Verdi bleibt hart

Vierter Streiktag bei Amazon an deutschen Standorten

30.10.2014
Die Fronten sind verhärtet: Im Streit zwischen Verdi und dem Online-Versandhändler Amazon wollen beide Seiten nicht nachgeben. Verdi will weiter streiken.

Im Konflikt zwischen Amazon und der Gewerkschaft Verdi ist weiter keine Einigung in Sicht. Am Donnerstag setzten Beschäftigte des Online-Versandhändlers ihren Streik den vierten Tag in Folge fort. Amazon sprach von einer "abnehmenden Streikbereitschaft". Dem Aufruf der Gewerkschaft seien weniger als 1350 Mitarbeiter gefolgt. "Kunden werden den Streik nicht spüren", erklärte das Unternehmen mit Verweis auf sein europäisches Netzwerk aus 28 Logistikzentren. Nach Angaben von Verdi legten am Donnerstag wie an den vergangenen Tagen rund 2000 Beschäftigte die Arbeit nieder. Die Streikbeteiligung sei "stabil und hoch".

Blick ins Amazon-Logistikzentrum in Leipzig
Blick ins Amazon-Logistikzentrum in Leipzig
Foto: Amazon.de

Die Gewerkschaft hat seit Montagmorgen an den Amazon-Standorten zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Sie versucht seit mehr als einem Jahr vergeblich, das Unternehmen mit Streiks zu Tarifverhandlungen zu den als günstiger gewerteten Bedingungen des Einzelhandels zu bewegen.

Eva Völpel, Sprecherin des Verdi-Bundesvorstandes, bestätigte, dass am Donnerstag an den Standorten in Bad Hersfeld, Leipzig, Graben bei Augsburg und Rheinberg in Nordrhein-Westfalen gestreikt wurde. Die Streiks würden auch den Rest der Woche durchgezogen. In Graben und Rheinberg bis zum Ende der Spätschicht am Freitagabend, weil dort am Samstag Feiertag sei. In Bad Hersfeld bis in den späten Samstagabend. In Leipzig sei heute beschlossen worden, dass dort ebenfalls am Samstag die Arbeit niedergelegt werde, in Sachsen ist am Freitag Feiertag. Nicht mehr gestreikt werde in Werne.

"Solange sich Amazon nicht bewegt, wird es weiter Streiks geben", sagte Völpel der Nachrichtenagentur dpa. Das gelte auch für das Weihnachtsgeschäft. Verdi habe festgestellt, "dass es durchaus zu Lieferverzögerungen kommt."

Amazon sieht sich als Logistikunternehmen und lehnt die Forderung von Verdi ab. "Mitarbeiter der Amazon Logistikzentren machen typische Logistikarbeit", erklärte das Unternehmen. "Sie nehmen Ware aus Regalen, verpacken und versenden sie." Den Mitarbeitern würden Löhne gezahlt, "die sich am oberen Ende dessen orientieren, was für vergleichbare Tätigkeiten gezahlt wird".

Gleichzeitig kündigte Amazon heute an, es wolle in seinen deutschen Logistikzentren über 10.000 Saisonmitarbeiter für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft einstellen. Die Stellen sind demnach in Amazons neun Logistikzentren an acht Standorten inklusive Brieselang nahe Berlin zu besetzen. Alle Saisonmitarbeiter verdienten in den deutschen Logistikzentren das gleiche Grundgehalt wie Festangestellte. Abhängig vom Standort seien das umgerechnet zwischen 9,75 und 10,62 Euro brutto pro Stunde. Zusätzlich bietet das Unternehmen nach eigenen Angaben Boni und Zuschläge für Überstunden sowie für Tätigkeiten zu besonderen Zeiten wie etwa an Sonn- und Feiertagen. (dpa/tc)