Ausgang offen

Vodafone greift nach Kabel Deutschland

12.06.2013
Kabel Deutschland weckt Begehrlichkeiten. Erneut streckt Vodafone seine Hände nach Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber aus. Der britische Telekomriese ist wohl nicht der einzige Interessent, denn strategisch ist der Münchner Konzern ein spannendes Ziel.
Zentrale von Kabel Deutschland in Unterföhring bei München
Zentrale von Kabel Deutschland in Unterföhring bei München
Foto: Kabel Deutschland

Vodafone bemüht sich erneut um eine Übernahme von Kabel Deutschland. Das bestätigte das Unternehmen am Mittwoch. "Vodafone nimmt die jüngsten Spekulationen zu einem möglichen Angebot für die Kabel Deutschland Holding AG zur Kenntnis und bestätigt, dass es einen ersten Kontakt für ein mögliches Angebot aufgenommen hat", heißt es in einer knappen Mitteilung des britischen Mobilfunkriesen am Mittwoch. Anfang des Jahres hatte es bereits ein erstes Werben aus London gegeben - damals legte der Konzern nach Bekanntwerden der Pläne das Vorhaben allerdings erstmal auf Eis.

Kabel Deutschland in München betonte wie auch Vodafone, dass es keine Gewissheit gebe, ob am Ende überhaupt ein Angebot stehen wird. Zu allen weiteren Details hüllen sich beide Unternehmen in Schweigen. Die Münchner können sich jedenfalls über mangelndes Interesse nicht beklagen. Neben Vodafone soll KD auch beim US-Kabelkonzern Liberty Global weit oben auf der Wunschliste stehen. Auf den ersten Blick erstaunt das Interesse eines Mobilfunkunternehmens an Kabelfirmen. Doch strategisch könnte sich eine solche Übernahme durchaus rechnen.

Der Boom bei Smartphones und mobilem Internet treibt den Datenverkehr in den Mobilfunknetzen stetig nach oben. Milliarden werden Vodafone und Rivalen wie T-Mobile, Telefónica oder E-Plus in den Ausbau ihrer Netz stecken müssen, um der Flut Herr zu werden. Ausgerechnet Kabelfirmen können hier Entlastung bieten. Kabel Deutschland bietet, basierend auf dem festen Netz, drahtlose Zugänge zum Internet, sogenannte Hotspots. In Berlin testet der Konzern die Technik bereits, die WLAN an Verteilern des Kabelnetzes bietet - dessen Kapazität zumindest bei Glasfaser fast unerschöpflich ist.

Vodafone-Chef Vittorio Colao
Vodafone-Chef Vittorio Colao
Foto: Vodafone

Für Vodafone könnte das gerade auf dem hartumkämpften deutschen Mobilfunkmarkt ein Riesenvorteil sein. Die Briten sind nach der Telekom hier knapp zweiter Sieger, deutlich vor E-Plus und O2. Zudem: Auch Vodafone will seine Kunden mit gebündelten Angebot aus Telefon, Fernsehen und Internet ("Triple Play") locken - und vor allem binden. Gerade in diesem Feld ist Kabel Deutschland sehr erfolgreich. Derzeit nutzen die Berichte vor allem der Aktie von Kabel Deutschland, das Papier legte am Vormittag um mehr als acht Prozent auf knapp 80,90 Euro zu.

Um alle 88,52 Millionen Kabel-Deutschland-Aktien kaufen zu können, müsste Vodafone bei einem Kurs von knapp 80,90 Euro derzeit gut 7,1 Milliarden Euro bezahlen. Für den weltweit zweitgrößten Mobilfunker mit einem Jahresumsatz von zuletzt umgerechnet fast 52 Milliarden Euro zumindest ein bezahlbares Projekt, wenn auch nicht ohne Aufwand, denn die große Mehrheit der Papiere befindet sich im Streubesitz. Der Umsatz lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 1,7 Milliarden Euro. (dpa/tc)