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Verhandelt Red Hat bereits mit Microsoft?

04.07.2007
Nach Statements aus beiden Firmen dürften zumindest Sondierungsgespräche begonnen haben.

Als Novell im November letzten Jahres das unverändert heftig debattierte Abkommen mit Microsoft schloss, empörte sich besonders laut Red Hat. Dabei hatte Red-Hat-Chef Matthew Szulik – wie kürzlich bekannt wurde – noch vor Novell mit Microsoft über eine Kooperation verhandelt, aber keine Übereinkunft erzielt. Der Abbruch der Gespräche bedeutete aber offenbar nicht deren Ende.

Denn inzwischen ist Paul Cormier, Entwicklungschef des Linux-Distributors, auf Anfrage des Nachrichtendienstes "eWeek" mit einem Stückchen mehr Wahrheit herausgerückt: "Ich möchte mit den Leuten von Microsoft über zwei Betriebssysteme reden und darüber, wie wir zusammenarbeiten können, um die wahren Probleme der Kunden zu lösen – aber nicht über damit nicht zusammenhängende Dinge wie Urheberrechte." Den Ball hat Microsofts Senoir Vice President Server and Tools, Bob Muglia, aufgenommen: "Um die Gespräche mit den Red-Hat-Leuten voranzubringen, sind wir bereit, mit ihnen über Interoperabilität zu reden. Wir sind immer zu Gesprächen bereit."

Aber Muglia bringt ein Microsoft-Interesse quasi als Bedingung ins Spiel: "Es ist nötig, über Urheberrechte zu reden, wenn es um Open Source geht." Das sei ein wichtiger Punkt für Anwender. "Solange man nicht wirklich die Fragen um Urheberrechte anspricht, hat man das Interoperabilitätsproblem der Kunden nicht gelöst."

Dieses Abklopfen von Verhandlungsthemen nennt man in der Politik Sondierungsgespräche. Und Red Hat geht an solche Dinge anscheinend auch nicht dogmatischer als Novell heran. Bezeichnenderweise antwortete Red-Hat-Chef Szulik auf die Frage der Nachrichtenagentur Reuters, ob er mit Microsoft über ein Patentabkommen verhandle: "Ich kann die Frage nicht beantworten." Eine solche Antwort gilt – nicht nur bei Journalisten – als unausgesprochenes Ja. (ls)