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Verdacht auf Insider-Handel bei Global Crossing

03.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) hat Ermittlungsbeamte beauftragt, bei dem insolventen US-Carrier Global Crossing die Aktienkäufe und -verkäufe der Vorstände zu überprüfen. Bislang war davon ausgegangen worden, dass sich die SEC nur für die Bilanzierungspraktiken des Konzerns interessiert. Nun besteht nach einem Bericht des "Wallstreet Journal" auch der Verdacht auf Insider-Handel.

Die Führungsspitze von Global Crossing hat zwischen 1999 und November 2001 Unternehmensaktien im Gesamtwert von 1,3 Milliarden Dollar verkauft. Hauptnutznießer der Transaktionen war der Global-Crossing-Gründer und amtierende Vorsitzende Gary Winnick mit drei Aktienverkäufen im Gesamtwert von rund 735 Millionen Dollar. Im Fokus der SEC ist laut "Wallstreet Journal" vor allem eine Transaktion im Mai vergangenen Jahres, bei der Winnick Anteilscheine für 123,5 Millionen Dollar abstieß. Es handelte sich dabei um einen "Collar"-Verkauf, einer Transaktion, mit deren Hilfe sich Winnik vor einem Kursverfall absicherte. Gleichzeitig verzichtete der Vorsitzende aber auch auf einen eventuellen Wertzuwachs der Aktie. Der Konzerngründer tätigte das Geschäft zwei Wochen nach der Bekanntgabe der Ergebnisse für das erste Quartal 2001. Damals hatte Global Crossing gemeldet, dass das Nettodefizit im Vergleich zum Vorjahr von 348 Millionen auf 675 Millionen Dollar gestiegen

war. Erst Anfang August folgte dann eine Umsatz- und Verlustwarnung für das Gesamtjahr, in Folge ging der Kurs der Aktie drastisch nach unten.

Bereits im vergangenen Monat hatte Roy Olofson, ein ehemaliges Vorstandsmitglied von Global Crossing, wegen Winnicks Collar-Verkauf Klage gegen seinen früheren Arbeitgeber eingereicht. Olofson beschuldigt die Konzernspitze, aufgrund der Aktienverkäufe von Winnick die Ergebniswarnung absichtlich zu spät herausgegeben zu haben. Als Beweis legte der frühere Vorstand die Aufzeichnung eines Telefongesprächs mit dem Finanzchef Daniel Cohrs vom 21. Juli 2001 vor. Darin erklärte der CFO, dass er die Prognose für das Gesamtjahr revidieren möchte. Allerdings seien ihm wegen des Collar-Verkaufs von Winnick die Hände gebunden.

Der Global-Grossing-Gründer ist nicht der einzige Vorstand, der 2001 im großen Umfang Aktien verkauft hatte: Der frühere Finanzchef David Walsh hatte Ende Mai vergangenen Jahres 672.000 Firmenanteile im Wert von 8,7 Millionen Dollar veräußert. Rund zwei Wochen davor hatte Chairman Lodwrick Cook 763.000 Global-Crossing-Papiere abgestoßen und damit 9,8 Millionen Dollar eingenommen.

Brisant wird der neue Vorwurf auf Insider-Handel im Zusammenhang mit den obskuren Tauschgeschäften des Konzerns mit anderen Carriern wie Qwest. Global Crossing wird von der SEC verdächtigt, bei einem Austausch von Kabelkapazitäten den Umsatz ausgewiesen und die damit verbundenen Kosten beim Endergebnis weggelassen zu haben. Nach US-GAAP müssen diese jedoch als Kapitalaufwendungen verbucht werden. Sollten sich diese Vermutungen bestätigen, hätte auch dies möglicherweise weit reichende Folgen für die Vorstände. Falls sich herausstellt, dass die Manager über dieses Vorgehen Bescheid wussten und gleichzeitig Aktien verkauft haben, drohen ihnen hohe Strafen. (mb)