Hohe Fluktuation bei Logica

"Viele Mitarbeiter sind unzufrieden"

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Durch zahlreiche Zukäufe ist der IT-Dienstleister Logica in den letzten Jahren rasant gewachsen. An den deutschen Standorten wächst die Kritik an dieser Strategie.

Ende Februar 2008 wurde der britisch-niederländische IT-Dienstleister Logica CMG in Logica umbenannt. Der neue Name soll die Integration der zahlreichen Zukäufe unter einer Dachmarke symbolisieren. Die entsprechende Vereinheitlichung von Strukturen, Prozessen und Geschäftsmodellen hat CEO (Chief Executive Officer) Andy Green zu einer der derzeit wichtigsten Aufgaben erklärt.

Ausbau der Offshore-Kapazitäten

Logica konnte den Umsatz in den letzten Jahren kontinuierlich steigern.
Logica konnte den Umsatz in den letzten Jahren kontinuierlich steigern.

Eine weitere Säule der neuen Strategie ist die Forcierung des Outsourcing-Geschäfts, auf das in zwei Jahren 35 Prozent des weltweiten Gesamtumsatzes von Logica entfallen sollen. In diesem Zusammenhang will das Unternehmen seine Offshore- und Nearshore-Kapazitäten stark ausbauen. Derzeit beschäftigt Logica 3150 Leute in Niedriglohnländern (2500 in Indien, jeweils 200 auf den Philippinen und in Malaysia sowie 250 in Marokko). Bis Ende nächsten Jahres sollen es doppelt so viele sein. "Deutschland ist in Sachen Offshore ein Nachzügler. Aber gerade deshalb ist das Wachstumspotenzial auch besonders groß", frohlockt Torsten Straß, CEO von Logica in Deutschland. Als Erfolgsgarant gilt dabei die Local-Hub-Strategie seines Unternehmens: Von 26 lokalen Standorten betreuen Logica-Mitarbeiter die Anwender vor Ort, während die Backend-Leistungen offshore erbracht werden. Auf diese Weise will der IT-Dienstleister Kommunikationsprobleme durch sprachliche und kulturelle Unterschiede vermeiden. "Wir haben dadurch einen enormen Vorteil - vor allem gegenüber den indischen Wettbewerbern", so Straß. Hinzu komme die Flexibilität des Onsite-Offsite-Modells: "Die Kunden lagern nicht gleich alles aus, sondern fahren ihren Offshore-Anteil langsam hoch und können auf diese Weise ein fundiertes Risiko-Management betreiben."

Kritik an der internen Organisation

Doch offenbar hat das Unternehmen dieses Modell noch nicht richtig in die Praxis überführt. Insbesondere die interne Organisation weise Mängel auf, kritisiert ein ehemaliger Mitarbeiter gegenüber der COMPUTERWOCHE. So habe es die Geschäftsleitung versäumt, die Offshore-Strategie mit den Zielen der lokalen Team-Manager in Einklang zu bringen. Aufgaben würden in Billiglohnländer verlagert, und wenn etwas schiefgehe, müssten es die Europäer ausbaden - oftmals ohne dafür das nötige Budget zu haben. "Die Manager vor Ort haben den Ärger, wenn in Indien etwas nicht funktioniert. Warum also sollten sie das Offshore-Thema bei ihren Kunden pushen?", bestätigt ein anderer Ex-Logica-Mann.