Ausblick auf den NT-Nachfolger

Verzahnung bindet Anwender an Windows

03.12.1998
FRANKFURT/M. (ws) - Im Mittelpunkt der Microsoft Developers Conference stand Windows 2000. Es soll künftig die Grundlage für eine unternehmensweite DV-Infrastruktur bilden. Die enge Verstrickung der darin eingebauten Dienste macht es für Anwender noch schwieriger, das Microsoft-Angebot selektiv zu nutzen.

Mit der enormen Funktionsfülle des NT-Nachfolgers versucht Microsoft, das wartungsintensive PC-Modell in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig sollen Anwender auf Basis von Windows den Übergang zum netzorientierten Computing schaffen.

Eine zentrale Rolle in diesem ehrgeizigen Projekt spielt die "Distributed Network Architecture" (DNA). Sie beschreibt unterschiedliche, teilweise schon länger bestehende Microsoft-Techniken und soll die traditionell Desktop-lastige Entwicklergemeinde animieren, mehrstufige Anwendungen auf Basis von Windows zu schreiben. Ganz im Zeichen von COM+ steht demnach die Programmierung der Anwendungslogik auf der mittleren Stufe. Diese Erweiterung des Component Object Model (COM) integriert die Funktionen des Microsoft Transaction Server (MTS) sowie des Message Queue Server (MS MQ) und beherrscht dynamische Lastverteilung. Für das Caching von Datenbanktabellen auf dem Middle Tier umfaßt COM+ zusätzlich die "In Memory Database" (IMDB). Für die versammelten hauseigenen Techniken am Front-end hat sich Microsoft den Begriff "Forms+" ausgedacht, am Back-end ist ensprechend von "Storage+" die Rede.

Trotz mehrstufiger Anwendungen will Microsoft aber keineswegs dem lukrativen Desktop-Modell abschwören. Vielmehr soll eine Reihe von neuen Systemdiensten die Unterhaltskosten für Windows-Rechner senken.

Außerdem soll so das Konzept des lokalen Benutzerkontextes und lokaler Programminstallationen in eine global vernetzte Welt hinübergerettet werden. Im Zentrum dieser Bemühungen steht "Intellimirror", das alle Benutzerdaten auf dem Server spiegeln soll. Anwendern stehen demnach ihre Dateien auch dann zur Verfügung, wenn sie auf einen anderen Arbeitsplatzrechner wechseln. Damit dort die dazu passenden Applikationen nicht fehlen, soll der "Microsoft Installer" (MSI) bei Bedarf automatisch deren Einrichtung veranlassen. Dieser beruht auf Code des Systems Management Server (SMS) und macht so die Funktionen eines weiteren Back-Office-Produkts zum Teil des Betriebssystems. Die Komplexität dieses Vorhabens stellt Microsoft offenbar vor Probleme, denn von Intellimirror gab es noch nichts zu sehen. Einfacher umsetzen läßt sich hingegen das "Zero Administration Windows" (ZAW), das die Hauptlast dem unabhängigen Anwendungsentwickler aufbürdet. Seine Programme müssen zahlreiche neue Vorgaben erfüllen, um das Windows-Logo führen zu dürfen.

Ob verteilte oder Desktop-Applikation, Microsoft geht es sichtlich darum, Anwender durch enge Verzahnung von Systemdiensten an die eigene Plattform zu binden. So werden zukünftig Back-Office-Produkte, aber auch Programme von Drittanbietern den Verzeichnisdienst "Active Directory" für die Speicherung von Konfigurationsparametern voraussetzen. Ähnliches gilt für die Registrierung von COM-Komponenten oder die automatische Einrichtung von Anwendungen durch den MSI. Die tiefe Verankerung von Services im System, etwa die des "Internet Information Servers", macht zudem die Nutzung von Konkurrenzprodukten schwierig. Die hauseigenen Werkzeuge setzen COM für die Windows-Entwicklung quasi voraus.