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Ver.di befürchtet Auslagerung von 60.000 Telekom-Stellen

22.02.2007
Auf mehr als jeden dritten Mitarbeiter der Deutschen Telekom in Deutschland könnten nach Befürchtungen der Gewerkschaft ver.di Gehaltseinbußen und Mehrarbeit zukommen.

Nach Berechnungen von ver.di sollen die geplanten Auslagerungen in einen neuen Service-Bereich des Bonner Konzerns für mehr als 60.000 der 160.000 Telekom-Mitarbeiter in Deutschland gelten. Damit würde das Sparprogramm erheblich mehr Mitarbeiter treffen als schon bekannt. Bislang war von Konzernseite von 45.000 Betroffenen die Rede. Die Telekom zeigte sich über die höhere ver.di-Zahl 60 000 verwundert. "Diese Zahl ist aus der Luft gegriffen", betonte eine Sprecherin.

"Die Zahl 45.000, die Ende letzten Jahres in der Öffentlichkeit genannt wurde, ist heillos untertrieben", sagte dagegen am Donnerstag das ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder in Bonn. Er kündigte massiven Widerstand gegen die Umbaupläne des Telekom-Vorstands an und schloss dabei auch Arbeitsniederlegungen nicht aus.

Der Bonner Konzern steht unter einem starken Kostendruck vor allem im Festnetzgeschäft. Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Telekom mehr als zwei Millionen Telefonanschlüsse an die Konkurrenz verloren. Telekom-Chef René Obermann hatte bereits angedeutet, dass auch mehr als 45.000 Mitarbeiter von der geplanten Ausgliederung betroffen sein könnten, ohne eine konkrete Zahl dabei zu nennen.

Ver.di geht davon aus, dass die Auslagerungs-Ankündigung des Vorstandes am Mittwoch der kommenden Woche den Aufsichtsrat der Telekom beschäftigten werde. Deshalb werde für diesen Tag eine große Protestaktion mit über 10.000 Teilnehmern vor der Bonner Telekom-Zentrale geplant. Ver.di-Mitglieder, die zugleich T-Aktionäre sind, wollten zudem auch die Telekom-Hauptversammlung als Podium nutzen.

Die Gewerkschaft wies darauf hin, dass die drohende Auslagerung von mehr als 60.000 Stellen in einen neuen Telekom-Service-Bereich nicht das einzige gravierende Sparvorhaben des Vorstandes sei. Unter dem beabsichtigten Verkauf von Konzernteilen würden voraussichtlich außerdem 13.000 Mitarbeiter leiden. "Die Frage, die man sich stellen muss, lautet: Was bleibt am Ende übrig?", unterstrich Schröder.

Der Bonner Konzern hatte bereits vor Jahren - lange vor den aktuellen Sparüberlegungen - angekündigt, dass er sich bis Ende 2008 von 32.000 Telekom-Mitarbeitern trennen will. Nach Einschätzung der Gewerkschaft ist inzwischen schon ein erheblicher Teil dieses Plans sozialverträglich umgesetzt worden. Dabei hätten Abfindungen sowie Vorruhestands- und Aufhebungsverträgen eine große Rolle gespielt. (dpa/tc)