Tips für Anwender, die "second hand" kaufen wollen:

"Verlangen Sie Referenzen"

16.04.1976

Das Image der Gebraucht-Computer-Händler war im deutschsprachigen Europa eigentlich nie besonders gut.

Wo immer die Ursache zu suchen ist, dies steht jedenfalls im krassen Gegensatz zur englischen Welt. Dort ist der Händler Partner, wie es letztlich jeder Lieferant irgendeiner Ware sein sollte. Man schließt dort sogar Verträge mit einigen Jahren Laufzeit ab, wo der Händler dann als "Hausbroker" für den, natürlich meist umfangreichen Maschinenpark, tätig ist.

Wo sind die Gründe zu suchen für die so verschiedenen Geschäftsmethoden in unserem Raum? Warum wird hier immer zuviel versprochen, warum werden hier Zusagen nicht eingehalten, warum wird hier mit "allen" Mitteln gearbeitet? Sind es nur die Händler, die einfach zu diesem Typus zu zählen sind? In erster Linie ja. Die Erklärung muß aber auch bei den Käufern und Interessenten gesucht werden. Warum?

Die "Dealer" wollen abkassieren

Es ist bekannt, daß ein Computer, auch gebraucht oder älteren Typs, immer noch "seinen" Preis hat. Anlehnend an die Preise läßt sich auch eine entsprechende Marge erzielen. Dies muß nun einfach dazu reizen, mit einigen Telefongesprächen (und sei es aus der häuslichen Küche) eventuell einen "Deal" zu machen. Dies könnte letztlich jeder Privatmann nebenbei tun, und unter Umständen sogar etwas verdienen. Und hier fängt es doch an.

Sie als EDV-Benutzer, der seiner Aufgabe entsprechend laufend Begegnungen und Gespräche auf hohem Niveau führt, sind bei der Wahl Ihrer Gesprächspartner, wenn es um "Second Hand" geht, einfach zu wenig kritisch. Wenn Sie sich einen Gebrauchtwagen anschaffen, dann ist doch der erste Gedanke, was ist das für ein Händler, mit dem ich hier diskutiere? Kann man ihm vertrauen? Versteht der etwas von der Sache? Kann er das überhaupt einhalten, was er mir verspricht? Der Vergleich mag etwas hinken. Aber in der Hauptsache trifft er.

Stellen Sie sich doch einmal vermehrt diese Fragen!!

Tun Sie es nicht, so muß man wohl in Kauf nehmen, daß vollkommen branchenfremde Glücksritter, zum Anbieter von Anlagen im Wert von hunderttausenden Mark, mutieren. Sie, der Benutzer, haben es in der Hand! Erkundigen Sie sich zuerst über den Anbieter. Verlangen Sie Referenzen. Was kann der Händler überhaupt einhalten von den zugesagten Garantien. Was nützt Ihnen eine vereinbarte Zahlung bei Lieferverzug, wenn der Händler nicht in der Lage ist, diese Strafe zu zahlen. Eine Bankauskunft kostet Sie ein paar Mark, kann Ihnen aber viel Geld sparen. Wenn Sie von der, Bank hören, der Maximal-Kredit dieses Händlers liege bei einigen tausend Mark, dann sollten Sie Ihre Weichen entsprechend stellen.

Nur der namhafte Händler als seriöse Firma (die gibt es auch) kann Ihr Gesprächspartner sein. Nur er ist aufgrund seiner Verbindungen und seines "Know-hows" in der Lage, Sie zu bedienen. Er wird natürlich auch seinen Preis haben, nur so kann er auch etwas bieten. Das müssen Sie abwägen.

Konfigurationen nur auf dem Papier

Noch ein Wort zu den sogenannten neutralen Beratern. Auf den ersten Blick scheint der Gedanke bestechend, einen Neutralen einzuschalten zwischen Benützer und Lieferant. In der Praxis sieht dies leider anderes aus. Der Berater ist ein "Filter" im gegenseitigen Informationsfluß. Im Endeffekt ziehen diese Berater von Händler zu Händler, um auf irgendeine Weise den erhaltenen Vertrag zu erfüllen.

Auch hier gelten die gleichen Überlegungen. Nur Sie, der Benutzer, können wissen, welche Anlage Sie benötigen, wie die Anlage ausgerüstet sein muß, nur Sie kennen genau die Organisation in Ihrem Haus. Und nur der namhafte, seriöse Anbieter kann Ihr Partner sein. Nur er kann wissen, welche Anlagen und in welcher Ausrüstung auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich sind. Nur er weiß, welche zusätzlichen Einbauten zu welchem Preis möglich sind. Hier werden oft die großartigsten Maschinenkonfigurationen ausgehandelt, die nicht einmal der Hersteller verkauft hat, geschweige denn auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich sind.

Denken Sie daran: Sie, die Anwender bestimmen, wie es weitergehen soll. Sie können durch bewußte Selektionierung den seriösen Partner finden. Denken Sie an das Beispiel des Gebrauchtwagen-Händlers. Sie liegen richtig.

* Christian Kauer ist Mitglied des Verwaltungsrates der COS Computer Systems SA, Baden/Schweiz.