2016 wird Jahr des Übergangs

VMware streicht 800 Stellen und richtet sich neu aus

27.01.2016
Der Virtualisierungsspezialist VMware will in diesem Jahr 800 Stellen abbauen und sich technologisch neu orientieren. Das sagte CEO Pat Gelsinger anlässlich der Bekanntgabe der Jahresbilanz 2015.

2016 werde ein Jahr des Übergangs, sagte Gelsinger in einer Telefonkonferenz zur Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen. "Wir gehen davon aus, dass die positiven Effekte durch unsere neuen Produkte den Rückgang bei unseren klassischen Compute-Produkten wettmachen", so der CEO. VMware spürt derzeit, dass viele Kunden die Public-Cloud-Angebote von Amazon Web Services (AWS) und Microsoft nutzen anstatt selbst aufwändig in Private-Cloud-Infrastrukturen zu investieren. 800 Mitarbeiter sollen gehen, doch VMware will rund um seine Wachstumsprodukte auch einstellen, insbesondere beim Kundendienst und Support.

VMware-Chef Pat-Gelsinger hat keine guten Nachrichten für die Finanzanalysten.
VMware-Chef Pat-Gelsinger hat keine guten Nachrichten für die Finanzanalysten.
Foto: Harald Weiss

Der Virtualisierungsspezialist setzte 2015 neun Prozent mehr um als im Vorjahr. Der Umsatz belief sich auf 6,57 Milliarden Dollar. Ohne negative Währungseinflüsse hätten die Einnahmen sogar um zwölf Prozent zugelegt. Im laufenden Geschäftsjahr "des Übergangs" soll sich das Plus nur noch auf vier Prozent belaufen, angepeilt werden nun 6,94 Milliarden Dollar. Auch beim Ertrag korrigierte das Unternehmen den Ausblick nach unten. Analysten an der Wall Street zeigten sich enttäuscht, so dass die VMware-Aktie nachbörslich um sieben Prozent fiel. Gelsinger fürchtet, dass sich die konjunkturellen Schwächen in aufstrebenden Ländern wie China, Brasilien und Russland negativ auf die Bilanz auswirken werden.

Hybrid Cloud als Hoffnungsträger

VMware sieht die Zukunft darin, die Private-Cloud-Infrastrukturen der Kunden in die Public-Cloud zu überführen. Deshalb bekommen Angebote wie "vCloud Air Network" und "vCloud Air" eine viel größere strategische Bedeutung. Geslinger beeilte sich zu betonen, dass diese Cloud-Services einen engeren Fokus hätten als die konkurrierenden Public-Cloud-Lösungen und dass man sich mit besonderen Software- und Services von der Konkurrenz abzusetzen gedenke. Das dürfte bilanziell auch nötig sein, liefern sich Amazon und Microsoft doch einen erbitterten Preiskampf.

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Immerhin kann VMware auf eine gute Geschäftsentwicklung bei einigen neueren Produkten verweisen. "NSX", eine Netzwerk-Virtualisierungs- und Sicherheitsplattform für das Software-defined Data Center, legte um mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, so dass hier über das gesamte Geschäftsjahr mehr als 600 Millionen Dollar eingenommen werden konnten. Im vierten Geschäftsquartal wuchs zudem das Virtual-SAN-Geschäft um 200 Prozent.

Finanzchef Chadwick geht

VMware teilte unabhängig von den Finanzzahlen mit, dass Finanzchef Jonathan Chadwick, der auch als Chief Operating Officer und Executive Vice President agiert, den Konzern verlässt. Für ihn wird zum ersten März Zane Rowe, derzeit CFO bei EMC, übernehmen.

VMware gehört mehrheitlich zu EMC, das wiederum in diesem Jahr für 67 Milliarden Dollar von Dell übernommen werden soll. Dell will VMware an der Börse halten und etwa einen 28prozentigen Unternehmensanteil konrollieren. Die Aktionäre waren mit den strategischen Aussichten nicht einverstanden, so dass der Börsenkurs im Laufe des vierten Quartals 2015 um rund 30 Prozent einbrach. (hv)

 

volkeru

Ich bin davon überzeugt, dass nicht nur die Abwanderung in Cloud-Dienste VMware die Gewinne zunehmend verhagelt, sondern insbesondere auch die Upgrade-Politik des Unternehmens. Waren die Preise für Virtualisierungsprodukte früher sehr moderat und auch für Privatpersonen, sowie kleinere Entwickler und Unternehmen erschwinglich, so sind die Preise seit einem Jahr deutlich gestiegen und die Zyklen für kostenpflichtige Versionswechsel erheblich kürzer geworden. Gerade Einzelpersonen und kleine Unternehmen mit schmalem Budget sind nicht in der Lage, für marginale Verbesserungen jetzt jedes halbe Jahr rund 300 € zu zahlen, zumal es auch keine nach wirtschaftlichen Kriterien gestaffelten Preise gibt. Dieser Personenkreis führt nun einfach keine kostenpflichtigen Upgrades mehr durch. Ich bin sicher, dass diese Politik einen erheblichen Anteil am Gewinnrückgang hat.

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