Transparenzbericht

Verizon zählt hunderttausende Anfragen nach Kundendaten

23.01.2014
Angesichts des NSA-Skandals bemüht sich der US-Telekomanbieter Verizon um mehr Transparenz. Er veröffentlichte erstmals detaillierte Zahlen zu Behördenanfragen. Sie zeigen ein gewaltiges Ausmaß an Zugriffen.

Beim US-Telekommunikationskonzern Verizon sind im vergangenen Jahr 2996 Behördenanfragen aus Deutschland zu Kundendaten eingegangen. Dies teilte das Unternehmen am späten Mittwoch in seinem erstmals vorgelegten Transparenzbericht mit. US-Behörden stellten demnach über 321.500 Anfragen nach Nutzerdaten oder Überwachungsanträge.

Das Ausmaß übertrifft die Zahl der Zugriffe bei Internetfirmen um ein Vielfaches. "Unser Bericht spiegelt die Tatsache wieder, dass Telekomanbieter mehr Behördenanfragen erhalten als wohl irgendeine andere Industrie", schrieb Verizon-Chefjurist Randal Milch im Firmenblog.

Verizon-Stand auf der CES 2012
Verizon-Stand auf der CES 2012
Foto: Verizon

Im Vergleich dazu registrierte Facebook für das zweite Halbjahr 2012 zwischen 9000 und 10.000 Anfragen von US-Behörden. Google berichtete für das erste Halbjahr 2013 von gut 25.000 Anfragen weltweit. Microsoft und sein Online-Telefondienst Skype erhielten in demselben Zeitraum mehr als 37.000 Aufforderungen, Nutzerdaten herauszugeben. Internetunternehmen drängen die US-Regierung, weitere Details auch zu bisher geheimen Anfragen veröffentlichen zu dürfen. Diesem Aufruf schloss sich Verizon an.

Unter den Anfragen aus den USA an Verizon finden sich 14.500 Gerichtsbeschlüsse zur Herausgabe von gespeicherten Inhalten wie SMS oder E-Mails. Hinzu kommen gut 7800 Überwachungsanträge, mit denen Strafverfolger die Kommunikation von Verdächtigen in Echtzeit verfolgen können.

Im internationalen Vergleich ist die Zahl der deutschen Nachfragen bei Telefonanbieter Verizon deutlich höher als in anderen Ländern. Zum Vergleich: Aus Frankreich gingen 1347 Anträge ein, aus Großbritannien 386. Außerhalb der USA wende sich Verizon vor allem an Geschäftskunden und weniger an Endverbraucher, erklärte das Unternehmen.

Im Zuge des NSA-Skandals hatten mehrere Internetunternehmen Informationen über Behördenanfragen veröffentlicht. Der Bericht von Verizon ist der erste einer Telekommunikationsfirma. (dpa/tc)