Web

 

Verisign legt Streit im Fall Sex.com bei

21.04.2004

Verisign hat sich mit dem Inhaber der Domain Sex.com, Gary Kremen, geeinigt. Kremen hatte Verisign verklagt, da die Registry die Domain angeblich zu Unrecht weitergegeben hatte.

Der Fall zieht sich bereits seit 1995 durch die Instanzen. Damals vergab der mittlerweile zu Verisign gehörende Registrar Network Solutions (NSI) Sex.com an Kremen. Kurz darauf erschlich sich der Betrüger Stephen Michael Cohen die Domain mit einer gefälschten E-Mail. In einem Prozess gegen den Betrüger bekam Kremen 65 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen. Cohen flüchtete jedoch mit seinem Hab und Gut nach Mexiko.

Klagen gegen den Registrar wurden bislang abschlägig beschieden. Da 1995 die Registrierung einer Domain kostenlos gewesen sei, seien Kremen durch die Weitergabe von Sex.com an einen Dritten keine Werte verloren gegangen, lauteten die Begründungen der ersten Instanzen. Somit sei NSI/Verisign nicht haftbar zu machen.

2003 wurde der Prozess von einem Revisionsgericht neu aufgerollt. NSI habe die Domain zwar nicht für sich selbst beansprucht, sei jedoch verantwortlich für die unrechtmäßige Weitergabe an Cohen. Das Unternehmen hätte 1995 bei Kremen persönlich das Einverständnis zur Weitergabe von Sex.com einholen müssen und sich nicht auf die von Cohen gezeigte E-Mail verlassen dürfen, hieß es in der Begründung zur Wiederaufnahme des Verfahrens.

Über die Höhe des jetzt geschlossenen Vergleichs vereinbarten Verisign und Kremen Stillschweigen. Experten vermuten jedoch einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe. Im US-Rechtssystem ist es für Verisign nicht unbedeutend, durch eine Einigung mit dem Geschädigten einem Urteil zuvorgekommen zu sein. Dieses hätte einen Präzedenzfall für weitere Klagen geschaffen, die wegen angeblich unrechtmäßigen Weitergaben von Domains gegen Verisign geführt werden.

US-Berichten zufolge hat es Kremen noch nicht aufgegeben, die zugesprochenen 65 Millionen Dollar von Cohen einzutreiben. Der Beklagte hält sich zurzeit angeblich auf palestinänsischem Gebiet auf, wo er ein Netz zum Datenaustausch mit der Bezeichnung "Earthstation 5" betreiben soll. (lex)