Desktop-as-a-Service

VMware ebnet Google den Weg in die Unternehmen

25.02.2014
René Büst ist Technology Analyst & Advisor mit dem Fokus auf Cloud Computing und IT-Infrastrukturen. Er ist Mitglied des weltweiten Gigaom Research Analyst Network und gehört weltweit zu den Top 50 Bloggern in diesem Bereich. Seit Ende der 90er Jahre konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in Unternehmen.
Die Kooperation von VMware und Google im Bereich Desktop-as-a-Service (DaaS) kann den mit Chrome OS betriebenen Chromebooks den Weg in die Unternehmens-IT ebnen. Das Abkommen weist aber auch auf Googles Schwächen im Enterprise-Geschäft hin.
Foto: VMware

Im ersten Moment war es eine unerwartete Ankündigung, die auf dem zweiten Blick allerdings sehr schnell einen Sinn ergibt. VMware und Google haben kürzlich eine Partnerschaft verkündet, um über VMwares Desktop-as-a-Service Plattform Unternehmen Windows-Applikationen, Daten und Desktops auf Google Chromebooks auszuliefern. Crisp Research hält die Partnerschaft für einen klugen Schachzug von beiden Beteiligten. Das Abkommen macht aber auch deutlich, dass Google in der Partnerschaft die schwächere Position einnimmt. Es ist zudem das Eingeständnis von Google, dass Lücken im Cloud-Service-Portfolio für Unternehmenskunden klaffen.

Desktop-as-a-Service: Der Markt wird vielfältiger

Desktop-as-a-Service (DaaS) ist nach der Server- und Speicherentwicklung der nächste logische Schritt in der Virtualisierung. DaaS verlagert den vollständig virtualisierten Desktop-PCs ins Rechenzentrum. Von dort wird er zentral auf Endgeräte ausgeliefert. Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Vollwertige Computersysteme, die sogenannten Fat-Clients, führen zu maßgeblichen Investitionen in Hardware, Bereitstellung, Support, Betrieb und Aktualisierungen. Hinzukommen Ausgaben für die Sicherheit und Compliance.

Crisp Research beziffert die jährlichen Gesamtausgaben für Standard Desktop-PCs auf rund 1.560 Euro. Durch die Umstellung auf Thin-Clients, die im minimalsten Fall nur über eine Netzwerkschnittstelle und ein BIOS verfügen, lassen sich die Ausgaben auf etwa 150 bis 200 Euro pro Desktop und Jahr reduzieren.

Der Markt für DaaS teilt sich in zwei Segmente. Zum einen gibt es die grundlegenden Software-Infrastrukturen. Dazu gehören Angebote von VMware, Citrix, Univention, Wyse oder Microsoft, die sowohl als on-Premise als auch im Public-Cloud-Modell angeboten werden.

Der Markt für DaaS-Backend-Infrastrukturen wird immer vielfältiger. Das jüngste prominente Mitglied sind die Amazon Web Services (AWS) mit den WorkSpaces. Nach Angaben von AWS-Integrationspartnern waren die Test-Accounts für Amazon WorkSpaces innerhalb kürzester Zeit vergeben. Crisp Research geht davon aus, dass sich die Amazon Web Services als weltweit führender Anbieter von Infrastructure-as-a-Services auch in diesem Bereich signifikante Marktanteile sichern werden.

Auf der anderen Seite werden die Endgeräte benötigt, mit denen sich die virtualisierten Desktops nutzen lassen. Hierzu zählen klassischerweise die bekannten Thin-Clients. Google verfolgt mit seinen Chromebooks einen völlig neuen Ansatz. Das System startet direkt in das Chrome OS, was im Kern den Google Chrome Browser widerspiegelt. Ein Nutzer booted somit sofort in die Cloud.

Google Chromebooks - erhebliche Schwächen im Unternehmenseinsatz

Google Chromebooks sind auf der einen Seite revolutionär, da die lokale Komponente vollständig ausgeblendet wird und Daten und Applikationen zu 100 Prozent in der Cloud gespeichert beziehungsweise aus der Cloud genutzt werden. Auf der anderen Seite birgt der Ansatz auch erhebliche Schwächen, die derzeit stärker als die vermeintlichen Vorteile wiegen.

