Deutschlandchef Schulte-Bockum geht

Vodafone enttäuscht mit Ausblick

19.05.2015
Der britische Mobilfunker Vodafone bleibt trotz des zuletzt milden Aufschwungs bei seinen Geschäften vorsichtig.

Nach dem deutlichen Gewinnplus im vergangenen Geschäftsjahr könnte das Ergebnis nun leicht darüber oder deutlich darunter herauskommen, teilte Vodafone am Dienstag in Newbury bei London mit. Experten erwarten eigentlich, das Vodafone mindestens das erreichte Niveau verteidigt. Entsprechend negativ war die Reaktion an der Londoner Börse: Die Aktie fiel in einem freundlichen Markt am Vormittag um zwei Prozent.

Jens Schulte-Bockum, Deutschlandchef von Vodafone, hat seinen Rücktritt angekündigt.
Jens Schulte-Bockum, Deutschlandchef von Vodafone, hat seinen Rücktritt angekündigt.
Foto: Vodafone

In Deutschland verliert der Konzern unterdessen nicht nur an Boden auf die Konkurrenz, sondern auch seinen obersten Manager. Deutschlandchef Jens Schulte-Bockum tritt innerhalb des laufenden Geschäftsjahres zurück. Ihm sitzt die Konkurrenz im Nacken: Während Kundenprimus Telefonica Deutschland und die nach Umsätzen führende Deutsche Telekom bei den Mobilfunkdienstleistungen von Januar bis März teils komfortable Umsatzanstiege melden konnten, rutschte er bei Vodafone Deutschland noch um mehr als drei Prozent ab.

Besser läuft es dagegen bei der zugekauften Tochter Kabel Deutschland, die seit Jahren kontinuierlich Kunden für die Angebote mit schnellem Internetbreitband gewinnt. Erlöse und operatives Ergebnis waren, wie am Vortag mitgeteilt, weiter gestiegen.

Der Italiener Vittorio Colao ist seit 2008 CEO von Vodafone.
Der Italiener Vittorio Colao ist seit 2008 CEO von Vodafone.
Foto: Vodafone

Die Entwicklung im deutschen Mobilfunk ist für Konzernchef Vittorio Colao umso ärgerlicher, da sich konzernweit ein Aufschwung andeutet. Von Januar bis März war der konzernweite Umsatz mit Mobilfunkdienstleistungen aus eigener Kraft wieder geklettert - Analysten hatten nach fast drei Jahren mit Rückgängen im Schnitt lediglich mit einer stabilen Entwicklung gerechnet. Auch in Deutschland steckt Vodafone derzeit viel Geld in die Modernisierung seiner Netze.

Europaweit fassen die großen Telekomkonzerne langsam wieder Fuß: Die Konjunktur in der Eurozone zeigt Silberstreifen am Horizont auch in einstigen Problemländern wie Spanien, und der Einfluss der Regulierer wirkt nicht mehr so stark. Diese hatten Entgelte wie zum Beispiel Roaminggebühren in den vergangenen Jahren nach und nach zusammengestrichen.

Deutschlandzentrale von Vodafone in Düsseldorf
Deutschlandzentrale von Vodafone in Düsseldorf
Foto: Vodafone

Im vergangenen Geschäftsjahr wuchs der Vodafone-Umsatz insgesamt um 10,1 Prozent auf 42,2 Milliarden Pfund, ohne Zukäufe und Wechselkurseinflüsse wären die Erlöse aber noch um 0,8 Prozent geschrumpft. Höhere Abschreibungen für die Zukäufe Kabel Deutschland und Ono in Spanien belasteten jedoch. Der bereinigte operative Gewinn sackte um mehr als ein Sechstel ab.

Dank Zukäufen stieg der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 7,5 Prozent auf 11,9 Milliarden Pfund. Für das laufende Jahr reicht die angepeilte Spanne bei dieser Kennzahl von 11,5 bis 12 Milliarden britischen Pfund (bis zu 16,6 Milliarden Euro).

Der Nettogewinn lag bei 5,92 Milliarden Pfund - vor einem Jahr hatte Vodafone dank des Verkaufs der Anteile am US-Mobilfunker Verizon Wireless einen Wert rund zehnmal so hoch eingestrichen. Als Schlussdividende sollen die Aktionäre diesmal 7,62 Pence pro Papier erhalten. Vodafone will die Ausschüttungen je Aktie in den kommenden Jahren jährlich steigern. (dpa/tc)