"Viele Java-Projekte scheitern"

20.06.2007
Mit aufwändigen Java-Vorhaben überheben sich etliche Unternehmen und kehren häufig wieder zu ihren gewachsenen Altanwendungen zurück. Das zumindest behauptet Bernhard Gölitz, Country Manager beim britischen Tool-Anbieter Micro Focus.

Immer wieder höre er von Großkunden, die ihre meist in Cobol geschriebenen Kernanwendungen komplett durch eigenentwickelte Java-Programme ersetzen wollten, berichtete Gölitz im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. In der Regel bedeute das auch das Aus für die auf Legacy-Anwendungen spezialisierten Produkte von Micro Focus (siehe auch: Micro Focus übernimmt Acucorp). Jahre später kehrten Kunden desillusioniert zurück und wollten ihre Cobol- oder auch PL/1-Anwendungen weiternutzen. Gölitz: "Man kann über 20 bis 30 Jahre gewachsene Anwendungen nicht mit einem Fingerschnipp durch Java ablösen."

Ganz uneigennützig argumentiert der Manager freilich nicht. Neben klassischen Entwicklungsumgebungen offeriert Micro Focus auch eine Reihe von Modernisierungs-Tools für Altanwendungen, insbesondere im Cobol-Umfeld. Wachsen will der britische Hersteller künftig vor allem im Geschäft mit Enterprise Application Management. Gölitz versteht darunter Softwarewerkzeuge, die es Unternehmen erlauben, eigenentwickelte oder in Auftrag gegebene Anwendungen umfassend zu bewerten, beispielsweise hinsichtlich Wartbarkeit und Flexibilität.

Im Kontext von Modernisierungsprojekten spiele mittlerweile auch das Konzept der Service-orientierten Architektur (SOA) eine wichtige Rolle, so Gölitz weiter (siehe auch: Wie die Sparkasssen ihre IT modernisieren). Zwar beschäftigten sich fast alle seine Kunden mit dem Thema. Doch nur schätzungsweise 20 Prozent packten tatsächlich ein Projekt an. Erfolgreich umgesetzt haben nach seiner Erfahrung gerade mal 5 Prozent ein SOA-Vorhaben: "Den Unternehmen fehlt oft einfach das Know-how, in vielen Fällen scheitert die Sache aber auch an mangelndem Projekt-Management." Ein weiteres Problem sieht er darin, dass der Return on Investement (RoI) von SOA-Vorhaben meistens nicht sofort erkennbar sei, sondern sich erst nach Jahren einstelle.

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