Kommentar zu dem US Beschluss an Apple

Verschlüsselungsprodukte sind digitales Grundrecht

Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf. Er versteht es diese Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig.
Der Technologie-Konzern aus Cupertino muss für das FBI nach einer US-Gerichtsentscheidung das iPhone eines Terroristen entschlüsseln. Zusätzlich fordert das FBI von Apple, zukünftig eine eigene Hintertür zum Entsperren aller iOS-Endgeräte einzurichten. Diese Forderung gefährdet unser aller Persönlichkeitsrechte und die Sicherheit der Plattform als Ganzes.

Im Dezember letzten Jahres hatte Syed Rizwan Farook gemeinsam mit seiner Frau 14 Menschen in San Bernardino (640 Kilometer von Cupertino entfernt) erschossen. So schlimm wie dieser Anschlag war, so sehr geht die US-Regierung mit ihrer Forderung an Apple zu weit. Das FBI beruft sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1789 ("All Writs Act"). Dieses soll nun Apple zwingen, vor allem in zukünftigen iOS Versionen, Hintertüren einzubauen. So wurde Apple nun von der Richterin Sheri Pym aufgefordert, das iPhone von Syed Rizwan Farook zu entsperren.

Wie ich in einigen Artikeln vermerkt habe, ist genau hier die Stärke von Apples iOS. So ist die Forderung der Richterin technisch gar nicht umsetzbar. Viel mehr, Apple wird aufgefordert eine Software zu schreiben, die eigenen Kunden zu "hacken". Damit legt dieser Sachverhalt die Weiche für zukünftige Entwicklungen.

In einem öffentlichen Brief stellt Apple seine Position dar: Kommt die US Regierung, das Gericht, das FBI oder ein anderer Staat mit dieser Forderung durch, werden auch andere Plattformen angegangen. Eine Bedrohung für die Datensicherheit, die Persönlichkeitsrechte kommt damit einher.

Sie haben doch nichts zu verbergen?

Vielleicht denken Sie sich "ich habe ja nichts zu verbergen". Aber geben Sie auch der öffentlichen Behörde einen Haustürschlüssel, falls man mal bei Ihnen, natürlich nur wenn Verdachtsmomente bestehen, in der Wohnung sich einmal umschauen möchte? Vertrauen Sie den Behörden, die diesen Schlüssel natürlich nicht nur einmal vorliegen haben, sondern auch als "Kopie" für die verschiedenen Abteilungen, dass dieser Schlüssel nicht auch von Dritten zugänglich ist? Vertrauen Sie darauf, dass diese Zugänge weiterhin "so sicher" sind, dass natürlich nur und ausschließlich die Exekutive des demokratisch gewählten Rechtsstaates Zugriff erlangt und andere "Regierungsformen" nicht?

Aufforderung schadet allen, nur nicht den Tätern

Für mich steht ein entscheidender Beschluss vor der Tür. Entweder unterwerfen wir uns komplett und gesamtheitlich einem vollumfassenden Überwachungswahn oder wir stehen auf und sagen "So nicht". Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich sympathisiere nicht mit terroristischen Organisationen, ich verurteile ihr Handeln. Aber das Offenlegen der Geräteverschlüsselung hilft dem Grundproblem nicht, denn abgesehen von der Verletzung der Persönlichkeit stößt dieser Beschluss auch technologisch an Grenzen. Denn das Thema Verschlüsselung lässt sich einfach nicht nachhaltig und gesamthaft verbieten! Es gibt schlicht und ergreifend zu viele Möglichkeiten, Dienste und Produkte, die zum Verschlüsseln genutzt werden können. Wird Apple in diesem Beispiel gezwungen, sich selbst (wirtschaftlich) und seinen Kunden (Datenschutz) zu schaden, wechseln die wahren Kriminellen lediglich die eingesetzten Werkzeuge (andere Plattform oder spezielle Apps).

Diesen "anderen" Werkzeugen (mit ihren eigenen Verschlüsselungen) ebenfalls habhaft zu werden, wird aber nicht gelingen, da diese entweder als Open Source vorliegen oder aus Ländern stammen, bei denen die US-Behörden keinen Zugriff haben.

Apple die Daumen drücken

Ich hoffe, dass die Debatte zur Klärung der Problematik hilft und das Thema Datenschutz den nötigen Stellenwert erfährt. Der Terror hat gewonnen, wenn wir unsere Persönlichkeitsrechte aufgeben. Die Aufforderung an Apple stellt die Weichen in der Welt. (mb)

 

Mark Zimmermann

Es wäre schön, wenn die Heimrouter-Hersteller sich zumindest ähnlich für den Käufer ihrer Produkte einsetzen würden, das aber nur am Rande...

Mark Zimmermann

http://www.computerwoche.de/a/...

Mark Zimmermann

Das Interview von John Sculley (ehemaliger CEO) http://www.cultofmac.com/41308... zeigt jedoch , dass er gefühlt nicht so wirklich weis wie weit die Technik stand heute geht (und das es keinen wirklichen Unterschied macht ob FBI und / oder nur Apple Zugriff hat.

Mark Zimmermann

Ich habe hier eine Prognose für das Jahr 2016 gegeben ( http://www.computerwoche.de/a/... ) , das Thema Verschlüsselung hielt ich da für nicht "extra erwähnenswert" ... Hoffentlich bleibt es so....

Mark Zimmermann

Anmerkung am Rande: Ich glaube schon, dass Apple für das iPhone 5c eine Lösung finden könnte, dieses Gerät hat noch keine Secure Enclave, werde das Thema in einem weiteren Artikel mal näher beleuchten.

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