CW-Kolumne

Verzwickte Windows-8-Welt

Heinrich Vaske
Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Dieser Aufgabe widmet er sich in enger, kooperativer Zusammenarbeit mit dem Redaktionsteam. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Privat gehört sein Herz seiner Familie und dem SV Werder Bremen.
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Microsoft zieht eine positive Windows-8-Bilanz auf der CES in Las Vegas - wer hätte etwas anderes erwartet?
"Windows 8 ist das System, mit dem Microsoft im Mobile-Markt den Anschluss an Apple und Android gewinnen will. Was vorliegt, ist ein Kompromiss, der schön anzusehen ist, die Anwender aber eher verwirrt." Heinrich Vaske, Chefredakteur COMPUTERWOCHE.
"Windows 8 ist das System, mit dem Microsoft im Mobile-Markt den Anschluss an Apple und Android gewinnen will. Was vorliegt, ist ein Kompromiss, der schön anzusehen ist, die Anwender aber eher verwirrt." Heinrich Vaske, Chefredakteur COMPUTERWOCHE.

60 Millionen Lizenzen seien bislang verkauft worden, hieß es. Das verwundert nicht, denkt man an all die PC-Käufer, die das System vorinstalliert auf ihrem neuen Rechner erwerben, oder an die vielen Hobbyisten, die bei einem Discount-Preis von 29,99 Euro einfach mal zuschlagen.

Microsoft verhehlt indes nicht, dass Unternehmenskunden nach ihrem aufwendigen Wechsel auf Windows 7 keineswegs vorhaben, in Richtung Windows 8 weiterzumarschieren. Auch die Rechnung mit den Tablets ging bislang nicht auf: Nach offizieller Lesart aus Redmond haben die Partner bislang zu wenige geeignete Geräte herausgebracht, außerdem hätten "Probleme im Channel" eine weitere Verbreitung verhindert.

Immerhin: Auf Desktops und Notebooks bleibt Windows das Maß aller Dinge. Ungefähr 90 Prozent aller PCs laufen heute mit einem Windows-System, die Mehrheit inzwischen unter Windows 7. Auf Tablets und Smartphones ist Windows 8 dagegen ein Nobody. Damit besitzt Microsoft über den Gesamtmarkt der elektronischen Devices hinweg nur noch einen Marktanteil von ungefähr 30 Prozent. Tendenz fallend, da die Konsumenten heute eher zu Smartphones und Tablets als zu klassischen PCs greifen.

Windows 8 ist das System, mit dem Microsoft im Mobile-Markt den Anschluss an Apple und Android gewinnen will. Was vorliegt, ist ein Kompromiss, der schön anzusehen ist, die Anwender aber eher verwirrt. Touch-Funktionen sind auf PCs und Notebooks uninteressant, erst recht, wenn sie die Hardware im Preis fast doppelt so teuer machen. Und im Segment der Smartphones und Tablets ist Microsoft einfach zu spät dran, es fehlen die Apps.

Der Strohhalm, an den sich Redmond nun klammert, sind Tablets mit Intel-Core- Prozessor, auf denen sämtliche klassischen Windows-Anwendungen laufen. Ob das allerdings die User Experience ist, auf die die Anwender gewartet haben, bleibt abzuwarten.

 

Thomas Cloer
Werter Kurt, ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Windows 8, Windows 8 RT (für ARM-Tablets) und Windows Phone 8 sind schon drei verschiedene Dinge. Denen ist in der Tat das früher Metro genannten Modern-Design mit Kacheln und Vollbild-Apps gemeinsam. Die man mögen kann, aber nicht muss. Modern-UI dominiert aber nur bei RT und WP8; Windows 8 hat den vollwertigen Desktop, der sich mehr oder weniger wie ein Windows 7 nutzen lässt. Firmenkunden scheuen IMMER den Umstieg auf ein neues Windows - weswegen viele ja gerade erst auf Windows 7 umstellen. Das liegt zumeist daran, dass sie erstmal hunderte bis tausende interne Applikationen testen beziehungsweise anpassen müssen. Der Schulungsaufwand ist da weniger relevant (bis die Firma umsteigt, kennen die meisten Mitarbeiter das neue Windows längst von zuhause). Microsoft hat sich mit dem 8er Line-up bemüht, vor allem die Entwicklung über alle Plattformen vom Smartphone über Tablet bis zum PC möglichst einheitlich zu gestalten. Dabei müssen die einzelnen Plattformen teils unschöne Kompromisse machen. Und ob das mit der übergreifenden Entwicklung wirklich funktioniert, kann man zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht sagen. Was man aber sehr wohl sagen kann: Microsoft blieb gar keine andere Wahl.

