Heimstatt-Bausparkasse nutzt Online-Programmiersystem zur Erstellung von Struktogrammen:

Vollie als Tool für die Anwendungsentwicklung

31.07.1981

Seit einiger Zeit setzt die Münchner Heimstatt Bausparkasse in ihrem EDV-Bereich (4341, DOS/VSE2, CICS/VS, Adabas) das Sottware-Package "Vollie/ Librarian" von ADR ein. Damit wurden zum einen die wesentlichen Funktionen des ICCF, zum anderen ein dediziertes Software-Entwicklungssystem abgelöst. Die kontinuierliche Pflege bereits erstellter und die Produktion neuer Projektdokumente einschließlich Struktogrammen übernahm Vollie.

Arnold Stein, Leiter der Hauptabteilung Datenverarbeitung bei der Heimstatt, äußert sich zum dreifachen Nutzeffekt dieser Maßnahme: "Wir ersparen uns den Systemoverhead des ICCF, außerdem die Kosten für die Hardware des dedizierten Software-Entwicklungssystems und haben im Vollie/Librarian zusätzliche Funktionen, die die vorher eingesetzten Systeme nicht oder technisch aufwendiger boten."

Paralleles Dokumentieren

Für die Heimstatt stand von Anfang an fest, daß Vollie/Librarian nicht nur zur Programmverwaltung, sondern als universelles Tool zur Erstellung und Verwaltung jeglicher Dokumentation innerhalb des gesamten EDV-Bereichs genutzt werden sollte. Erreicht wurde dies unter anderem durch die Prozedursprache, die integraler Bestandteil von Vollie ist und mit der sich nicht nur einfache Prozeduren wie beispielsweise für die Erstellung der JCL schreiben lassen, sondern auch ohne viel Programmieraufwand durchaus komplexe Dialoganwendungen.

Die Anwendungsentwicklung erfolgt bei der Heimstatt-Bausparkasse nach einem phasenorientierten Projektmanagement-Konzept, bei dem die Dokumentation parallel zur Software-Entwicklung erstellt wird. Damit liegt bei Abschluß eines Softwareprojekts auch die Dokumentation komplett vor.

In der Wartungsphase eines Anwendungssystems geht es dann darum, den Gleichlauf einer Programmänderung und des Updating der Dokumentation zu gewährleisten. Aus dieser Aufgabenstellung wird ersichtlich, daß Werkzeuge zur Erstellung und Pflege der Dokumentation bereitgestellt werden müssen. Als ein Beispiel hierfür sei im folgenden die Erzeugung von Struktogrammen (Nassi-Shneiderman-Diagrammen) aus Pseudocode-Statements vorgestellt.

Symbolische Kartendecks

Über Vollie-Prozeduren erfolgen Eingabe und Updating des Pseudocodes im Dialog. Hierbei gibt die Eingabe-Prozedur eine Menüauswahl vor, aus der der Bediener die Strukturelemente auswählt. Durch die Syntaxführung der Prozedur werden Bedienerfehler weitgehend ausgeschlossen. Die Prozedur generiert als Output ein symbolisches Kartendeck, das wie ein Vollie- beziehungsweise Librarian-Member verwaltet wird.

Dieses Kartendeck dient als Eingabe für ein Batch-Programm, das eine eingerückte Liste mit den Pseudocode-Statements sowie wahlweise ein Nassi-Shneiderman-Diagramm generiert. In diesem Diagramm werden parallele Prozesse parallel dargestellt (IF-THEN-ELSE-CLAUSE, CASE-Auswahl) und Blöcke einer bestimmten Strukturtiefe in Abhängigkeit von der gewählten Zeilenbreite (80stellig für die Bildschirmanzeige, 132stellig für die Druckausgabe) ausgelagert.

Dieser Prozeß ist rekursiv, so daß der Anwender sein Struktogramm beliebig fein gliedern kann. Peter Hauswald, Projektleiter für. Anwendungsentwicklung bei der Heimstatt, beschreibt die Arbeit mit Struktogrammen im Unternehmen: "Wir setzen Struktogramme schon in einer sehr frühen Phase der Anwendungsentwicklung ein. Dies ergibt sich bereits aus der für ein Dienstleistungsunternehmen wie einer Bausparkasse typischen Aufgabenstellung: Die Sachbearbeitungsabläufe lassen sich als einzelne Geschäftsvorfälle darstellen (beispielsweise die Neuanlage, eines Vertrages oder eine Zusammenlegung oder eine Darlehensauszahlung) und mit Hilfe von Struktogrammen beschreiben."

Hauswald weiter: "Dies erfolgt zunächst allein aus der Sicht des Sachbearbeiters und völlig unabhängig von einer zugrunde liegenden Daten- oder Programmstruktur. Eine Jackson-orientierte Vorgehensweise scheidet auf einer derart frühen Stufe naturgemäß aus. Die Praxis hat gezeigt, daß die Fachabteilungen durchaus in der Lage sind, die Struktogramme zu lesen, zu korrigieren und zu verfeinern. EDV und Fachabteilung verständigen sich so in der gleichen Sprache. Aus diesen Struktogrammen wird durch schrittweises Verfeinern letztlich die Programmvorgabe."

Die Anwendungsentwickler der Heimstatt standen nach der Ablösung des bislang benutzten Programmentwicklungssystems vor der Schwierigkeit, bereits erstellte Struktogramme weiter pflegen zu müssen. Mit den Vollie-Prozeduren wurde dieses Problem zur vollen Zufriedenheit gelöst. wobei beim Updating der Struktogramme inzwischen ein hoher Komfort erreicht wurde. Die Batch-Generierung eines Struktogramms verläuft sehr schnell: Nach dem SUBMIT-TO-BATCH kann sich der Bediener schon nach wenigen Sekunden das generierte Diagramm am Bildschirm anzeigen lassen.

*Dipl.-Math. Hans Bernd Ulrich ist Projektleiter für die Entwicklung von Basissoftware bei der Heimstatt Bauspar-Aktien-Gesellschaft in München.