Virtuelle Netzbetreiber finden die Nische

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Kommunikationsdienstleister ohne eigenes Netz integrieren weltweit eingekaufte Kapazitäten zu einem einheitlichen Service. Sie sprechen damit international aufgestellte Mittelständler an.

Hier lesen Sie…

  • welche Dienste Virtual Network Operators übernehmen;

  • an welche Anwenderunternehmen sie sich richten;

  • was sie können und was nicht;

  • wer die Konkurrenten sind.

Der Auszug aus Gartners magischem Quadranten belegt die Reife des virtuellen Netzbetreibers Vanco. Die Analysten bemängeln aber Schwächen im Betrieb von Sprachnetzen.
Der Auszug aus Gartners magischem Quadranten belegt die Reife des virtuellen Netzbetreibers Vanco. Die Analysten bemängeln aber Schwächen im Betrieb von Sprachnetzen.

Der Virtual Network Operator (VNO) Vanco kommt mittlerweile auch in Deutschland zu ersten Erfolgen. Ein prestigeträchtiger Abschluss hat den Herausforderer im TK-Markt bekannt gemacht: "Siemens ist der Einstieg ins oberste Segment", freut sich Thomas Wolf, Non-Executive Chairman bei Vanco. Siemens hatte den TK-Dienstleister im September letzten Jahres damit beauftragt, verschiedene MPLS-Netze (Multi Protocol Label Switching) in eine globale Netzwerklösung zu integrieren. Das Auftragsvolumen des Dreijahresvertrags beläuft sich auf 4,3 Millionen Euro.

Kleine Anbieter wachsen schnell

Bislang ist Siemens das einzige Dax-Unternehmen, das sich mit Vanco eingelassen hat. Gehör finden dessen Verkäufer jedoch zunehmend in den Einkaufsabteilungen international aufgestellter Mittelständler. Zuletzt übertrugen Anwender wie Südzucker, Drägerwerk sowie der Logistikspezialist Kühne und Nagel dem Virtual Network Provider den Betrieb ihrer Weitverkehrsnetze. Arno Wilfert von der Beratungsgesellschaft Arthur D. Little in Düsseldorf hält diese Klientel auch für die lohnendere Zielgruppe für virtuelle Netzbetreiber: "Große Mittelständler, die eine internationale Anbindung benötigen und deren Kommunikationsbedarf über gelegentliche Telefonate in die Auslandsniederlassung hinausgeht, mag das Angebot interessieren."

Neben Vanco gibt es nur wenige Virtual Network Operators. ETT, Sirocom und Virtela sind weitere Anbieter (siehe Kasten: "Virtual Network Operators"). Sie wachsen alle im deutlich zweistelligen Prozentbereich, doch im Gesamtmarkt spielen sie bis dato keine große Rolle. Vanco nahm im letzten Geschäftsjahr beispielsweise etwas mehr als 104 Millionen Pfund ein (152,6 Millionen Euro) und konnte seinen Umsatz um mehr als 35 Prozent verbessern. Zum Vergleich: Die T-Systems, die die Geschäftskunden des Telekom-Konzerns betreut, erzielte im gleichen Zeitraum mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz. "Die Carrier empfinden die virtuellen Netzbetreiber derzeit nicht als Bedrohung", fasst Wilfert zusammen.

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