Kurt
Wieso. Windows 8 gibt es doch auch für Tablets. Und da mag es auch keiner. Es ist ignorant von Microsoft zu glauben es läge nicht am Betriebssystem und der Oberfläche. Diejenigen von denen ich weiß, dass sie einen neuen PC gekauft haben, verlangen nach einen Windows 7 Downgrade weil sie "8" nicht ausstehen können. Das sind dann auch diejenigen, die ein Nokia Lumia mit Android sofort kaufen würden aber nicht mit den Kacheln. Tja und die haben dann auch ein iPad als Tablet. Microsoft hat es mit seiner Kachelwelt total vergeigt in der mobilen Welt Schritt zu halten und zerstört sich damit selbst den Pc-Markt. Privatkunden bleiben entweder bei Windows 7 oder wechseln zu Linux. Firmenkunden scheuen den Umstieg aus zweierlei Hinsicht: Zuerst weil die Nutzer auf die neue Oberfläche geschult werden müssen. Und weil alle annehmen, dass sich die Oberfläche weiterentwickeln wird und darum für die nächste Windows Version ein erneuter Schulungsaufwand anfallen wird. Darum bleibt man erst einmal bei der "7". Die "8" hat ja auch nichts was man unbedingt braucht wenn man die "7" hat. Microsoft hat es total vergeigt dem Nutzer etwas zu geben was er unbedingt haben will. Stattdessen zwingt man ihm etwas auf, was er auf keinen Fall haben will. Das sind die letzten Zuckungen des Monopolisten, der glaubt mit Milliardenwerbeaufwand seine Philosophie in den Markt drücken zu können ohne auf das Nutzerfeedback berücksichtigen zu müssen. Darum sehen wir bei Apple Werbung die erklärt welche Probleme man mit dem entsprechenden Gerät lösen kann. Bei Microsoft sehen wir Kinder, die am Tablet hässliche Zeichnungen malen. Außer, dass man es irgendwie mit den Fingern bedienen kann, scheint Microsoft selbst keinen Vorteil zu sehen. Und selbst das funktioniert nur begrenzt gut und auf den RT-Tablets ist der Desktop eine Frechheit. Microsoft hat 10 Jahre versucht eine Desktopoberfläche für Tablets zu verkaufen. Das hat nicht funktioniert. Nun versuchen sie eine Tablet-Oberfläche für Desktops zu verkaufen. Mir ist schleierhaft wieso sie glauben, dass es so rum nun besser funktioniert. Ach so ich weiß es: Sie haben nun auch "Apps" und sie haben nun auch einen "Appstore". Microsoft hat von den mobilen Anforderungen nichts begriffen. Sie äffen Apple nach in der Hoffnung, dass es irgendwas nützt. Tatsächlich schaden sie damit dem PC-Markt zusätzlich. Weil sie das nicht verstehen waren sie auch nicht in der Lage ein von Anfang an konkurrenzfähiges Windows Phone Betriebssystem zu schreiben (Stichwort fehlendes Copy&Paste) und darum verkaufen sie heute weder ihr Windows Phone ausreichend noch auch ihr Windows 8 erwartungsgemäß.

Thomas Cloer
Werter Kurt, niemand ist gezwungen Windows 8 zu lieben (außer vielleicht Steve Ballmer) oder sich ein Upgrade zu kaufen. Ein neues Windows wird aber traditionell vor allem auf neuen PCs verkauft; Unternehmen steigen eigentlich immer erst nach Jahren um (wenn überhaupt). Microsofts Problem ist im Augenblick vor allem der aus vielen Gründen schwächelnde PC-Markt. Klar zu sein scheint aber in der Tat, dass Windows 8 (auch wenn mittlerweile laut Redmond 60 Millionen Lizenzen verkauft sind) nicht in der Lage ist, diesen Negativtrend umzukehren.

Kurt
Windows 8 wird nicht so erfolgreich werden wie Microsoft es gerne hätte. Viel zu viele finden die Kacheloberfläche einfach hässlich. Und Windows 8 bringt für den Nutzer in der Regel viel zu wenig Mehrwert um sich die Kacheln anzutun. Dazu kommt, dass viele Gewohnheiten abgelegt und neu erlernt werden müssen und selbst wenn man mit Software von Drittanbietern versucht die gewohnte User-Experience wieder her zu stellen (keine Magic Ecken, weg mit der Charms-Bar, Startknopf, Boot into Desktop), dann ist es doch ein langwieriges Gefummel. Dazu kommt, dass viele User Aero gemocht haben und es nun nicht mehr da ist. All die Probleme, die Microsoft mit Windows 8 hat wurden im Developer Blog von Usern erkannt und deutlich kommuniziert. Microsoft, ganz Monopolist, hat sich geweigert darauf zu hören oder darauf Rücksicht zu nehmen. Selbst die einfachsten Vorschläge Usern den Umstieg zu erleichtern, indem man einen Classic Mode einführt oder das Booten direkt in den Desktop zulässt, fanden kein Gehör. Nun denn, dann muss Microsoft es eben über die schlechten Verkäufe lernen. Ich kenne viele, die Windows 8 weder für 29,99, noch für 14,99 noch für geschenkt haben wollen. Ich kenne NIEMANDEN, der bereit ist die regulären Preise ab Februar zu bezahlen, die sich bei ca. 250,- (?) für die Pro-Version bewegen sollen. Niemanden.

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