E-Mails sichern

"Verschlüsseln ist wie Rührei machen"

20.08.2013
Von Christof Kerkmann
Kaum ein Internet-Nutzer verschlüsselt E-Mails. Die Ausrede lautet: zu schwierig. Dabei ist das kaum komplizierter als ein Rührei zum Frühstück. Hier erfahren Sie das Rezept zur Kryptografie - und was schiefgehen kann.

Fragt man Internet-Nutzer, warum sie ihre E-Mails nicht verschlüsseln, hört man meistens zwei Begründungen. Erstens: Es ist zu kompliziert. Zweitens: Die anderen machen es auch nicht.

Jürgen Fricke will beides nicht gelten lassen. "Wenn man es einmal gelernt hat, ist Verschlüsseln so einfach wie Rührei machen", sagt der Informatiker aus Köln. Wer die Eierspeise backen will, muss kein Meisterkoch sein, wer verschlüsseln will, kein Computerexperte. Und damit genügend Leute in der Lage sind, die E-Mails auch zu öffnen und zu beantworten, lädt er in seiner Firma Procube in Köln einmal im Monat zur Cryptoparty und zeigt, wie es geht.

Bislang traf sich ein kleiner Kreis. Doch seit immer mehr Details über das Bespitzelungsprogramm des US-Geheimdienstes bekannt werden, ist Jürgen Fricke zu einer Art Fernsehkoch geworden: RTL2 und das "Morgenmagazin" sind da, außerdem zwei Radiojournalisten und ein Schreiber. Cryptopartys stehen für die schwer greifbare Empörung über Prism und Tempora.

Aber wie geht es? Handelsblatt Online hat sich das Rezept verraten lassen - mit drei Zutaten und zwei warnenden Zusätzen.

Zutaten

  • Ein E-Mail-Konto

  • Das Verschlüsselungsprogramm GnuPG, das auf dem Programm PGP beruht.

Tatsächlich reichen diese Zutaten aus: Mit Thunderbird kann man die E-Mails seines Anbieters auf dem PC verwalten. Die Erweiterung Enigmail rüstet das Programm um eine Verschlüsselungsfunktion auf. Und GnuPGP erzeugt ein Schlüsselpaar. So ist es möglich, seine elektronische Post auf dem gesamten Weg verschlüsselt transportieren zu lassen - Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nennen Experten das.

Alle Programme sind Open Source, das heißt ihr Programmcode ist offen und damit für kundige Nutzer überprüfbar. Das ist wie ein strenges Bio-Siegel bei Lebensmitteln: "Weil viele Leute sich die Systeme anschauen, kann man davon ausgehen, dass keine Hintertürchen eingebaut sind", sagt Jürgen Fricke. Er schwört auf offene Standards. Damit könne man auch ausschließen, dass es einen Generalschlüssel gebe - anders als bei geschlossenen Systemen. Es gibt auch andere Programme, mit denen man Mails verschlüsseln kann, Experten empfehlen aber diese drei.

Nach heutigem Ermessen sei eine mit PGP verschlüsselte Nachricht kaum zu knacken, betont Fricke: "Es würde Jahre dauern, alleine eine E-Mail zu entschlüsseln." Zumindest wenn der eigene Rechner sauber und das Passwort stark ist. Dazu später mehr.

Wer auch vom Smartphone geheime Nachrichten verschicken will, braucht allerdings noch ein paar Extras, für Android-Smartphones zum Beispieil das E-Mail-Programm K9 sowie das Verschlüsselungsprogramm APG. iPhone-Nutzer folgen am besten dieser detaillierten Anleitung.

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