Schlechte Karten

Verschlüsselte Kommunikation mit dem Staat kaum möglich

19.11.2013
Der NSA-Skandal verschafft Verschlüsselungstechniken neue Aufmerksamkeit. Immer mehr Menschen wollen ihre digitalen Nachrichten vor Blicken von außen schützen. Doch wer auf sicherem Wege mit Behörden kommunizieren will, hat schlechte Karten.
E-Mail-Verschlüsselung ist in den meisten deutschen Behörden noch ein Fremdwort.
E-Mail-Verschlüsselung ist in den meisten deutschen Behörden noch ein Fremdwort.
Foto: Iaroslav Neliubov, Shutterstock.com

Zurzeit können wir noch keine verschlüsselten E-Mails entschlüsseln: Dieser Satz findet sich beim Internetauftritt der Stadt Goslar, beim Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz und der Deutschen Rentenversicherung. Der Wortlaut variiert, die Aussage ist aber immer die gleiche. Die Möglichkeit, E-Mails zu verschlüsseln, gibt es - aber nicht bei uns.

Dabei sorgen sich seit den Enthüllungen über Geheimdienstschnüffelei im Netz mehr Menschen um ihre digitalen Nachrichten. Politiker wie der amtierende Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) riefen die Bürger noch im Sommer dazu auf, sich selbst um den Schutz ihrer Kommunikation im Internet zu kümmern.

Doch gerade bei Behörden kommen verschlüsselungswillige Bürger meist nicht weiter. Bei Datenschützern sorgt das für hochgezogene Augenbrauen. "Auch wir haben den Eindruck, dass sich nur mit sehr wenigen öffentlichen Stellen zum Beispiel über verschlüsselte E-Mails in Kontakt treten lässt", sagt eine Sprecherin des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar.

Aus den Bundesländern ist Ähnliches zu hören. Bei Prüfungen in Behörden sei der Einsatz von Verschlüsselungstechniken nicht aufgefallen, heißt es beim Thüringer Datenschutzbeauftragten Lutz Hasse. Sein Schleswig-Holsteinischer Kollege Thilo Weichert sagt: "Es gibt nur ganz, ganz wenige Behörden, die mit solchen Verschlüsselungen umgehen können."

Der Verschlüsselung von E-Mails ist deswegen besonders wichtig, weil diese digitalen Briefe genau das eigentlich nicht sind - Briefe. Werden sie unverschlüsselt durchs Internet geschickt, gleichen sie vielmehr einer Postkarte, die sich mit verhältnismäßig wenig Aufwand auch durch Unbefugte lesen lässt. Erst die Verschlüsselung macht aus E-Mails Dokumente, die wie in einen Briefumschlag verpackt auf die digitale Reise vom Sender zum Empfänger gehen.

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