Verjüngungskur für die Terminalemulation

22.02.2005
Von Philipp Grieb
Die traditionelle Verknüpfung von Arbeitsplatz- und Zentralrechner hat noch nicht ausgedient. Hersteller arbeiten an der Modernisierung des Konzepts, die Clients erhalten zusätzliche Funktionen.

Die Internet- und Web-Techniken haben den Zugriff auf die Zentralrechner verändert und neue Wege erschlossen. Heute arbeiten interne und externe Anwender mit unterschiedlichen Anforderungen an den Host-Applikationen. Privatkunden, Partner oder auch Firmenkunden erhalten neuerdings Zugang zum Allerheiligsten, nämlich den zentralen Unternehmensanwendungen. Auf Web-Oberflächen werden selektiv Teile der Host-Informationen in Selbstbedienungsanwendungen präsentiert. Trendthemen wie Web-to-Host, Enterprise Application Integration (EAI) und Service-orientierte Architekturen (SOA) interessieren die Fachwelt derzeit besonders.

Traditionelle PC-Host-Lösungen noch immer weit verbreitet

Doch dabei sollte die Realität nicht aus den Augen verloren werden: Terminalemulationen in verschiedenen Ausprägungen als Thin- oder Thick-Client spielen nach wie vor eine wichtige Rolle, beispielsweise an den Schaltern der großen Finanzdienstleister oder der Reisebranche. Auf den Terminals vieler Airlines weltweit laufen nach wie vor Emulations-Clients, die zusammen mit den zugehörigen Zentralrechnern meist zuverlässig ihren Dienst tun. In Banken und Sparkassen sind Hunderttausende von Arbeitsplätzen mit der erprobten Technik ausgestattet; eine Abkehr von den traditionellen PC-Host-Lösungen mit ihren Kernfunktionen Emulation und File-Transfer ist derzeit nicht zu erwarten.

Die Entwicklung der Emulations-Clients ist nicht stehen geblieben: Solange Unternehmen sie benötigen, stellen Anbieter Upgrades und verbesserte Versionen zur Verfügung. Alleine die Migration auf die jeweils neueste Betriebssystem-Plattform erfordert Entwicklungsaufwand. Dabei müssen die Anwender nicht nur eine Portierung stemmen, sondern auch die Unterstützung der spezifischen neuen Funktionen des Betriebssystems sicherstellen. Die Hersteller zeigen sich bemüht, den treuen Emulationskunden etwa die Migration auf neue Windows-XP-Plattformen zu erleichtern. Die Neuerungen und Erweiterungen gehen deshalb in mehrere Richtungen.

Moderne Office-Applikationen prägen in der Regel die Erwartungen der Anwender. Diese sollen sich bei der Arbeit mit Host-Anwendungen nicht völlig umstellen müssen. Deshalb enthalten aktuelle Emulations-Clients eine Reihe zusätzlicher Funktionen, beispielsweise Rechtschreibprüfung, automatische Vervollständigung (Auto Complete) oder automatische Ergänzung (Auto Expand). Hinzu kommen oft eine History-Funktion, die Wiederholung der letzten Eingaben (Recent Typing) und ein integriertes Notizbuch.

Die Übernahme von selektierten Daten aus dem Host-Bildschirm in Office-Anwendungen wie Outlook oder Word geschieht automatisch.

Hohe Sicherheitsanforderungen an Connectivity-Lösungen

Um die zentralen Systeme und Großrechner vor unberechtigtem Zugriff zu schützen, werden an Host-Connectivity-Lösungen hohe Anforderungen gestellt; die Liste der geforderten Sicherheitsfunktionen wächst. Dazu gehören Techniken wie Verschlüsselung nach SSL 3.0, TLS (Transport Layer Security, ein IETF-Standard), SSH (Secure Shell) für den Unix/VMS-Zugang, Authentifizierung mit öffentlichen Schlüsseln und digitalen Zertifikaten, Benutzerauthentifizierung über Directory Services oder Host-Authentifizierung über Smartcard oder RSA Secure ID.

Für die Betreuung der vielen Clients in Host-Umgebungen ist eine zentrale Verwaltung unumgänglich. In mittelständischen Firmen sind oft Hunderte, in Großunternehmen Zehntausende von Clients zu betreuen.

Zentrale Verwaltung erleichtert Konfiguration

Verwaltungs- und Steuerungsfunktionen unterstützen beispielsweise die zentrale Konfiguration und Verteilung aller Emulations-Clients, die Einrichtung von Benutzerprofilen, die Benutzerauthentifizierung oder die Verwaltung von Terminal-IDs. Auch eine Überwachung der Verbindungen sowie die Ereignisprotokollierung ist damit möglich. Die Management-Software kann auf dem Mainframe laufen und ist damit Teil der zentralen Infrastruktur, während die Browser-basierende Management-Konsole an jedem Punkt im Netz zur Verfügung steht.

Gängige Emulationsprodukte kommen heute meist als "All-inclusive"-Pakete daher. Sie umfassen neben den Emulationen verschiedener Host-Terminals und einer funktionsreichen Anwenderoberfläche beispielsweise auch noch eine Portalintegration, Web-to-Host-Lösungen und die Unterstützung von Web-Services. Damit haben Unternehmen die Möglichkeit, ohne zusätzliche Kosten auf alternative Techniken umzusteigen. (wh)