Virtualisierung auf dem Desktop: VMware Workstation 11

Virtualisierungs-Profi

Frank-Michael Schlede arbeitet seit den achtziger Jahren in der IT und ist seit 1990 als Trainer und Fachjournalist tätig. Nach unterschiedlichen Tätigkeiten als Redakteur und Chefredakteur in verschiedenen Verlagen arbeitet er seit Ende 2009 als freier IT-Journalist für verschiedene Online- und Print-Publikationen. Er lebt und arbeitet in Pfaffenhofen an der Ilm.
Thomas Bär, der seit Ende der neunziger Jahre in der IT tätig ist, bringt weit reichende Erfahrungen bei der Einführung und Umsetzung von IT-Prozessen im Gesundheitswesen mit. Dieses in der Praxis gewonnene Wissen hat er seit Anfang 2000 in zahlreichen Publikationen als Fachjournalist in einer großen Zahl von Artikeln umgesetzt. Er lebt und arbeitet in Günzburg.
Wer IT-Profis nach einem Programm zur Virtualisierung auf dem Desktop fragt, wird häufig eine Antwort bekommen: VM Workstation. Wir zeigen, was die Version 11 dieser Software zu bieten hat.

Gerade rechtzeitig für die Testphase dieser Artikelreihe zum Thema Virtualisierung auf dem Desktop stellten die Spezialisten der Firma VMware die neue Version 11 ihrer Virtualisierungs-Software für den Desktop vor. Auch wenn die EMC-Tochter als der große Player im Markt der Virtualisierungs-Lösungen heute hauptsächlich auf den Servern und in den Rechenzentren daheim ist, erfreut sich die Desktop-Variante von VMware doch nach wie vor großer Beliebtheit. Wir haben die ganz aktuelle Version 11 (11.0.0 build-2305329) auf Host-Systemen unter Windows 8.1 Enterprise und Windows 7 Ultimate sowie beim Einsatz mit diversen Windows- und Linux-Gastsystemen einmal näher unter die Lupe genommen.

VMware Workstation 11 unter Windows 8.1 Enterprise: Auf den ersten Blick kaum Unterschiede zur Vorgängerversion.
VMware Workstation 11 unter Windows 8.1 Enterprise: Auf den ersten Blick kaum Unterschiede zur Vorgängerversion.

Die VMware-Workstation in der Praxis

Anwender, die zum ersten Mal mit der VMware Workstation arbeiten, sind zunächst einmal verwundert, dass die Software immerhin nun schon in der elften Version nach wie vor nur in englischer Sprache bereitsteht. Das soll laut VMware auch weiterhin so bleiben, die VMware Workstation wird es nur in einer englischen und einer japanischen Sprachversion geben. Eine englische Oberfläche ist für IT-Profis sicherlich kein Hindernis, aber bei einem Preis von fast 215,- Euro könnte man doch eine Lokalisierung für den deutschen Markt erwarten.

Wer sich an dieser Einschränkung nicht stört, bekommt mit dieser Software eine Virtualisierung-Lösung für sein Desktop-System, die nur wenige Wünsche offenlässt. Im Gegensatz zu früheren Versionen der Software kann die Version nur noch auf einem 64-Bit Host-System betrieben werden, das gilt auch für die abgespeckte, "kleine" Version des Programms VMware Player. Sie steht, ebenfalls ganz aktuell in der Version 7, für die private Nutzung kostenlos zum Download bereit. In der Virtualisierungs-Software können natürlich nach wie vor auch 32-Bit-Betriebssystem als Gast virtuell betrieben werden. Bei den Gastsystemen unterstützt die Software eine sehr breite Auswahl automatisch, so dass Anwender mit Hilfe des Assistenten sehr schnell alle Windows-Systeme einschließlich der Vorab-Releases für Windows 10 und den Windows Server in einer virtuellen Maschine installieren können.

