Inklusion am Arbeitsplatz

Vom Umgang mit Menschen mit Behinderung

Susanne Köppler ist freie Autorin in München.
Inklusion am Arbeitsplatz ist eine Herausforderung. Vielen wollen ihren Kollegen mit Behinderung helfen, wissen aber nicht wie, und bewirken dadurch ungewollt das Gegenteil.

In Deutschland leben laut statistischem Bundesamt etwa zehn Millionen Menschen mit Behinderung (Stand 2013). Jeder achte Deutsche hat also mit Einschränkungen zu kämpfen. Um Menschen mit Behinderung insbesondere im Berufsalltag nicht zu diskriminieren, stellt sich die Frage, wie man richtig mit ihnen umgeht.

Ob Sie einem Blinden die Hand reichen, welche Begriffe und Wörter Sie vermeiden sollten und wie Sie in anderen Situationen mit Menschen mit Behinderung umgehen, weiß Christiane Noé, Research Manager der internationalen Christoffel-Blindenmission.

Umgang mit blinden Menschen

Wenn Sie einen Menschen kennenlernen oder ihn treffen, ist es grundsätzlich kein Problem, diesem zur Begrüßung die Hand zu reichen. Doch wie ist das bei Menschen, die nichts sehen können? Laut Noé ist es genauso angebracht, einem blinden Menschen die Hand zu reichen, wie einem Menschen ohne Handicap. "Dabei sagt man den eigenen Namen und dass man den Gegenüber begrüßen möchte", rät Noé.

Um blinden Menschen zu signalisieren, dass Sie mit ihnen sprechen und sie nicht aus dem Gespräch auszuschließen, sollte Sie beachten, dass Sie zu Beginn immer den eigenen Namen nennen und sich, während Sie sprechen, nicht abwenden, damit die Person weiß, dass Sie direkt zu ihr sprechen.

Laut statistischem Bundesamt leben in Deutschland rund zehn Millionen Menschen mit Behinderung.
Laut statistischem Bundesamt leben in Deutschland rund zehn Millionen Menschen mit Behinderung.
Foto: connel - shutterstock.com

Im allgemeinen Sprachgebrauch gibt es Redewendungen, über deren Inhalt oder Klang man sich erst Gedanken macht, wenn sie unangemessen sein könnten. Im Umgang mit einem blinden Menschen stellt sich beispielsweise die Frage, ob Sie sich gemeinsam etwas ansehen können, oder die Formulierung "Das sehen wir dann schon" verwenden sollten. Noé ist der Ansicht, dass Sie solche Ausdrücke verwenden können: "Auf jeden Fall das 'Das sehen wir dann' oder 'Wir sehen uns' beim Abschied". Zu fragen, ob man sich etwas gemeinsam ansehen möchte, hängt von der Situation ab.

Ein Papier mit gedruckter Schrift geht nicht. Bei einem Raum oder einem Objekt können Sie jedoch vorschlagen, es sich gemeinsam anzusehen, indem Sie dem anderen vor Ort beschreiben, was es zu sehen gibt. Vermeiden hingegen sollten Sie die Bezeichnung "Behinderter". Laut der Pressereferentin der Christoffel-Blindenmission, Ulrike Loos, reduziert dieser Ausdruck den Menschen nur auf seine Behinderung. Menschen mit Behinderung wollen jedoch, ebenso wie alle anderen, als Personen mit vielen Facetten wahrgenommen werden, die nicht durch ihre Behinderung definiert werden.

Ungefragt helfen?

In der Regel sollten Sie immer fragen, ob Sie einem behinderten Menschen helfen können, so Noé. Einen blinden Menschen ungefragt über die Straße zu ziehen oder Geldmünzen in die Hand zu drücken, weil dieser in manchen Augen möglicherweise bedürftig aussieht, ist sehr respektlos, "wenn auch vielleicht gut gemeint", erklärt die Expertin.

Es gibt Behinderungen, die einem Betroffenen nicht anzusehen sind. In diesem Fall ist Noé davon überzeugt, dass es in erster Linie an dem Menschen selbst liegt, dies deutlich zu machen, wenn er dies möchte. "Bei offiziellen Einladungen zu Konferenzen oder Meetings können Sie im Einladungsschreiben erfragen, ob der Eingeladene spezielle Bedürfnisse hat oder Unterstützung braucht", wie beispielsweise einen Gebärdendolmetscher oder anderes. So können Sie auch mit nicht sichtbaren Behinderungen umgehen und entsprechende Vorbereitungen treffen.

Abgesehen davon, bestimmte Barrieren aus dem Weg zu räumen, müssen laut Noé andere Menschen im beruflichen Umfeld nicht auf die Behinderung eines neuen Kollegen, Kunden oder Geschäftspartner vorbereitet werden, da es hierbei schlicht um berufliche oder fachliche Treffen geht. "Man kündigt ja auch nicht an ob man groß, klein, dick oder dünn ist", gibt die Expertin zu bedenken. Grundsätzlich ist es jedem selbst überlassen, wie er mit seiner Behinderung umgeht. Mögliche Hilfestellungen oder Vereinfachungen werden im Vorfeld bestimmt angesprochen.

Ignoranz geht gar nicht

Laut Noé bestehen die größten Fauxpas im Umgang mit Menschen mit Behinderung darin, den Menschen zu ignorieren. Insbesondere bei gehörlosen Menschen ist es sehr wichtig, dass Sie sich ihnen zuwenden, wenn Sie mit ihnen reden, da sie häufig auf Lippenlesen angewiesen sind. Außerdem sollten Sie vermeiden, mit dem Assistenten oder der Assistentin des anwesenden Menschen zu sprechen, anstatt mit dem Menschen selbst, den es betrifft.

Nur weil ein Mensch eine Behinderung hat, bedeutet das nicht, dass Sie diesem Menschen jederzeit ungefragt helfen sollen und über ihn bestimmen können, ohne mit ihm selbst darüber geredet zu haben. Grundsätzlich empfiehlt Noé, dass Sie sich "fragen, ob das eigene Verhalten nicht diskriminierend, respektvoll und menschenwürdig ist und niemanden aufgrund irgendeines Charakteristikums benachteiligt oder ausschließt."