Vierkampf der Rechenzwerge

Die COMPUTERWOCHE hat das Apple iPhone, den Blackberry und andere Geräte auf ihre Tauglichkeit in den Bereichen Mobile E-Mail, Office-Anwendungen, Internet und Datei-Server-Zugriff getestet.

Viele Smartphones enthalten mittlerweile standardmäßig eine Reihe interessanter Features für den Consumer-Markt wie Kamera, MP3-Player oder Instant-Messaging-Unterstützung. Doch was bieten die Geräte von Research in Motion (RIM), Nokia, Windows-Mobile-Anbieter Microsoft und dem nun auch an Business-Kunden interessierten Hersteller Apple für den professionellen Einsatz, damit das Notebook wirklich zu Hause bleiben kann?

Um das herauszufinden, hat die computerwoche in einem Test untersucht, inwieweit aktuelle Smartphones beziehungsweise deren Betriebssysteme folgende Funktionen und Anwendungen unterstützen:

  • E-Mail,

  • Office-Anwendungen,

  • Internet-Browser und

  • Datei-Server-Zugriff

In dem Vergleich vertrat Nokias E61 das Betriebssystem Symbian (S60, 3rd Edition), das Samsung SGH-i780 Microsoft respektive Windows Mobile (6.1), das iPhone von Apple das iPhone OS (1.x) und das Blackberry Curve (8310) von Research in Motion (RIM) das Blackberry OS (Version 4.5).

Für den Blackberry wählten wir das neue, noch nicht von allen Carriern freigegebene Betriebssystem 4.5, das einen Paradigmenwechsel einläutet. Wurde bislang sehr viel Wert auf ein geringes Datenvolumen gelegt, ist mit der neuen Version auch der Download von Anhängen möglich. So wird dann auch gleich "Docs-to-Go", bislang bekannt von Sony Ericsson UIQ und Palm, als Office Suite mitgeliefert.

Mobile E-Mail

Zum Thema Mobile E-Mail stellt sich schon lange nicht mehr die Frage, ob, sondern vielmehr, welches System unterstützt wird. Der Blackberry Enterprise Server (BES) und Microsoft Exchange liefern sich in diesem Bereich im Unternehmensumfeld ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Anwender entscheidet sich dabei gleichzeitig zwischen zwei Architekturen: Der Blackberry Enterprise Server bietet ein sehr ausgereiftes System mit einem ausgeklügelten Sicherheitskonzept. Der Administrator ist zentral in der Lage, nahezu jede Funktion des Smartphones zu steuern, muss dabei aber auf die Sicherheit des Blackberry-Rechenzentrums (Network Operating Center = NOC) vertrauen. Microsoft Exchange kommt ohne NOC aus, stellt aber höhere Anforderungen an die Abschottung des eigenen Netzes. Auch wenn mit der Version 2007 die Anzahl der IT-Policies für mobile Devices kräftig zugenommen hat, so kommen diese noch lange nicht an die Möglichkeiten des Blackberry-Servers heran. Beide Systeme gleichen neben der E-Mail auch Kalender, Kontakte und Aufgaben ab.

Der Einsatz der beiden Push-Mail-Lösungen ist jedoch nicht auf die dazugehörigen Endgeräte beschränkt. So hat RIM für den Einsatz des Blackberry Enterprise Server mit Windows-Mobile- und Nokia-Geräten ein Blackberry Connect zur Verfügung gestellt. Mit allen Nokia-E-Series- und einigen N-Series-Geräten ist außerdem der Zugriff auf Exchange über Windows Mobile oder die kostenlose Software Mail for Exchange möglich. Für das iPhone ist die Exchange-Unterstützung mit dem Firmware-Update iPhone 2.0 angekündigt. Über die Software "Roadsync" von Dataviz können noch weitere Smartphone-Typen mit einer Exchange-Unterstützung ausgestattet werden.

Im Unternehmenseinsatz ist indes darauf zu achten, welche IT-Policies von den Nicht-Microsoft-Implementierungen erfüllt werden. Zum Beispiel kann nicht jede in Exchange vorgegebene IT-Policy auch auf einem Nokia-gerät praktiziert werden.

Office-Anwendungen

Ist Microsoft Office funktional führend bei den Office-Anwendungen am PC, sieht die Situation im mobilen Bereich durchaus anders aus. Neben Microsoft Office Mobile für Windows Mobile treten hier Quickoffice (Nokia Symbian S60, UIQ) und das ebenfalls von Dataviz stammende "Documents To Go" (Palm OS, UIQ, Windows Mobile, Blackberry OS) in den Wettstreit. Wer Quickoffice und Documents To Go mit der Microsoft-Implementierung vergleicht, wird schnell feststellen, dass die Anbieter der erstgenannten Lösungen sich schon seit langer Zeit das Thema "Mobile" auf die Fahnen geschrieben haben. So geht der Funktionsumfang der in der Regel kostenpflichtigen Premium-Lösungen beider Anbieter erheblich über die Möglichkeiten von Office Mobile hinaus. Deshalb hat Motorola das Windows-Mobile-Device "Q9" gleich mit "Documents To Go Premium" ausgeliefert. Das iPhone verfügt nach heutigem Stand noch über kein echtes Dateisystem, in dem man beispielsweise Ordner und Dateien ablegen kann, und bietet deshalb auch keine Office-Anwendungen an.