Eines der Features, das sich gerade bei Testsystemen immer wieder als praktisch erwiesen hat, ist die Möglichkeit. beim Hochfahren einer virtuellen Maschine diese bis zu einem simulierten BIOS hochfahren zu lassen. Folgerichtig hieß dieser Eintrag bisher auch "Power On To Bios". Er wurde jetzt in "Power On To Firmware" geändert, da Nutzer nun auch eine virtuelle Maschine mit einer EFI-gestützten Firmware einrichten und betreiben können. Zwar war das auch schon mit der Version 10 des Programms machbar, erforderte aber einen Eingriff in die Konfigurationsdatei mit der Endung .VMX. Leider sind die Entwickler hier nur den "halben Weg" gegangen, denn obwohl es jetzt möglich ist beim Einrichten der virtuellen Maschine "EFI" als Firmware auszuwählen, verändert sich dadurch nur wenig: Nach wie vor ist es nicht möglich, beispielsweise ein System mit Secure Boot mit Hilfe dieser simulierten Firmware einzurichten. Gut ist es hingegen, dass Administratoren so auch ein virtuelles System mit EFI auf einem Host-System betreiben können, das in der Hardware nur ein althergebrachtes BIOS zur Verfügung stellt.

Die Zahl der unterstützten Betriebssysteme, zu denen auch sehr viele Linux-Derivate zählen, ist weiter gestiegen und auch bei der Hardware-Unterstützung gibt es Neues zu vermelden: Die Software unterstützt die aktuelle Generation der Intel-x64-Prozessoren (Haswell), was laut Anbieter zu einer allgemeinen Leistungssteigerung führt. Weiterhin erkennt und unterstützt die Lösung nun auch Systeme mit USB-3.0-Geräten und -Anschlüssen und stellt diese auch dem Gastsystem entsprechend bereit. Wer also mit seinen Host- und vor allen Dingen auch mit den Gastsystemen die aktuellen Technikstandards nutzen will, sollte unbedingt einen Blick auf diese Software werfen.

Ein weiterer Vorteil der VMware Workstation besteht darin, dass diese Lösung eine 3D-Beschleunigung auch für die Gastsysteme unterstützt, die unter anderem auch den Betrieb entsprechend aufwändiger Spiele und Grafikanwendungen möglich macht. Mit der aktuellen Version 11 ist es nun zudem auch möglich, für jede der virtuellen Maschine individuell festzulegen, wie groß der eingesetzte Grafikspeicher sein soll.

Administratoren schätzen außerdem die vielfältigen Möglichkeiten rund um die Arbeit mit den MAC-Adressen und den virtuellen Netzwerkkarten: Sie können virtuelle Netzwerke aufbauen, in denen der ein- und ausgehende Netzwerkverkehr einer Maschine genau festgelegt werden kann und selbst die Simulation eines "Packet Loss" in Prozent ist direkt möglich ist. Ideal um eine komplette Netzwerk-Installation in einer simulierten Umgebung zu testen.

Für Profis ideal

Professionelle Anwender in der IT und Systemprofis werden auch weiterhin gerne zur VMware Workstation greifen, wenn es um Virtualisierung auf dem Desktop geht. Das gilt besonders dann, wenn in ihrer IT-Infrastruktur bereits Virtualisierungs-Software von VMware beispielsweise in Form der ESX-Server zum Einsatz kommt. Auch für IT-Fachleute, die verschiedenste Betriebssystem- und Netzwerkkonfigurationen in einer virtualisierten Umgebung auf dem Desktop testen wollen, bietet die Workstation sehr viele Möglichkeiten. Gerade ihre Flexibilität bei den verschiedensten Netzwerkkonfigurationen konnte auch in der Version 11 wieder überzeugen.

Allerdings halten sich die Neuerung im Vergleich zur bewährten Version 10 deutlich in Grenzen, was sich am besten am EFI-Support zeigt, der in dieser Form ohne die Möglichkeit, ein Betriebssystem mit Secure-Boot-Option einzurichten, auch schon zuvor vorhanden war: Er kann jetzt nur direkt im Menü eingerichtet werden. Der technische Vorsprung zu den kostenlosen Virtualisierungs-Lösungen Microsoft Hyper-V und Oracle VirtualBox ist im Vergleich zu früheren Versionen aktuell deutlich kleiner geworden. Mit der Möglichkeit, virtuelle Maschinen neuen Typs mit allen Vorteilen von EFI zu erstellen, hat Microsofts Lösung hier sogar einen deutlichen Vorteil zu bieten, wenn es um die Virtualisierung moderner Betriebssysteme auf dem Desktop geht. Wer die VMware Workstation in der Version 11 selbst testen möchte, kann sich dazu eine 30 Tage ohne Einschränkungen funktionsfähige Version von der Workstation Web-Seite des Anbieters herunterladen.