Profilierungssüchtig

US-Unternehmen scheren sich nicht um Safe-Harbor-Datenschutz

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Viele große US-Technologiefirmen scheren sich wenig um ihre Safe-Harbor-Versprechen und sammeln stattdessen lieber munter die Daten von Europäern.

Zu den Schluss kommen jedenfalls nicht etwa europäische Datenschutzbeauftragte, sondern vielmehr das Center for Digital Democracy (CDD) aus Washington, D.C., das deswegen eine Beschwerde bei der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde Federal Trade Commission (FTC) eingereicht hat, wie unter anderem der britische Branchendienst "The Register" berichtet. Namentlich benannt werden darin unter anderem Adobe, Salesforce.com, AOL, Criteo, Datalogix, Bluekai, Marketo sowie Merkle; sie sollen sich allesamt aktiv im Bereich "Date Profiling" betätigen.

Apex Building in Washington, D.C., Sitz der Aufsichtsbehörde FTC
Apex Building in Washington, D.C., Sitz der Aufsichtsbehörde FTC

"Unsere Ermittlung hat ergeben, dass viele der beteiligten Unternehmen in ein Netzwerk mächtiger Multiple-Data-Broker-Partner involviert sind", wird CDD-Direktor Jeff Chester zitiert. "Diese führen, was in Europa nicht öffentlich bekannt ist, ihre Daten [über europäische Nutzer] zusammen, so dass diese online profiliert und nachverfolgt werden können." Es sei an der FTC, die Datenschutzregeln aus dem Safe-Harbor-Abkommen (diese entsprechen der EU-Datenschutzdirektive von 1995) durchzusetzen und gegebenenfalls Verstöße mit Sanktionen zu bestrafen.

Die USA und die EU verhandeln gerade ein neues Datenschutz-Rahmenabkommen. Dieses könnte Europäern im Falle eines Missbrauchs ihrer Daten durch US-Unternehmen die gleichen Rechte einräumen wie US-Amerikanern, heißt es weiter.