Software-Defined Networking

VMware übernimmt einst geheimes Start-up Nicira

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Die EMC-Virtualisierungstochter VMware zahlt satte 1,26 Milliarden Dollar für Nicira, das Netze im Data Center ähnlich virtualisiert, wie VMware das seit Jahren mit Servern macht.
So funktioniert (vereinfacht dargestellt) die NVP von Nicira.
So funktioniert (vereinfacht dargestellt) die NVP von Nicira.
Foto: Nicira

Nicira ist rund fünf Jahre alt und agierte die längste Zeit davon im Stealth Mode; Ende vergangenen Jahres sickerten langsam Details über die revolutionäre Technik des Start-ups durch. Nicira hat eine Network Virtualization Platform (NVP) entwickelt, die ein virtuelles Netz von der physikalischen Netz-Hardware entkoppelt. Damit lässt sich die Netzlandschaft in einem Rechenzentrum mit Software und Regeln sehr schnell umbauen und an neue Anforderungen anpassen.

Zu den frühen Kunden von Nicira gehören unter anderem AT&T, Ebay, Fidelity Investments, Rackspace und der japanische Telco-Riese NTT. Ob diese Nicira-Technik auch schon produktiv einsetzen, ist indes unklar; Nicira bietet erst seit ganz kurzer Zeit offiziell fertige Produkte an.

"Da Nicira erst vor kurzem seine ersten produktionsfähigen Systeme ausgeliefert hat, mag diese Übernahme Beobachter überraschen", schreibt Ben Horowitz, der für den Wagniskapitalgeber Andreessen Horowitz im vergangenen Jahr bei Nicira eingestiegen war, in seinem Blog. "Wer aber die Tiefe von Niciras Technik und die Implikationen ihrer Kombination mit der von VMware wirklich versteht, wird die Brillianz von VMwares Schritt erkennen. VMware wird mit einem Schlag von einer Fußnote im Netzmarkt zum klaren Technologieführer bei Software-Defined Network und ganz besonders Cloud Networking."

Der Kaufpreis von 1,26 Milliarden Dollar ist für die Investoren, zu denen neben Andreesen Horowitz auch noch Lightspeed Venture Partners, NEA sowie die VMware-Gründerin Diane Greene und der Venture Capitalist Andy Rachleff gehören, jedenfalls ein gelungener Exit - sie hatten Nicira bislang 50 Millionen Dollar bereitgestellt.

Steve Herrod, Chief Technology Office (CTO) von VMware, erläutert die Motive für die Übernahme von Nicira ausführlicher in einem Firmenblog. Hauptmotiv ist demnach das Streben nach einem software-definierten Rechenzentrum, in dem Rechenleistung, Massenspeicher, Netz und Sicherheit von der jeweiligen Hardware entkoppelt, zu aggregierter Kapazität zusammengefasst und automatisiert verwaltet werden - und zwar nicht zuletzt um ein Vielfaches schneller als die meisten IT-Umgebungen heute.

Bei der Virtualisierung ganzer Data Center war der Netzbereich bislang ein Hemmschuh; das Hantieren mit teilweise tausenden VLANs und VLAN-Regeln dauere erheblich länger als beispielsweise das Aufsetzen von Virtuellen Maschinen, so Herrod; überdies verhindere die physikalische Netztopologie oftmals eine echte Workload-Mobilität.

Eine Stärke des Abstraction Layers von Nicira ist laut Herrod seine Offenheit und Unterstützung von heterogenen Hypervisor- und Cloud-Umgebungen. Nicira sei unter anderem ein wichtiger Contributor von Open vSwitch und auch des "Quantum Project", eines zentralen Subsystems von OpenStack. VMware werde Nicira nach der Übernahme unbedingt genauso offen halten wie bisher, betont CTO Herrod ganz ausdrücklich, und auch Communities außerhalb von VMware wie OpenStack und CloudStack Mehrwert und neue Wahlmöglichkeiten liefern. Dass VMware sehr wohl auch offen könne, habe es unter anderem mit der Übernahme von DynamicOps für Cloud-Automatisierung in heterogenen Umgebungen, der Springsource-Community sowie der Verwaltung der offenen Plattform CloudFoundry unter Beweis gestellt.

VMware will die Übernahme im Laufe des zweiten Halbjahres abschließen. 1,05 Milliarden Dollar vom Kaufpreis sollen in bar entrichtet werden. VMware hat gestern übrigens auch Quartalszahlen vorgelegt. Diese lagen beim Umsatz mit 1,12 Milliarden Dollar exakt auf Höhe des Analystenkonsens und beim EPS mit 68 Cent leicht über der Erwartung von 66 Cent.