VMworld 2012

VMware kehrt zum alten Lizenzmodell zurück

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Zu seinem Einstand machte der neue VMware-CEO Pat Gelsinger den Kunden ein Geschenk und verkündete das Ende der umstrittenen vRAM-Lizenzierung. Außerdem wurde auf der VMworld 2012 Version 5.1 der "vCloud Suite" vorgestellt.
VMworld 2012: Paul Maritz (l.) legt die Führung von VMware in die Hände von Pat Gelsinger (r.)
VMworld 2012: Paul Maritz (l.) legt die Führung von VMware in die Hände von Pat Gelsinger (r.)
Foto: VMware

"Wir beenden die Lizenzierung nach vRAM", verkündete der seit Anfang September amtierende neue VMware-Chef Pat Gelsinger zum Auftakt der diesjährigen VMworld 2012 in San Francisco und sorgte damit für Jubel unter den versammelten 22.000 Kunden.

Vor einem Jahr hatte sein Vorgänger Paul Maritz eine neue Metrik angekündigt, die sich an der Zahl der CPU-Sockel und der Menge des virtuellen Arbeitsspeichers orientierte. Die Verantwortlichen versprachen damals ein leichter verständliches und einfacheres Lizenzmodell, in dem es zudem keine Limitierungen geben sollte, was die Zahl der Prozessorkerne und das Hauptspeichervolumen betreffe. Außerdem würden die Anwender beim Umstieg auf das neue Modell kaum einen Unterschied feststellen.

"Modernes Raubrittertum"

Doch in der Folge stießen die neuen Lizenzbedingungen auf Unverständnis und massive Kritik in den Reihen der Kunden. Hier werde versucht, die Klientel zu melken, beschwerte sich ein Anwender. Diese erst mit attraktiven Rahmenbedingungen zu einem Produkt zu locken, um sie dann beim Update technisch massiv einzuschränken - das sei modernes Raubrittertum. Da die Kritik im Lauf der Monate nicht verstummte, ruderte das VMware-Management nun zurück. Ex-CEO Maritz nahm den Schlingerkurs auf seine Kappe und entschuldigte sich bei den Anwendern: "Mea culpa." Nun soll es für Kunden und Partner wieder deutlich einfacher werden. Künftig soll die VMware-Software nur noch auf Prozessorbasis lizenziert werden.

Die Preise für die neue Version 5.1 von vSphere beginnen bei 83 Dollar je Prozessor. Das Einstiegspaket "Essentials" soll ab 495 Dollar pro CPU zu haben sein, und für das Komplettpaket "vSphere Essentials Plus" verlangt der Hersteller 4495 Dollar für jeden Prozessor von seinen Kunden. vSphere 5.1 bildet auch die Basis für die "vCloud Suite", die VMware als zentrales Element eines softwaredefinierten Rechenzentrums positioniert. Mit dem Virtualisierungspaket sollen sich sämtliche Hardwareressourcen in einem Data Center, also Server, Storage- und Netzkapazitäten, unter einem Virtualisierungs-Layer abstrahieren lassen. vCloud soll Unternehmen dabei unterstützen, ihre Rechenzentren in Richtung Cloud zu transformieren, gab Gelsinger die Marschrichtung vor.

Mehr Funktionen für Sicherheit

Über 100 zusätzliche Funktionen und Verbesserungen seien in das neue Release eingeflossen, versprach der Softwarehersteller seinen Kunden in San Francisco. Beispielsweise unterstütze vSphere 5.1 nun virtuelle Maschinen (VMs) mit bis zu 64 virtuellen CPUs. Das Migrations-Tool "vMotion" sei derart ausgebaut worden, dass sich VMs künftig ohne "Shared Storage" in Echtzeit auf andere Hardwareressourcen übertragen ließen. Damit nähere man sich einem unterbrechungsfreien Betrieb von virtuellen Maschinen an, hieß es.

Darüber hinaus bietet das neue Release der Virtualisierungsplattform zusätzliche Security- und Management-Features. Nach Angaben des Herstellers vereinfachten sich beispielsweise mit der neu hinzugekommenen Funktion "vSphere Data Protection" Backup, Recovery und Replikation von VMs. Der "vCenter Site Recovery Manager" soll Verfügbarkeit und Wiederherstellung von Anwendungen in einem virtualisierten Rechenzentrum verbessern. "vCloud Networking and Security" unterstütze die Anwender dabei, ihre Netze flexibel für bestimmte Services und Anwendungen zu konfigurieren. Für die Orchestrierung kompletter Virtual Data Center (VDC) gibt VMware seinen Kunden den "vCloud Director" an die Hand. Das Verwaltungswerkzeug könne dem Hersteller zufolge vSphere-Cluster mit bis zu 30.000 VMs beherrschen.

VMware verspricht mehr Offenheit

Neben der Cloud-Suite, die ab 11. September in den Versionen Standard, Advanced und Enterprise verfügbar sein soll, verwies Gelsinger auf weitere Entwicklungsschwerpunkte wie beispielsweise im Umfeld von Social Media. In diesem Bereich hatte VMware im vergangenen Jahr Firmen wie Socialcast und Sliderocket übernommen und arbeitet offenbar an einer Social-Media-Plattform für den Unternehmenseinsatz. Mit der "Horizon Suite" - aktuell im Alpha-Entwicklungsstatus - soll es künftig eine Plattform geben, über die mobile Anwender auf ihren virtualisierten Arbeitsbereich in der Firma zugreifen können. Außerdem werde es in Zukunft darum gehen, die Zusammenarbeit mit anderen Plattformen zu verbessern. "Das da draußen ist eine Multi-Cloud-Welt", sagte Gelsinger. "Es gibt andere Infrastrukturen, die wir unterstützen müssen."