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USA installiert "totales" Spionagesystem

08.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Kritiker werfen angesichts der Terroranschläge vom 11. September 2001 den US-Geheimdiensten vor, noch nie zuvor so viel Informationen gehabt und so wenig davon verwertet zu haben wie im Zeitalter moderner Computersysteme. Diesem Dilemma soll nun das Spionagesystem TIA (Total Information Awareness) abhelfen, das die dem US-Verteidigungsministerium unterstellte DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) innerhalb der kommenden fünf Jahre entwickeln will.

Das System soll Informationen sammeln, speichern und über TCP/IP-Netze zur Verfügung stellen. Um die Auswertung zu erleichtern, sollen Übersetzung-Tools und Spracherkennungssysteme die Daten in ein einheitliches Format bringen. Veränderungen wiederkehrender Muster wie zum Beispiel Verhaltensweisen ausgespähter Personen werden dabei laut DARPA in Echtzeit erkannt. Letztendlich lassen sich alle digital erfassten Merkmale eines Menschen zentral sammeln, zum Beispiel der Wohnort, die Kreditkartennummer, medizinische Informationen, die Sozialversicherungsnummer und Verbindungsdaten des Telefon- oder Internetanschlusses. In die Datenerfassung einbezogen werden auch biometrische Signaturen.

Zwar soll das System dazu dienen, Terroristen aufzuspüren und sie unschädlich zu machen, Kritiker befürchten jedoch , dass durch TIA das Recht auf Privatsphäre ausgehebelt wird. Denn obwohl man angesichts der zu speichernden Datenmengen in Petabyte-Kategorien denken müsse (ein Petabyte = eine Million Gigabyte), seien die geplanten Technologien tatsächlich dazu geeignet, die Informationen schnell auszuwerten und Geheimdiensten sowie anderen Behörden zur Verfügung zu stellen. (lex)