USB-Stick mausert sich zum Smart Device

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Mit der U3-Plattform mutieren Speichersticks quasi zu Mini-Computern für mobile Applikationen.

Als Disketten-Killer haben sich USB-Speichersticks bereits durchgesetzt: Wer heute Daten mobil und transportabel abspeichern will, verwendet hierzu meist einen der USB-Flash-Drives, die mittlerweile mit Speicherkapazitäten von bis zu 4 GB aufwarten. Analysten schätzen, dass in diesem Jahr weltweit rund 80 Millionen der populären Datenträger verkauft werden. Und bis 2007 soll der Weltmarkt auf jährlich 130 Millionen Stück wachsen.

Hier lesen Sie...

  • wie Anwendungen per USB-Stick mobil werden;

  • wie die zugrunde liegende U3-Plattform funktioniert;

  • welche Voraussetzungen die Applikationen erfüllen müssen.

So sind die Vorteile der Speichersticks als mobile Datenträger zwar unbestritten, doch als Speicherort für Applikationen taugten sie bislang kaum. Das lag weniger am fehlenden Speicherplatz als vielmehr an den Dynamic Link Libraries (DLLs) und Registry-Einträgen, welche die meisten Anwendungen in den Tiefen eines Windows-Systems verankern. Selbst wenn ein Programm auf einem Stick installiert wurde, funktionierte es dann in der Regel auf einem anderen Rechner nicht, da dort die erforderlichen DLLs und Registry-Einträge fehlen.

Genau dieses Problem adressiert nun das von Sandisk und M-Systems gegründete Unternehmen U3 mit der "U3 Smart Drive Computing Platform", kurz U3 Platform. Die Idee dahinter klingt faszinierend: Eine Applikation, etwa das E-Mail-Programm, oder ein VoIP-Softphone wird auf dem USB-Stick installiert und lässt sich künftig ohne Probleme auf jedem Rechner etwa in einem Konferenzzentrum oder Internet-Cafe nutzen, ohne verräterische Spuren oder private Informationen auf dem Gast-PC zu hinterlassen. Skype ist bereits als U3-konforme Anwendung erhältlich, und entsprechende Versionen von McAfee Antivirus oder Mozilla Thunderbird 1.0 sollen demnächst verfügbar sein, um nur drei prominente Beispiele zu nennen.

Funktionsweise

Steckt der Anwender einen U3-Stick in den USB-Port eines PC, so verhält sich der Speicherträger auf den ersten Blick wie jedes normale USB-Device: Es bekommt vom Betriebssystem die entsprechenden Laufwerksbuchstaben zugewiesen, in diesem Fall zwei. Während sich das eine Laufwerkssymbol nicht von anderen unterscheidet, trägt das andere die Bezeichnung "U3 System" und weist noch eine weitere Besonderheit auf: Ähnlich wie bei einer CD-ROM können U3-Programme automatisch gestartet werden. Zudem erscheint im System Tray von Windows XP ein U3-Icon. Klickt der Anwender auf dieses, öffnet sich das U3-Desktop-Menü, das ihm die auf dem Speicherstick verfügbaren Anwendungen sowie einige Management-Tools auflistet. Die Optik des Menüs erinnert an das Startmenü von Windows XP.

Für den Anwender klingt das einfach und bequem, denn er bekommt von den technischen Vorgängen und Voraussetzungen nichts mit. Damit obiges Szenario in der Praxis aber reibungslos funktioniert, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Der Speicherstick muss U3-konform sein und die Anwendung den U3-Richtlinien entsprechen; zweitens wird als Gast-Betriebssystem Windows 2000 mit Service Pack 4 oder Windows XP vorausgesetzt.

Für die Hersteller von Speichersticks bedeutet dies, dass sie auf ihren Modellen unter anderem einen Interface-Layer sowie einen U3-Kernel vorinstallieren müssen. Der Interface-Layer in Form eines Hardware-API bildet dabei die Schnittstelle zwischen der USB-Hardware und dem U3-Kernel. Auf diesem läuft dann das U3-Launchpad sowie ein Kernel-API, das den Applikationen Zugriff auf den USB-Speicher erlaubt.

Das Launchpad dient als grafische Benutzerschnittstelle, über die der User sowohl seine Applikationen startet als auch auf eventuell hinterlegte Tools zum Management des Sticks zugreifen kann. Ferner erstellt das Launchpad für jede Applikation eine Runtime-Umgebung mit Verzeichnissen und Variabeln für die Applikation. Hier liegt auch die eigentliche Herausforderung bei der Portierung von Programmen auf die U3-Plattform: Im Gegensatz zur klassischen PC-Anwendung muss eine U3-konforme Applikation auch laufen, ohne dass sie in eine feste Verzeichnisstruktur eingebunden ist. Ebenso darf sie nicht auf feste Laufwerksbuchstaben (etwa C:\) angewiesen sein.