Blick in die IFA-Glaskugel

Vernetztes Haus und 3D ohne Brille

06.09.2010
Auf der IFA präsentieren Forscher ihre Arbeit an den Neuheiten der Zukunft.

Bis 3D-Fernsehen ohne Brille und intelligente Hausgeräte auf den Massenmarkt kommen, haben Entwickler jahrelang getüftelt. Was heute auf der IFA die Massen begeistert, war in der Halle teils schon vor Jahren zu sehen: In der Abteilung TecWatch der Elektronikmesse zeigt die Forschung ihre Visionen. Die Höhepunkte in diesem Jahr:

3D-Fernsehen ohne Brille - zumindest in der TecWatch-Halle schon zu besichtigen.
3D-Fernsehen ohne Brille - zumindest in der TecWatch-Halle schon zu besichtigen.

3D-Fernsehen ohne Brille: Dreidimensionales Fernsehen findet fast jeder gut, die notwendige Brille weniger. Sie bewirkt, dass der Zuschauer die beiden jeweils nur für ein Auge ausgestrahlten Bilder auch getrennt wahrnimmt und so tiefenscharf sieht. Thomas Ebner vom Berliner Heinrich-Hertz-Institut zeigt einen Weg weg von der Brille: Kameras über dem Fernseher verfolgen die Augen des Zuschauers, danach richten sich die ausgestrahlten Bilder aus - so dass jedes Auge nur ein Bild sieht und 3D entsteht. Der Haken: Nur ein Zuschauer kann in die dritte Dimension eintauchen. Die ganze Familie käme nur in den Genuss, wenn jede Szene mit zusätzlichen Kameras gefilmt würde. Es bleibt also Entwicklungsarbeit. "Bis das auf den Markt kommt, kann es noch fünf bis zehn Jahre dauern", sagt Ebner.

Computer als Klavierlehrer: Wer sein Lieblingslied auf Klavier oder Flöte lernen will, muss keine Noten mehr kaufen und bekommt vom Computer sogar Hilfe beim Einüben. Eine Software des Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologie in Illmenau wandelt eine MP3 in Noten um, stellt das Lied als Notenblatt dar und verrät dem Spieler die notwendigen Griffe oder Anschläge. Das Programm hört mit und hilft durch eine intuitive Darstellung am Bildschirm, die Töne zu treffen. "Bislang mussten derartige Programme digital mit einem Gerät verbunden sein, etwa einem Keyboard", sagt Entwickler Sascha Grollmisch. Ganz ersetzen könne aber auch die neue Software den Klavierlehrer nicht, räumt er ein. "Das System erkennt natürlich nicht, ob ich die richtigen Finger setze."

Volle Kontrolle im vernetzten Haus: Von unterwegs mit dem Smartphone zu Hause die Jalousien runter lassen, vom Sofa aus das Licht im Keller löschen - das ist möglich im vernetzten Haus, das der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke präsentiert. Natürlich hängt in der Garage ein Elektroauto an der Steckdose. Wenn man es nicht braucht, dient die Batterie als Stromspeicher, denn künftig variiert der Strompreis nach Angebot. Entsprechend stellen sich Waschmaschine und Trockner erst dann ein, wenn es am billigsten ist. Programmieren lässt sich alles über das Internet, an jedem Ort der Welt. "Das ist keine Vision mehr", sagt Verbandssprecherin Petra Schnieder. "Alles in diesem Haus ist schon möglich."

Familientreffen am Bildschirm: Mancher kennt es aus dem Beruf: Videokonferenzen über das Internet, oft mit Wackelbild und zeitversetzten Gesprächen in knarzendem Ton. Beste Audio- und Video- Qualität verspricht ein System des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen - und zwar für den Hausgebrauch. "Unser Ziel ist es, entfernt lebende Freunde und Verwandte über das Fernsehgerät zusammenzubringen", sagt Mit-Entwickler Matthias Rose. Die hochauflösende Videokonferenz fürs Wohnzimmer ist Ergebnis eines EU- Projekts mit eben diesem Ziel. Die bessere Qualität ermöglichen ein speziell verbesserter Videocode und eine eigens entwickelte PC-Karte. Die Zeitverzögerung sinkt laut Institut unter 100 Millisekunden.

Der Fernseher als Hörgerät: Viele Schwerhörige können beim Telefonieren oder Fernsehen ihr Hörgerät ablegen, wenn sich die Entwicklung des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie in Oldenburg durchsetzt. Mithilfe von Algorithmen aus Hörgeräten verringert das System Hintergrundgeräusche und verstärkt zu leise Signale. Nutzer sollen es selbst anpassen können. Beim Fernsehen wirke dann Filmmusik für Schwerhörige nicht mehr störend, und beim Telefonieren profitierten auch Normalhörende, wenn etwa ein Anrufer aus einem lauten Großraumbüro verständlicher rüberkomme. Die von der Bundesregierung geförderte Technik soll in zwei Jahren marktreif sein. (dpa/tc)