Die Idee der Chromebooks ist grundsätzlich gut. Das lokale System verfügt über eine minimale Intelligenz und keine höherwertigen Softwarekomponenten, die wie etwa im Windows-Betriebssystem, ständig mit einem Neustart auf dem aktuellen Stand gehalten werden müssen. Stattdessen ist der Browser das Betriebssystem, wodurch Google Software- und Sicherheitsupdates zentral einspielen kann, ohne das der Nutzer davon etwas bemerkt.

Foto: Google

Auch Googles Strategie, sämtliche Services wie zum Beispiel die Google Apps for Business Suite mit den Chromebooks zu integrieren, ist ein kluger Schachzug. Damit trägt der Konzern die User Experience der Chromebooks sowie die der Public Cloud Services in die Unternehmen und kann sie in der Enterprise-IT bekannter machen. Über den eigenen Marketplace lassen sich in Zukunft zudem immer mehr Services von Drittanbietern monetarisieren.

Leider ist die ganzheitliche Umsetzung bis heute nur mäßig. Bis auf Google Mail und Google Kalender ist der Rest der Google Apps for Business Suite nicht unternehmenstauglich. Insbesondere die Textverarbeitung Google Docs, Kernprodukt jeder Office-Suite, zeigt noch erhebliche Schwächen und hinkt der Konkurrenz von Microsoft Word deutlich hinterher.

Zwar wächst das Angebot an SaaS-Lösungen stetig, doch derzeit mangelt es noch an leistungsfähigen Enterprise-Applikationen. Der Vorteil, der sich durch die lose und beliebige Nutzung von Cloud-Services auf den Chromebooks ergibt, ist durch die dürftige Angebotslage aktuell nichtig.

VMware öffnet Google das Tor in die Unternehmen

Um seinen Chromebooks eine echte Business Customer Experience zu bieten ist die Partnerschaft mit VMware ein notwendiger und kluger Schachzug. Er öffnet Google das Tor in die Unternehmens-IT. Anwender können damit auf ihre Windows-Anwendungen, Daten und Desktops mit Hilfe der VMware-Technologie Blast HTML5 und über einen Web-basierten Katalog vom Chromebook aus zugreifen.

Zudem können Unternehmen mittels VMware Horizon DaaS zwischen einer Virtual Desktop Infrastructure (VDI) oder Remote Desktop Services (RDS) Verbindung wählen. Zusammen mit VMWare Horizon View lassen sich die Chromebooks als on-Premise Service nutzen. In Zukunft soll die gemeinsame Lösung als DaaS-Angebot von VMware und anderen vCloud Service Anbietern in der Cloud oder in hybriden Umgebungen zur Verfügung gestellt werden.

Google - Abschied von der reinen Public-Cloud-Lehre

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Die Partnerschaft zwischen VMware und Google zeigt, dass Google derzeit noch nicht in der Lage ist, den Enterprise-IT-Markt allein mit eigenen Kräften zu überzeugen. Die Anforderungen der Unternehmensanwender sind derzeit noch zu vielfältig und komplex. Sie verlangen daher nach hybriden und stark integrierten Lösungen.

Mit der VMware-Partnerschaft kann es Google vielleicht gelingen, ein trojanisches Pferd in die Unternehmen einzuschleusen und deren Nutzer von der browser-basierten User Experience seiner Cloud-Dienste abhängig zu machen.

Ob das Anfixen über die Virtual Desktop Services auf den Chromebooks langfristig funktioniert, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass Google das Enterprise Business mittlerweile ernst nimmt und nicht als reines Anhängsel seines Online Werbegeschäfts versteht. Nach Einschätzungen von Crisp Research bereitet Google derzeit noch weitere Kooperation vor, die das Standing seiner Google Apps auf Seiten großer IT-Anwender verbessern sollen. (jha)