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Von Pierer: "Wer seine Ziele nicht erbringt, hat bei Siemens keine Chance"

06.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Siemens AG hält an ihren im Dezember 2000 gesteckten Ergebniszielen für 2003 fest und will bereits im kommenden Jahr "deutliche Erfolge" vorweisen. In diesem Zusammenhang nannte Firmenchef Heinrich von Pierer Details zu der auf "Operation 2003" getauften Unternehmensinitiative, durch die der Elektronikkonzern sein Ergebnis nach Steuern wieder verbessern will.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr wies Siemens einen Profit von nur noch 2,09 Milliarden Euro aus. Im Vorjahr hatte das Plus noch bei 8,86 Milliarden Euro gelegen. Als einen ersten Schritt gaben die Münchner bereits am gestrigen Mittwoch die sofortige Dekonsolidierung ihrer ehemaligen Tochter Infineon bekannt. Siemens hat seine Beteiligung an dem Halbleiterhersteller auf unter 50 Prozent reduziert, um Infineon künftig nicht mehr voll, sondern nur noch nach der Equity-Methode in die Konzernbilanz einbeziehen zu müssen (Computerwoche online berichtete).

Mittelfristig hat sich Siemens vorgenommen, die im vergangenen Jahr beschlossenen Ertragsziele in allen Konzernbereichen bis 2003 zu erreichen. Einen Aufschub erhält lediglich Information & Communications. Aufgrund der "fundamentalen Marktumbrüche" wird dieser Abteilung bis 2004 Zeit gegeben, ihre Ebitda-Marge (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen) zu erreichen. Insgesamt will von Pierer jeden der Siemens-Bereiche in die Pflicht nehmen, seine spezifischen Hausaufgaben zu machen: "Wer seine Ziele nachhaltig nicht erbringt, hat bei Siemens auf Dauer keine Chance."

Operation 2003: Sparen, sparen, sparen

In der Operation 2003 definiert der Konzern fünf wesentliche Punkte, um seine mittelfristigen Ziele zu erreichen:

Um die zentralen Kosten weiter einzudämmen, wurde das Budget für die Konzernzentrale im laufenden Geschäftsjahr 2002 um rund 15 Prozent gesenkt. Auch im Jahr 2003 sollen Einsparungen in ähnlichem Ausmaß vorgenommen werden. Zudem will Siemens die Overhead-Kosten bei den operativen Einheiten und Regionalgesellschaften reduzieren. Dadurch könne man bis Ende 2002 mehrere 100 Millionen Euro einsparen.

In den drei Sparten des Siemens-Bereichs I&C soll die Ertragsstärke wiedergewonnen werden. IC Networks werde mit dem Effizienzsteigerungsprogramm "Pact" (Profit and Cash Turnaround) fit gemacht, bei IC Mobile seien bereits erste Erfolge sichtbar: Das Geschäft mit Mobiltelefonen operiere wieder nahe der Gewinnschwelle, hieß es. Schwierig sei die Situation jedoch in Bezug auf mobile Netze. Hier wurden die Einsparungsziele von 400 auf 700 Millionen Euro erhöht. Bei Siemens Business Services werde der neue Chef Paul Stodden die bereits eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen fortsetzen.

Die Lage bei Siemens VDO Automotive sei ebenfalls kritisch, denn diese Einheit müsse in einer schwierigen Branchenkonjunktur die ehemaligen Atecs-Bereiche integrieren. Trotz allem soll hier noch 2002 der Turnaround erreicht werden.

Die USA sind mit rund 20 Milliarden Euro Umsatz (ohne Infineon) und knapp 80.000 Mitarbeitern der größte Siemens-Einzelmarkt. Um die Ertragskraft auch dort zu steigern, evaluiert der Münchner Konzern seine US-Portfolios und strukturiert die Gesellschaften jenseits des Atlantiks um. Als erste Konsequenz dieser Initiative wurden die Standorte von Siemens VDO reduziert und das ICM-Geschäft von Opuswave geschlossen.

Zudem will Siemens auch im Geschäftsjahr 2002 sein besonderes Augenmerk auf die Liquidität richten. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr habe man einen Mittelzufluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit von sieben Milliarden Euro erzielt.

Ausblick für 2002

Die Aussichten für das gerade begonnene Geschäftsjahr 2002 sieht von Pierer eher skeptisch. Er geht davon aus, dass die branchenspezifischen Probleme des vergangenen Jahres sich im neuen Jahr fortsetzen werden. Eine exakte Prognose sei daher schwierig. Sicher sei lediglich, dass die Herausforderungen für die Problemkinder I&C sowie Siemens VDO Automotive und Siemens Dematic weiter "immens" seien. Von Pierer erklärte, das erste Geschäftsquartal werde noch durch Restrukturierungsaufwendungen belastet sein. Insgesamt zeigte er sich jedoch überzeugt, bereits im laufenden Geschäftsjahr Ergebnisverbesserungen erreichen zu können.

Die Restrukturierungsbemühungen und die Mitteilung, im Handy-Bereich wieder nahe der Gewinnzone zu operieren, nahmen die Anleger erfreut zur Kenntnis: Die Siemens-Aktie stieg am heutigen Vormittag von 73 auf 77,50 Euro (Stand: 10:00 Uhr). Gegen Mittag pendelte sich das Wertpapier wieder etwas niedriger bei 75,10 Euro ein. (ka)