Digital Equipments Visionen für die achtziger Jahre:

VAX-Architektur für 32-Bit-Mikro

15.05.1981

BOSTON (rs) - "Wir haben immer nur die Dinge getan, von denen wir etwas verstehen", lobt Digital-Equipment-Chef Kenneth Olsen sich und seine Unternehmenspolitik. Manager der verschiedenen Unternehmensbereiche erzählten europäischen Journalisten in Boston, was DEC in Zukunft vor hat. "Wir haben viel erreicht", glaubt Olsen, "doch noch immer stehen viele Probleme offen."

"Strukturierten Programmiersprachen wie Fortran-77 und Pascal gehört die Zukunft", prophezeit Si Lyle, Senior Group Manager Engineering. Aber auch diese Sprachen würden überholt sein, wenn in natürlichen Sprachen programmiert werden könnte. Der nicht programmiererfahrene Anwender wolle keine Computersprachen wie Basic, Fortran und Pascal lernen. Er erwarte statt dessen fertige Menüs oder eben eine natürliche Sprache.

Die DEC-Richtung in der Mikrocomputertechnologie zeigt Product Planning Manager Ted Semple auf. "Zu gegebener Zeit", verspricht Semple, "werden wir einen 32-Bit-Mikrocomputer auf der Basis der VAX-Architektur entwickeln." Bis Mitte der 80er Jahre wolle DEC einen solchen "voll unterstützten" Mikro auf den Markt bringen.

Zur Zeit konzentriere sich die Microcomputer Product Group auf die Entwicklung eines VLSI-Prozessors. "Dabei", betont Semple, "bedeutet die Halbleitertechnologie für uns in erster Linie eine Möglichkeit zur Implementierung bewährter Architekturen. " Halbleiterhersteller ließen sich oft eher die Architektur von den Gegebenheiten des Siliziums diktieren.

Im Vorfeld lokaler Datenkommunikationsnetzwerke wie Ethernet als auch vor der Einführung öffentlicher Datennetzwerke sieht Walt Tetschner den Anwender stehen. Neue Leistungsmerkmale der Terminals grafische Darstellung, Telebrief sowie Prozessoren für die Sprachein- und -ausgabe gewinnen nach Ansicht technischen Direktors der Terminals Product Group zunehmend an Bedeutung.

Für Drucker strebten die Hersteller allgemein größere Druckgeschwindigkeit und günstigere Preise an. Die Drucker würden in Zukunft ohne Tastatur gebaut und gleich in die Sichtgeräte integriert. Bei Videoterminals dominiere auch in Zukunft die Raster- Kathodenstrahlröhre. Flüssigkristall- und Plasmadisplays kämen in speziellen Anwendungen zum Einsatz.

Weder in den Heimcomputern noch in Billigpreisprodukte wird DEC der Ausbau der Produktpalette auf dem aktuellen Markt der Personal Computer gehen. Nicht als Spielzeug sondern als effektives Managementinstrument faßt Olsen die Kleinstrechner auf. "Eigentlich", witzelt der President, "verkaufen wir schon seit 23 Jahren Personal Computer."