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Verlage klagen gegen Online-Werber Gator

28.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In den USA fordern mehrere große Verlage, dass das Werbenetzwerk Gator seine Tätigkeit einstellt. Entsprechend geklagt haben unter anderem die Washington Post, die New York Times und Dow Jones & Co., der das "Wall Street Journal" herausgibt. In der Klagebegründung heißt es, dass ohne Zustimmung der betroffenen Firmen beim Besuch von Web-Seiten der Konkurrenz für sie geworben werde.

Gator vertreibt das kostenlose Software Tool "eWallet" zum Management von Passwörtern für unterschiedliche Online-Angebote. Bei dessen Installation wird jedoch heimlich ein so genannter Werbetrojaner auf dem PC des Anwenders eingerichtet, der das eigentliche Geschäftsfeld des Unternehmens ausmacht. Der Trojaner kopiert Werbe-Banner vom Gator-Server auf die einzelnen PCs und stellt sie in Pop-up-Fenstern dar. Dabei können die beworbenen Firmen in Auftrag geben, mit welchen Web-Seiten ihre Banner geöffnet werden sollen. Ist der Anwender nicht mit dem Internet verbunden, bleibt die Software inaktiv.

Nach Angaben des Beklagten ist eWallet 27 Millionen mal heruntergeladen worden und zurzeit auf 15 Millionen Rechnern aktiv. Gator-Chef Jeff McFadden bezeichnete die Klage als haltlos. Nur 0,33 Prozent aller von Gator positionierten Werbe-Banner seien an die Online-Angebote der Kläger gebunden. Zudem haben die Verlage nach Angaben McFaddens trotz nun gegenteiliger Behauptungen Aufträge gegeben, Werbung bei Konkurrenten einzublenden. Der nun angestrengte Prozess sei ein Versuch, sich von dem Vorwurf unlauteren Wettbewerbs reinzuwaschen und den Schwarzen Peter Gator zuzuschieben. (lex)