CIO-Agenda 2009

Vier Wege zu mehr Agilität in der IT

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Dass die IT beweglicher werden muss, ist eigentlich jedem CIO klar. Aber wie lassen sich Agilität und Zuverlässigkeit unter einen Hut bringen?
Die Diskussion um das Thema Flexibilität setzten sich in den Kaffepausen des Syntegrations-Workshops fort.
Die Diskussion um das Thema Flexibilität setzten sich in den Kaffepausen des Syntegrations-Workshops fort.
Foto: Jo Wendler

Wenn der CIO den Fachbereichsleitern glauben würde, wäre alles ganz einfach: Er müsste nur jedes gerade benötigte Feature mit der jeweils aktuellsten Technik umsetzen - zu überschaubaren Kosten und mit hundertprozentiger Ausfallsicherheit oder wenigstens einem gesichertem Support. Das ist Fiktion, schon deshalb, weil auf diese Weise eine Komplexität entstünde, die der IT am Ende jede Bewegungsfähigkeit nähme.

Aber es gibt doch ein paar Methoden, wie die IT mehr Flexibilität und Agilität gewinnen, also den Business-Anforderungen stärker entgegenkommen kann, ohne ihr Grundprinzip - Standardisierung, wo möglich, und Individualisierung, wo nötig - aufzugeben. Auf dem diesjährigen COMPUTERWOCHE-Workshop "The CIO Beyond" wurden vier davon - mit der Methode der Syntegration - ausgiebig diskutier.

Weg 1: Eine lebendige IT-Governance etablieren

Wenn die IT Bewegungsspielraum gewinnen will, muss sie an der einen oder anderen Stelle Grenzen setzen. "Die Governance wird oft als die Polizei der IT missverstanden. Aber Sie ist auch unser Freund und Helfer", erläutert René Wies, Vice President Development Processes, Methods and IT bei der BMW Group: "Neben ordnenden Aufgaben hat sie auch eine beratende und gestaltende Verantwortung."

Der Vergleich mit der Polizei sei gar nicht so abwegig, pflichtet Hans-Joachim Popp, CIO der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR), seinem Kollegen bei: "Der einzige Sinn der Ordnungskräfte ist doch, die Lebensumstände der Bürger so zu gestalten, dass sie sicher und damit effizient leben und arbeiten können." So wolle auch der CIO, der seine Kunden einschränke, letztlich nur deren Arbeitsfähigkeit verbessern.

Ricardo Nebot vermisst das Interesse für nachhaltige Lösungen.
Ricardo Nebot vermisst das Interesse für nachhaltige Lösungen.
Foto: Jo Wendler

Allerdings habe die IT in Bezug auf das Interesse an "nachhaltigen" Lösungen noch Überzeugungsarbeit zu leisten, klagte Ricardo Nebot, Leiter Anwendungsentwicklung beim Hamburger Großverlag Gruner & Jahr: "Wenn der Berichtszeitraum ein Jahr beträgt - wie überzeugen wir dann die Business-Verantwortlichen, Investitionen zu tätigen, die sich erst in zwei Jahren oder später auszahlen werden?"

Am besten bietet sich die IT den Fachbereichen frühzeitig als Ratgeber an - bevor diese überhaupt einen Umsetzungsauftrag erteilen. Und damit sie auch tatsächlich gefragt wird, darf sie diese Leistung nicht in Rechnung stellen. Dazu Michael Müller-Wünsch, CIO bei Ceva Logistics: "In der Konzeptions- und Designphase sollte die IT kostenlose Ressourcen bereitstellen. Denn sonst wird sie nicht einbezogen." Über entsprechend angepasst Stückpreise könne sie die investierten Ressourcen schließlich doch in Rechnung stellen.