Reuters-Meldung

Verkauft Alcatel-Lucent das Telefon-Geschäft?

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Erneut macht sich das Gerücht im Markt breit, Alcatel-Lucent stehe vor dem Verkauf der Enterprise-Sparte, um die Kosten zu drücken.
Greift Michel Combes, CEO von Alcatel-Lucent, eine alte Idee wieder auf, und strebt den Verkauf der Enterprise-Sparte an?
Greift Michel Combes, CEO von Alcatel-Lucent, eine alte Idee wieder auf, und strebt den Verkauf der Enterprise-Sparte an?
Foto: Alcatel-Lucent

Quelle der Spekulationen ist ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Sie zitiert in der Meldung eine anonyme, unternehmensnahe Quelle. Demnach hat Alcatel-Lucent die US-amerikanische Investmentbank Lazard Ltd. damit beauftrag, einen Käufer für die Sparte zu finden.

Es wäre das zweite Mal innerhalb von drei Jahren, dass der TK-Konzern einen Versuch startet, das Geschäft mit IP-Telefonie und Ethernet-Equipment abzustoßen (siehe Alcatel-Lucent prüft Verkauf des Telefongeschäfts.)

Beim ersten Versuch hatte Alcatel-Lucent noch bestätigt, dass man "strategische Optionen" für die Enterprise-Sparte prüfe. Damals umfasste der Bereich noch das Genesys-Geschäft mit Contact- beziehungsweise Call-Center-Ausstattung. Anfang 2012 wurde Genesys für 1,5 Milliarden Dollar verkauft.

Dieses Mal fasste sich Alcatel-Lucent kurz: Man kommentiere Spekulationen und Gerüchte nicht, ließ ein Unternehmenssprecher die Nachrichtenagentur wissen.

Verkauf als Teilprojekt des Einsparprogramms

Der Konzern steckt mitten in einer Reorganisation, eine Abspaltung des B2B-Geschäfts ist daher keinesfalls abwegig. Die Anfang Oktober bestätigten Sparpläne sehen einen Abbau von 10.000 Stellen bis 2015 vor. Insgesamt will das Unternehmen seine Kosten um eine Milliarde Euro reduzieren und so wieder die Gewinnzone erreichen. Das Vorhaben ist Teil des vom neuen CEO Michel Combes angekündigten "The Shift Plan." Er soll das Unternehmen in einen Spezialisten für IP-Networking und Ultra-Breitband transformieren.

Dazu könnte - so die Spekulationen von Reuters - das Enterprise-Business auch in Teilen verkauft werden. Schon beim ersten Versuch vor rund zwei Jahren hätten potenzielle Käufer beim Blick auf Telefongeschäft abgewinkt. Die Gründe seien hohe Kosten, eine gewerkschaftlich organisierte Belegschaft in Europa und eine veraltete, von Cloud-Alternativen bedrohte Produktlinie.

Einer Erhebung der Dell´Oro Group zufolge teilt sich das Enterprise-Business von Alcatel-Lucent folgendermaßen auf: Im Ethernet-Geschäft nahm das Unternehmen im Jahr 2012 rund 238 Millionen Dollar ein. Damit kommt der Anbieter auf einen weltweiten Marktanteil auf rund 1,2 Prozent in diesem Geschäft. Zuletzt konnte man einige lukrative Deals gewinnen, etwa mit dem kalifornischen Staat. Der Jahresumsatz der verschmähten TK-Equipment-Sparte ist deutlich höher. Er belief sich im Jahr 2012 laut Dell'Oro auf 928,6 Millionen Dollar. (jha)