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US-Wissenschaftler bauen Grid-Netze

17.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wissenschaftler in den drei US-amerikanischen Staaten West Virginia, North Carolina und Colorado wollen jeweils ihre IT-Ressourcen zu separaten Computer-Grids verknüpfen, um Forschern, Universitäten, Privatunternehmen und Bürgern Zugriff auf leistungsstarke Supercomputer einzuräumen. Ziel der Vorhaben ist es, jungen Unternehmen Starthilfe zu geben, Forschungsarbeiten zu beschleunigen und die Effizienz der Behörden zu verbessern. "Grid-Computing birgt 1000-mal mehr Geschäftsmöglichkeiten als das heutige Internet", schwärmte Wolfgang Gentzsch, Managing Director bei MSNC im Research Triangle Park, North Carolina, gegenüber dem "Wall Street Journal".

MSNC leitet das bundesweite Projekt in North Carolina, das sich derzeit über sieben Universitäten erstreckt. Das Vorhaben, das im Endausbau 180 Institute einbeziehen will, konzentriert sich auf Startup-Hilfe junger Unternehmen, die die Grid-Installation neun Monate kostenlos nutzen dürfen und anschließend die Ressourcen zum Vorzugspreis beziehen können.

Für eine bundesweite Installation sind jedoch noch Nacharbeiten bei der Software erforderlich, die die einbezogenen IT-Ressourcen verwaltet. Gentzsch erwartet, dass die Version 4.0 der zumeist eingesetzten Open-Source-Lösung "Globus Toolkit" deutliche Verbesserungen und eine Vereinfachung bietet, Grid-Rechner zu verwalten und zu verbinden.

Das West-Virginia-Projekt dient dagegen vornehmlicher der Wissenschaft. Dort will man Forschern in kleinen Instituten Zugang zu der Rechen-Power der großen Universitäten einräumen. Aktuell bringen drei Hochschulen ihre IT-Kapazitäten in das Grid-Netz ein, drei weitere sollen folgen. Angesprochen sind vor allem Wissenschaftler in den für West Virginias Industrie wichtigen Bereichen Öl- und Gasexploration sowie medizinische Diagnostik.

In Colorado starten die Verantwortlich erst jetzt mit dem Projekt "CoGrid". Projektleiter Bob Marcus schilderte, dass weitgehend Einigkeit darin bestehe, kleinen Instituten, und Schulen Zugriffsmöglichkeiten auf große IT-Ressourcen einzuräumen, doch "am Ende muss auch jemand dafür bezahlen", räumte er ein. Finanzielle Unterstützung vom Start könne den Ball zwar ins Rollen bringen, doch möglicherweise müsse man auch kommerzielle Anwendungen entwickeln, so Marcus. Ebenso wie das Internet zur Plattform für Produkte und Entwicklungen wurde, die über das Vorstellungsvermögen der ursprünglichen Investoren weit hinausgingen, könnte sich Grid-Computing ebenfalls zum Experimentierfeld für Innovationen entwickeln. "Vielleicht müssen wir noch einige Frösche küssen, bis wir einen Prinz finden", sagte Marcus. (jha)