Anwenderschulung/Reaktion auf steigenden IT-Trainingsbedarf

Vom Inhouse-Training zur eigenen Akademie

14.11.1997

Der Bedarf an Qualifikationsmaßnahmen für Mitarbeiter eines Unternehmens hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. In dem Maße, in dem die Anforderungen an Technik, Servicebereitschaft und Produktentwicklung steigen, muß auch das Know-how der Mitarbeiter ausgebaut werden. Die angespannte finanzielle Situation vieler Unternehmen führt dazu, im Bildungsbereich zu sparen.

Der Schulungsbedarf in der GZS stieg 1995 rasant an. Grund dafür war vor allem die Einführung eines neuen Karten-Management-Systems, das Herz eines jeden Processing-Unternehmens. Um diese erhöhte Nachfrage zu bewältigen, wurde ein interner Pool von Trainern aufgebaut. Dieser setzte sich aus Vertretern der operativen Bereiche, die von der Einführung des neuen Systems am meisten betroffen waren, zusammen. Bereits im Vorfeld hatte diese Gruppe an der Entwicklung der Software und ihrer Anpassung an firmenspezifische Bedürfnisse mitgearbeitet. Das aus der täglichen Arbeit gewonnene Know-how und verbesserte Systemkenntnisse führten zu Synergieeffekten - optimale Voraussetzung, um weitere Mitarbeiter des Unternehmens zu schulen.

Inzwischen hatte die GZS ihr Schulungszentrum ausgebaut und verfügte nun über mehrere mit modernster Technologie ausgestattete Trainingsräume. Dort konnten nun auch die speziell für Kostenstellen konzipierten SAP-Schulungen stattfinden, die eine Online-Bearbeitung der Budget-Prozesse ermöglichen sollten.

Im Jahr 1995 hatte im Schnitt jeder Mitarbeiter der GZS eineinhalb Seminare besucht. Damit wurden insgesamt 9000 Teilnehmertage absolviert, in denen sich der Umgang mit dem Karten-Management-System, einem ebenfalls neuen Autorisierungs- und Sicherheitssystem sowie der Image-Sachbearbeitung trainieren ließ. Im Laufe dieser Zeit bildeten sich auch die Trainer weiter, so daß ein für das Unternehmen wichtiges Know-how gewonnen wurde. So entschloß sich die GZS 1996, auch für die im Hause angewandte Standardsoftware intern zu schulen. Drei Gründe sprachen dafür:

- die Kosten: Gegenüber externen Schulungen ließen sich die Kosten um 50 Prozent reduzieren (unter Berücksichtigung von Gehältern, Raum- und Stromkosten). Die technische Infrastruktur war zu diesem Zeitpunkt bereits vorhanden.

- Die bessere Kenntnis der unternehmensspezifischen Belange: GZS-Trainer kennen die Struktur und die Erfordernisse ihres Unternehmens und können daher zielgerichteter unterrichten.

- Der Rückgriff auf das Trainerwissen ist jederzeit möglich: Wenn in der Praxis Fragen entstehen, die im Seminar nicht behandelt wurden, stehen die Trainer kurzfristig zur Verfügung, um vor Ort zu beraten und einzugreifen.

Parallel zu den Softwareschulungen bot die GZS bereits seit 1994 für Banken und Sparkassen Seminare rund um das Kreditkartengeschäft an. Das Card-Training-Center (CTC) vermittelt Institutsmitarbeitern aus jeder Hierarchie-Ebene Einblicke und Tips aus der Praxis der Kreditkartenabwicklung. Darüber hinaus vermittelt ein mehr Marketing-orientiertes Seminar Wissen zu strategischen Fragen.

Das CTC wird aufgrund der guten Resonanz ausgebaut und durch zusätzliche Kursangebote zu aktuellen Themen wie "Multifunktionale Chipkarte", "Zahlungsverkehr im Internet" sowie Vorträgen zu bargeldlosen Zahlungssystemen aus der Sicht des Handels ergänzt.

Das auf dem Gebiet der Weiterbildung gewonnene Know-how geht inzwischen über den Bereich des bargeldlosen Zahlungsverkehrs weit hinaus. Es soll nun verstärkt zum Aufbau weiterer Erfolgspositionen genutzt werden. Die Voraussetzungen sind gegeben: Erfahrung und Wissen der Trainer sind mittlerweile auf einem Stand, der es erlaubt, sich auch dem externen Wettbewerb zu stellen.

Die GZS wird unter dem Titel "Trainings-Akademie" noch in diesem Jahr ihr Leistungsangebot auch dem freien Markt zur Verfügung stellen. Das schließt PC-Schulungen von Standardanwendungen ebenso ein wie Persönlichkeitstraining und Seminare rund um den Zahlungsverkehr. In diese Trainings-Akademie wird künftig auch das erweiterte Leistungsangebot des CTC eingegliedert.

Kompetenz der Trainer liegt nicht brach

Die GZS bietet außerdem an, in Zusammenarbeit mit Kreditinstituten Schulungen bei deren Einführung von Softwaresystemen zu entwickeln. Als ehemaliges Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Kreditwirtschaft ist sie bereits seit 15 Jahren als Dienstleister der Banken und Sparkassen tätig und verfügt somit über eine genaue Kenntnis des Bankgeschäfts und seiner Erfordernisse in technischer und organisatorischer Hinsicht.

Welche Vorteile bringt es für ein Unternehmen, die interne Abteilung Weiterbildung um das Angebot von Seminaren auf dem freien Markt auszubauen? Die Antwort ist einfach: Neben der Sicherung von Arbeitsplätzen und einem kalkulierbaren Risiko - schließlich werden bereits vorhandene Ressourcen verwendet - liegt die Kompetenz der Trainer in der Zeit zwischen den Seminaren nicht brach, sondern wird genutzt und ausgebaut.

Ein weiterer Vorteil: Sind die Seminarteilnehmer Kunden des eigenen Unternehmens, wird die Beziehung vertieft. Allerdings sollte die Weiterbildungsabteilung einige Voraussetzungen erfüllen, bevor es externe Schulungen anbietet:

- Eine gewisse Unternehmensgröße ist Voraussetzung.

- Es sollten im Haus bereits über einen längeren Zeitraum erfolgreich Seminare absolviert worden sein.

- Die Trainer müssen sich kontinuierlich weiterbilden.

- Technik und Schulungsräume sollten den Anforderungen entsprechend vorhanden sein.

- Nicht zuletzt muß sich das Seminarangebot an den Bedürfnissen des Marktes orientieren.

Sind diese Bedingungen erfüllt, profitieren davon alle Beteiligten: das Unternehmen von der Gründung eines Profit-Centers und die Kunden von den individuell zugeschnittenen Schulungsmaßnahmen, die sich in der Praxis bereits etabliert haben.

Angeklickt

Während alle Welt von Outsourcing spricht, baut die Gesellschaft für Zahlungssysteme aus Frankfurt am Main ihre eigene Trainingsabteilung kräftig aus. Dem Unternehmen ist es wichtig, jederzeit auf Trainer zurückgreifen zu können, die genau die firmenspezifischen Belange kennen. Und obendrein werden auch noch Kosten gegenüber externen Seminaren gespart.

* Monika Koch ist bei der Gesellschaft für Zahlungssysteme mbH (GZS), Frankfurt am Main. Teamleiterin im Bereich Aus- und Weiterbildung.