Gründergeschichten

Vom Trainer zum App-Produzenten

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Selbst ist der Dozent: Eine neue Online-Plattform hilft Lehrenden, aus ihren Inhalten eine App zu produzieren. Programmierkenntnisse sind dafür nicht notwendig.
Die beiden Cleverlize-Gründer Lukas Steinbacher und Binh-An Tran, wollen E-Learning erschwinglich machen.
Die beiden Cleverlize-Gründer Lukas Steinbacher und Binh-An Tran, wollen E-Learning erschwinglich machen.
Foto: Edulize GmbH

So schnell kann es manchmal gehen: Der Österreicher Lukas Steinbacher und der Vietnamese Binh-An Tran treffen sich in München auf einer Veranstaltung für angehende Gründer. Am Ende einer Pause laufen sie sich über den Weg. "Die Begegnung hat vielleicht eine Minute gedauert", erinnert sich Steinbacher. Sie waren sich sympathisch und interessierten sich für das gleiche Thema: E-Learning.

Steinbacher hat früher als Projektleiter mit Online-Lernprogrammen gearbeitet, die ihm recht teuer erschienen. Jedes Mal fragte er sich: Geht es nicht günstiger? Tran wollte Englisch lernen und programmierte sich eine Sprach-App. Sofort fragte er sich, ob sich das nicht einfacher realisieren ließe, so dass jeder Dozent auch zum App-Entwickler werden könne. Es begann ein reger E-Mail-Verkehr, und je länger er dauerte, umso mehr inhaltliche und "chemische" Gemeinsamkeiten stellten sie fest. Vor allem letztere seien sehr wichtig, betonen beide. Schließlich schlossen sich Steinbacher und Tran für drei Tage ein, um ihre Idee von der Lern-App zu konkretisieren. Danach wussten sie, dass sie es gemeinsam angehen wollten.

Lieber selbständig als Dienstwagen

Steinbacher kommt aus dem Salzburger Land, hat in Innsbruck Betriebswirtschaftslehre studiert und in Bochum promoviert. Während der ersten Zeit seiner Promotion arbeitete er zusätzlich in einer großen Unternehmensberatung im schwäbischen Raum und verdiente ganz gut. Warum dann der Sprung in die ungewisse Selbständigkeit? Steinbacher gibt zu, dass die Verlockung groß war, in der Beratung zu bleiben: die Jobangebote waren hinsichtlich Aufgaben und Vergütung sehr attraktiv. Dennoch zieht er ein nüchternes Fazit: "In einem Konzern lernt man viel und kann wenig bewegen." Natürlich versteht er seine Studienfreunde, die gerade nach dem Studium viel verdienen und am liebsten auch gleich einen Dienstwagen fahren möchten. Bei ihm reifte jedoch gegen Ende der Promotion der Wunsch, es auf eigene Faust zu probieren. Er wolle mehr Verantwortung als Festangestellte eines großen Unternehmens tragen mit allen Konsequenzen. Diese können gelegentlich ziemlich hart sein, wie ihn die Erfahrungen der ersten Monate lehren. Er musste lernen, Prioritäten innerhalb kurzer Zeit neu zu definieren. Er musste erkennen, dass einige Entscheidungen, die er traf, existenziell für den Fortbestand der Firma sein können.

Auch für seinen Partner Binh-An Tran ist die Festanstellung nie eine ernsthafte Option gewesen. Er studierte Elektrotechnik an der TU München und begann in Informatik zu promovieren. Wegen der Firmengründung hat er im Moment das wissenschaftliche Arbeiten abgebrochen. Ein fester Job war nicht sein Ziel, auch er liebäugelte immer mit der Selbständigkeit.

Die Pilot-App von Cleverlize wurde 400.00 Mal heruntergeladen.
Die Pilot-App von Cleverlize wurde 400.00 Mal heruntergeladen.
Foto: wwwebmeister/Fotolia.com

Nun arbeiten beide seit Monaten sehr intensiv am ersten großen Ziel: Sie wollen Trainern und Dozenten helfen, auf einfache Weise ihre Lehrinhalte auf mobile Geräte zu bringen. Während Tran (fast) Tag und Nacht programmiert, rechnet Betriebswirt Steinbacher die verschiedenen Geschäftsmodelle durch, redet mit künftigen Kunden, präsentiert bei Investoren, um im Herbst durchzustarten. Noch leben die beiden Gründer vom Ersparten, aber langsam benötigen sie Geld für Design, Entwicklung und Kundengewinnung.

Pilot-App zum Englischlernen

Ihr Unternehmen cleverlize will allen Unterrichtenden eine Plattform inklusive der IT-Infrastruktur bieten, in der sie ohne Programmierkenntnisse aus ihren Inhalten eine App produzieren können. Die ursprüngliche Form der Inhalte spielt dabei keine Rolle. Es können Powerpoint-Präsentation, Videos, PDFs oder interaktive Tests auf die Plattform eingepflegt werden, und auf Knopfdruck wird eine App generiert. Als Pilotversuch hat Tran eine Anwendung zum Englischlernen entwickelt, die in den App-Stores über 400.000mal herunter geladen wurde. Allerdings stellte er sie kostenlos zur Verfügung. Verlange man dazu einen kleinen Betrag, ergäbe sich für Lehrende ein kleiner Nebenverdienst, gibt Steinbacher zu bedenken. Von Anfang an wird die App-Erstellung für alle Betriebssysteme angeboten.

Überzeugt von ihrem Erfolg arbeiten beide schon an Erweiterungen ihrer Plattform, zum Beispiel an einem Analysetool, über das Dozenten wie Schüler Feedback geben können - damit Dozenten ihr Unterrichtsmaterial ständig verbessern und Schüler effektiver lernen können.