Internet

Dank dem iPhone steht der Browser im zentralen Fokus der Smartphone-Entwicklung. Auch hier rangiert der Microsoft Mobile Explorer eher im hinteren Feld. Spitzenreiter ist ganz klar das iPhone, das durch die Multitouch-Bedienung eine optimale Navigation auf der Website ermöglicht und die Mitbewerber in puncto Darstellung und Website-Aufbau in den Schatten stellt. Dies hat nach nicht einmal einem Jahr Marktpräsenz dazu geführt, das der iPhone-Browser der mit Abstand am häufigsten zum mobilen Surfen genutzte Browser ist. Aber auch Nokia und Blackberry haben hier erheblich nachgebessert. In der Version 4.5 erhält der Blackberry-Browser sogar einen echten Mouse-Zeiger, der sich über die Blackberry-Perle navigieren lässt.

Alternative Browser helfen

Wem die Fähigkeiten des eingebauten Browsers nicht reichen, dem seien die Produkte des norwegischen Herstellers Opera ans Herz gelegt. Opera bietet seinen Browser in zwei Varianten an: einerseits die normale Browser-Anwendung für das Smartphone, andererseits den so genannten Opera Mini. Bei Letzterem sind die Web-Seiten für die Ansicht auf dem mobilen Gerät über einen von Opera betriebenen Proxy-Server optimiert. Das spart nicht nur eine Menge Bandbreite, sondern auch der Seitenaufbau funktioniert zügig. Für das mobile Office hat der Browser allerdings den Nachteil, dass er durch den Proxy nicht auf Web-basierende, interne Anwendungen zugreifen kann.

Leider hat auch heute noch jeder mobile Browser seine Limitierung; je nach Website ist jeweils ein anderer Browser besser geeignet. So scheitert der ansonsten so vorbildliche Browser Safari des Apple iPhone bislang an Flash. Ist für ein Smartphone mehr als ein Browser verfügbar, sollte man tatsächlich einen zweiten installieren. Etwas ärgerlich ist allerdings, dass bislang kein Smartphone-Betriebssystem die Angabe eines alternativen Browsers als Standard ermöglicht.

Datei-Server-Zugriff

Der Zugang zum Unternehmensnetz über das Smartphone sollte dank der mittlerweile verfügbaren Bandbreite eigentlich kein Problem darstellen. Dennoch sind praktikable Lösungen für den mobilen Unternehmenszugriff Mangelware: Nokias "Intellisync Filesync" ermöglicht es, Dateien und Dokumente, die in einem dafür vorgesehenen Unterverzeichnis abgelegt werden, automatisch auf die mobilen Geräte zu verteilen. Den Zugriff auf das Netz, so wie vom Windows-Desktop aus, bietet Cortados "Corporate Server", der dem Nutzer über einen Explorer auf dem Blackberry den Zugang gemäß seiner Active-Directory-Rechte ermöglicht. Da sich das mobile Device nicht im Unternehmensnetz einloggen kann, übernimmt dies stellvertretend die Cortado-Lösung, über die das Gerät zudem via ein verbessertes Protokoll kommuniziert. Dateien können dann zwischen dem Netz und dem mobilen Device hin- und hergetauscht werden. Zusätzlich ist nicht nur der Versand per Mail direkt aus dem Netz heraus möglich, der Cortado Corporate Server ermöglicht auch die Ausgabe auf Netzdruckern, mobilen Bluetooth-Druckern oder einem Fax. Diese Funktion ist bislang zwar lediglich für Blackberry verfügbar, der Hersteller verspricht jedoch eine Unterstützung von Nokia und Windows Mobile bis Ende des Jahres. (mb)

Hier lesen Sie ...

welche Stärken und Schwächen die einzelnen mobilen Plattformen aufweisen;

warum Microsoft Office Mobile nur ein schwacher Ersatz für sein Desktop-Pendant ist;

inwieweit Zusatzsoftware Lücken schließen und Defizite ausbügeln kann.

Fazit

Bei Auswahl des geeigneten Geräts und der richtigen Anwendungen kann ein Smartphone in einigen Fällen schon heute das Notebook ersetzen. Auch wenn es sich natürlich noch immer besser auf einer Laptop-Tastatur tippt, so gleicht das Smartphone diesen Vorteil durch kurze Boot-Zeiten und längere Akku-Laufzeit doch weitestgehend aus.