Bei mangelhafter Umsetzung

Virtualisierung führt zu unerwünschten Nebenwirkungen

Wolfgang Sommergut ist Betreiber der Online-Publikation WindowsPro.
Virtualisierung gilt als Wundermittel zur besseren Auslastung von Servern, zur Reduktion von Stromkosten und Verbesserung der Öko-Bilanz. Bei unzureichender Planung drohen jedoch unerfreuliche Konsequenzen.

Die Analysten von Gartner gaben auf ihrem Symposium In Orlando nicht nur Tipps zur richtigen Virtualisierung von Servern, sondern warnten auch davor, darin ein Allheilmittel zu sehen. Bei unzureichender Vorbereitung können in virtuellen Umgebungen neue Probleme entstehen oder solche von physikalischen Systemen verstärkt werden. Die CW-Schwesterpublikation Network World fasste mehrere Nebenwirkungen zusammen, die der Gartner-Analyst David Coyle nannte.

  • Vervielfachte Wirkung von Ausfällen: Bei physikalischen Systemen lässt sich der Defekt eines Servers durch eine Failover-Lösung relativ leicht abfangen, um längere Ausfallszeiten zu verhindern. Außerdem sind davon typischerweise ein Betriebssystem und eine oder wenige Anwendungen betroffen. In virtuellen Umgebungen hingegen kann der Ausfall eines Servers ein großes Loch reißen, wenn keine angemessenen Konzepte für den Ernstfall existieren.

  • Reduzierte Performance: In physikalischen Umgebungen stellen Unternehmen für kritische Anwendungen eigene Server und Speicher zur Verfügung, um einen entsprechenden Service sicherzustellen. Bei virtuellen Systemen sollen Ressourcen dynamisch dorthin verschoben werden, wo sie gerade erforderlich sind. Allerdings kann sich eine Applikation merklich verlangsamen, wenn konkurrierende Anwendungen mehr Leistung beanspruchen.

  • Überforderung der IT-Abteilung: Verantwortliche entdecken möglicherweise erst einen Mangel an Know-how, wenn komplexe virtuelle System schon in Produktion gegangen sind. Das Anwerben von Mitarbeitern mit Virtualisierungsexpertise fällt jedoch schwer, weil ein Mangel an qualifiziertem Personal herrscht (siehe: "Virtualisierung: Große Pläne, wenig Know-how"). Gartner empfiehlt daher, eigene Mitarbeiter rechtzeitig zu schulen.

  • Schwierige Diagnose: Zu den Vorzügen von virtuellen Maschinen (VM) gehört es, dass sie zwischen physikalischen Servern verschoben werden können, häufig sogar während des laufenden Betriebs ("Live Migration"). Server-Probleme lassen sich daher nicht mehr so einfach auf eine bestimmte Maschine eingrenzen, sondern können mit der VM mitwandern. Coyle beschrieb diese Schwierigkeit mit der Frage: "Wurde das Problem gelöst oder nur verloren?"

  • Wildwuchs von virtuellen Maschinen: Die unkontrollierte Ausbreitung von VMs gehört zu den gängigsten Problemen. Einen bestehenden virtuellen Server zu klonen fällt sehr einfach und daher erliegen Administratoren der Versuchung, bei allem möglichen Anlässen ad hoc neue VMs einzurichten.

  • Mangelnde Standardisierung: Tools und Abläufe aus der physikalischen Welt lassen sich nicht direkt in virtuelle Umgebungen übertragen. IT-Abteilungen müssen daher bestehende Prozesse und Tools anpassen. Solche Tendenzen konterkarieren das Bestreben nach Server-Konsolidierung. Daher sei ein Life-Cycle-Manamgement für VMs nötig, um die Kontrolle zu behalten.