Vergütung: ein SAP-Berater im Dilemma

17.09.2010
SAP-Spezialisten wollen wieder einen kräftigen Schluck aus der Gehaltspulle nehmen, wie ein aktuelles Beispiel aus unserem Online-Karriereforum zeigt.

Unser Online-Leser will wissen, ob er mit seinem Gehalt als SAP-Berater gut bezahlt wird. "Im Forum (gemeint ist der Karriereratgeber, siehe auch Kasten) war die Rede eines fairen Gehalts von 28 Prozent (Einsteiger) bis 40 Prozent (Senior) der fakturierten Umsätze. Das Gehalt setzt sich aus fixem und variablem Anteil zusammen, wobei der variable Anteil um 15 Prozent Reisekostenbeteiligung geschmälert wird, sozusagen als solidarische Beteiligung der Mitarbeiter an den Ausgaben des Unternehmens. Nun ein paar Eckdaten zu meiner Person: Ich bin 27 Jahre alt, habe drei Jahre Berufserfahrung in der SAP-Branche, Abschluss Diplominformatiker. Mein Arbeitgeber ist eine angesehene Unternehmensberatung.

Die Tätigkeit findet vorwiegend beim Kunden vor Ort statt, so dass man einen sehr hohen Reiseanteil hat. Überstunden und Fahrzeit werden nicht vergütet. Mein Gehalt beträgt aktuell rund 58.000 Euro im Jahr und die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt 60 Stunden. (Wovon aufgrund nicht bezahlter Fahrtzeit unterm Strich nur 50 bis 55 Stunden fakturiert werden.) Fakturierter Umsatz sind netto 250.000 beziehungsweise der um 15 Prozent Abzug niedrigere Betrag. Was würden Sie als faire Bezahlung ansehen?

Thomas Leibfried, Personalleiter beim IT-Dienstleister Computacenter, antwortet dem CW-Leser:

Den von Ihnen genannten Ansatz für ein "faires Gehalt" für SAP-Berater, prozentual orientiert am Umsatz, kenne ich nicht. Prinzipiell ist jedes Gehalt, das ein Arbeitnehmer mit einem Arbeitgeber aushandelt, fair. Wir sprechen hier von frei verhandelten Gehältern, nicht von tariflichen Vergütungen. Ein Gehalt ist wie ein Preis, der sich aus Angebot und Nachfrage herausbildet. Dafür gibt es beispielsweise Gehaltsstudien, die Empfehlungen oder "Normalwerte" für Gehälter definieren.

Dass die Arbeitslast insbesondere in zeitlicher Hinsicht in Beratungsunternehmen besonders hoch ist, dürfte bekannt sein. Dennoch schätzen insbesondere Berufseinsteiger die Möglichkeit, bei renommierten Beratungsunternehmen Erfahrung zu sammeln. Dass dafür auch enorme Überstunden, teilweise unvergütet, verlangt und hingenommen werden, halte ich für legitim (im Rahmen der gesetzlichen Richtlinien) und nachvollziehbar.

Insgesamt erachte ich, um auf Ihre zweite Frage einzugehen, ein Gehalt von 58.000 Euro für einen 27-jährigen Diplominformatiker mit drei Jahren Berufserfahrung für absolut akzeptabel. Es dürfte nicht allzu viele Möglichkeiten geben, in diesem Alter und in abhängiger Beschäftigung ein solches Einkommen zu erzielen. (hk)

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