CW-Kolumne

Verzwickte Windows-8-Welt

12.01.2013
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director a.D. von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO.
Microsoft zieht eine positive Windows-8-Bilanz auf der CES in Las Vegas - wer hätte etwas anderes erwartet?
"Windows 8 ist das System, mit dem Microsoft im Mobile-Markt den Anschluss an Apple und Android gewinnen will. Was vorliegt, ist ein Kompromiss, der schön anzusehen ist, die Anwender aber eher verwirrt." Heinrich Vaske, Chefredakteur COMPUTERWOCHE.
"Windows 8 ist das System, mit dem Microsoft im Mobile-Markt den Anschluss an Apple und Android gewinnen will. Was vorliegt, ist ein Kompromiss, der schön anzusehen ist, die Anwender aber eher verwirrt." Heinrich Vaske, Chefredakteur COMPUTERWOCHE.

60 Millionen Lizenzen seien bislang verkauft worden, hieß es. Das verwundert nicht, denkt man an all die PC-Käufer, die das System vorinstalliert auf ihrem neuen Rechner erwerben, oder an die vielen Hobbyisten, die bei einem Discount-Preis von 29,99 Euro einfach mal zuschlagen.

Microsoft verhehlt indes nicht, dass Unternehmenskunden nach ihrem aufwendigen Wechsel auf Windows 7 keineswegs vorhaben, in Richtung Windows 8 weiterzumarschieren. Auch die Rechnung mit den Tablets ging bislang nicht auf: Nach offizieller Lesart aus Redmond haben die Partner bislang zu wenige geeignete Geräte herausgebracht, außerdem hätten "Probleme im Channel" eine weitere Verbreitung verhindert.

Immerhin: Auf Desktops und Notebooks bleibt Windows das Maß aller Dinge. Ungefähr 90 Prozent aller PCs laufen heute mit einem Windows-System, die Mehrheit inzwischen unter Windows 7. Auf Tablets und Smartphones ist Windows 8 dagegen ein Nobody. Damit besitzt Microsoft über den Gesamtmarkt der elektronischen Devices hinweg nur noch einen Marktanteil von ungefähr 30 Prozent. Tendenz fallend, da die Konsumenten heute eher zu Smartphones und Tablets als zu klassischen PCs greifen.

Windows 8 ist das System, mit dem Microsoft im Mobile-Markt den Anschluss an Apple und Android gewinnen will. Was vorliegt, ist ein Kompromiss, der schön anzusehen ist, die Anwender aber eher verwirrt. Touch-Funktionen sind auf PCs und Notebooks uninteressant, erst recht, wenn sie die Hardware im Preis fast doppelt so teuer machen. Und im Segment der Smartphones und Tablets ist Microsoft einfach zu spät dran, es fehlen die Apps.

Der Strohhalm, an den sich Redmond nun klammert, sind Tablets mit Intel-Core- Prozessor, auf denen sämtliche klassischen Windows-Anwendungen laufen. Ob das allerdings die User Experience ist, auf die die Anwender gewartet haben, bleibt abzuwarten.