Wie der Internet-Dienstleister Strato AG Strom spart

Viel Megabyte für wenig Kilowatt

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Für einen Internet-Dienstleister wie die Strato AG aus Berlin bedeutet Energieeffizienz im RZ bares Geld. Der Vorstandsvorsitzende Damian Schmidt erläutert, wie es gelang, den Stromverbrauch um 30 Prozent zu senken.

CW: Wo liegen die größten Einsparpotenziale beim Stromverbrauch im RZ?

Schmidt: Wir sind seit über 18 Monaten bei der Umsetzung und waren vor allem in drei Bereichen tätig: der Gebäudetechnik, der Hardware und der Software. Mit optimierter Software lässt sich eine Menge CPU-Zeit und damit Strom einsparen.

Bei der Gebäudetechnik geht es zum Beispiel um effiziente Klimatisierung sowie eine unterbrechungsfreie Stromversorgung. Und auch die Hardware lässt sich so auswählen und anpassen, dass sie deutlich weniger Strom verbraucht. Unsere Sun-Rechner der Shared-Webhosting-Plattform sind speziell auf häufige Abrufe ausgelegt. Die sollen ja keine 3D-Grafiken darstellen, sondern möglichst effizient Hosting-Prozesse unterstützen.

Laut Strato-Chef Damian Schmidt lässt sich mit Standardprodukten nicht so viel Strom sparen wie mit Rechnern, die wie die Strato-Systeme nach Vorgaben gefertigt wurden.
Laut Strato-Chef Damian Schmidt lässt sich mit Standardprodukten nicht so viel Strom sparen wie mit Rechnern, die wie die Strato-Systeme nach Vorgaben gefertigt wurden.
Foto: Damian Schmidt

Für den anderen Geschäftsbereich, dedizierte und virtuelle Server im Rechenzentrum in Berlin, verwenden wir hochwertige AMD-Prozessoren (CPUs aus der Highly-Efficient-Serie), die wenige Verunreinigungen in den Leiterbahnen aufweisen. Damit sinkt der elektrische Widerstand und auch der Stromverlust. Diese teureren Chips rechnen sich aber nur im Dauerbetrieb, nicht für Büro-PCs, die nur acht Stunden laufen. Zudem nutzen unsere Rechner Techniken, die man von Notebooks her kennt: Nicht benötigte Komponenten werden nach einer Weile automatisch abgeschaltet.

CW: Wie groß ist der Aufwand, ein Rechenzentrum in Richtung Green IT umzubauen?

Schmidt: Wir müssen ohnehin etwa alle drei Jahre neue Hardware kaufen. Bei Neuanschaffungen berücksichtigen wir stromsparende Komponenten. Nicht ratsam ist hingegen, bestehende Infrastruktur radikal herauszureißen, weil sich das nicht rechnen wird.

Immer wenn Umbaumaßnahmen anstanden, haben wir in spezielle Gebäudetechnik investiert. Zum Beispiel wurden kalte und warme Gänge geschaffen, so dass die Server ihre Abwärme von zwei Seiten in einen Gang abgeben. Die aufsteigende Warmluft wird dann oben abgesaugt. Zuvor wurde ein ganzer Rechnerraum gekühlt, was nicht effizient ist. Im Winter nutzen wir die kalte Außenluft zum Kühlen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die außen am Gebäude angebrachten Rückkühler der Klimasysteme bei heißem Wetter mit Wasser zu benebeln. Durch die entstehende Kälte, eine Folge der Verdunstung, erhöht sich der Wirkungsgrad der Aggregate.

CW: Haben Sie nachgerechnet, was diese Investitionen Ihnen gebracht haben?

Schmidt: Wir haben nach 18 Monaten eine Einsparung an Strom von 30 Prozent pro Kunde erreicht. Diesen Effekt spüren wir quasi bar in der Kasse. Wir rechnen solche Investitionen auf drei Jahre und erwarten, am Ende noch Geld zu sparen. Je früher Firmen anfangen, neue Systeme mit Stromsparoption einzukaufen, desto mehr können sie sparen.

CW: Welche Rolle spielt bei ihren Konzepten die Virtualisierung?

Schmidt: Im Bereich der dedizierten Server verwenden wir verstärkt Virtualisierung. Allgemein dürfte sich dieser Trend fortsetzen.

CW: Verwenden Sie für die dedizierten Systeme Blade-Rechner?

Strato verwendet sowohl Sun-Server als auch auf Rechnersysteme mit AMD-Prozessoren im Rechenzentrum.
Strato verwendet sowohl Sun-Server als auch auf Rechnersysteme mit AMD-Prozessoren im Rechenzentrum.
Foto: Strato

Schmidt: Wir verwenden keine Blades, da sie sich wegen der kompakten Bauweise nicht so gut kühlen lassen. Wir nutzen stattdessen Rack-Systeme, die aussehen wie Pizzaschachteln und in einen Rechnerschrank eingebaut werden.

CW: Wollen Sie auch Abwärme ihres Rechenzentrums verwenden, um Büros zu oder warmes Wasser zu erzeugen?

Schmidt: Wir würden gerne, aber da gibt es einige Probleme. Kühlen müssen Sie Ihre Rechner vor allem im Sommer, aber dann wollen Sie Ihre Büros nicht heizen. Es gibt Verfahren, aus Abwärme Strom zu erzeugen, aber dafür reichen die Temperaturunterschiede zwischen ein- und ausströmender Luft bei uns nicht aus. Der niedrige Energiegehalt der Abluft schließt im Augenblick eine effiziente Nutzung aus.

CW: Was sind Ihre nächsten Schritte in Richtung Green IT?

Schmidt: Wir arbeiten mit einem asiatischen Hersteller an effizienteren Netzteilen. Sie weisen einen höheren Wirkungsgrad in dem bei uns typischen Nutzungsbereich auf. Wir lassen unsere eigenen energieeffizienten Rechner bauen, hierzu kaufen wir Prozessoren, Motherboards und Chassis von namhaften und verantwortungsvollen Lieferanten.

CW: Kann man die gleiche Energieeffizienz mit marktgängigen Produkten nicht erreichen?

Schmidt: Nicht in dem Maße wie bei Strato. Wir haben in unserem Rechenzentrum rund 30.000 Server und somit eine große Einkaufsmacht. Da können wir natürlich genau bestimmen, was verbaut wird, und eigene energiesparende Konzepte gemeinsam mit dem Hersteller umsetzen. Trotzdem können auch kleinere Rechenzentren einige Spareffekte realisieren.

CW: Welche beispielsweise?

Schmidt: Alle Maßnahmen in Sachen Gebäudekonzeption mit kalten und warmen Gängen oder die Isolierung gegen Sonneneinstrahlung, um das Aufheizen von Gebäuden zu vermeiden, gehören dazu, ebenso die erwähnte Kühlung der Rückkühler. Und schließlich können auch kleinere Rechenzentren energieeffiziente Systeme anschaffen. Dies gilt auch für Industriefirmen, die Data Center betreiben.

CW: Fragen Ihrer Meinung nach Unternehmen schon konkret nach energieeffizienten Produkten?

Schmidt: Bestimmt. Auch wir sind ja vor 18 Monaten vor allem wegen der explodierenden Energiepreise auf das Thema aufmerksam geworden. Allgemein herrscht ein Bewusstsein, höherwertige, aber auch energiesparende Komponenten zu verwenden. Europa ist da im Übrigen weiter als die USA, schon wegen der höheren Stromkosten.