startups sind IT-Abteilungen vor allem dann überlegen, wenn es um schnelle Lösungen für neue technische Herausforderungen geht - weil es für Startups überlebenswichtig ist, Hemmnisse schnell zu beseitigen und rasch vorwärts zu kommen. IT-Abteilungen hingegen versuchen in der Regel, perfekt zu arbeiten. Das führt oft zu einem hohen Frustrationsgrad, ist aber meist nicht zeitkritisch oder lebens­bedrohlich für das Unternehmen, weshalb die längere Wartezeit akzeptabel ist.

CW: Und wie verhält es sich mit der Kundennähe - gerade interne IT-Organisationen sollten doch ohnehin schon nahe am Kunden sein?

Andy Goldstein: Die Kundennähe hängt eng mit der Experimentierfreude zusammen. Während IT-Abteilungen überwiegend an soliden, nicht aufwendigen Lösungen interessiert sind, die den eigenen Anforderungen genügen, müssen Startups den Kunden überzeugen und daher zu innovativeren Mitteln greifen. Die Lust zu experimentieren hilft dabei, die Nase vorne zu haben und vorne zu behalten, wie man an dem einstigen Startup 'Google' sieht. Auch als Konzern bewahrt die Organisation die Experimentierfreude der Mitarbeiter und stellt ihnen bis zu 20 Prozent der Arbeitszeit zur Entwicklung eigener Ideen frei.

CW: Wie kann man als Top-Manager dafür sorgen, dass die Lerneffekte von Startups auch tatsächlich im eigenen Unternehmen Veränderungen hervorrufen? Was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren?

Andy Goldstein: Entscheidend ist, dass Führungskräfte Verantwortung für Anweisungen übernehmen, die sie den Mitarbeitern geben. Mitarbeiter brauchen vor allem dann eine starke Rückendeckung, wenn diese Anweisungen außerhalb der normalen Prozesse liegen.

Zum anderen muss ein Manager die ständige Unterstützung der Geschäftsleitung oder des Vorstands suchen und sicherstellen, dass an der Spitze der Hierarchie verstanden wird, dass Maßnahmen und Ergebnisse außerhalb des Normalen liegen können. (kf)

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