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US-Softwarehersteller Ptech steht unter Terrorismusverdacht

09.12.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am Freitag hat die US-Bundespolizei FBI die Geschäftsräume des in Massachusetts ansässigen Softwareunternehmens Ptech untersucht. Der Hersteller habe Verbindungen zur Terrororganisation "Al Kaida", so der Verdacht der Fahnder. Ptech stellt unter anderem seit 1997 Software für das FBI, die US-Armee, die Nato und amerikanische Behörden her. Die Firma hat auch das Military Information Architecture Framework entwickelt, das im US-Verteidigungsministerium dazu dient, die Netzwerke verschiedener militärische Einheiten zu koordinieren.

Laut Tom Ridge, Leiter der von der Bush-Regierung gegründeten nationalen Sicherheitsbehörde Homeland Security, sind Finanziers im Hintergrund des Privatunternehmens hochverdächtig. Demnach soll der saudische Geschäftsmann Yassin Qadi in Finanztransaktionen der Al Kaida und der Palästinenserorganisation "Hamas" verstrickt sein. Der pakistanische Einwanderer Yaqub Mirza, der ein Netzwerk unterschiedlicher Firmen in Nord-Virginia betreibt, stehe bereits seit März 2002 im Fokus der Ermittlungen.

Qadi hat nach Angaben seine Anwalts Mitte der 90er Jahre fünf Millionen Dollar in Ptech investiert. 1999 habe er das Geld jedoch zurückgezogen, seitdem unterhalte er keine geschäftlichen Beziehungen mehr zu der Softwarefirma, berichtet das "Wall Street Journal". Eine Verbindung zu terorristischen Vereinigungen bestritt der Anwalt ganz. Mirza gehört zur Geschäftsführung von Ptech und soll nach Erkenntnissen des Justizministeriums Mitbegründer der palästinensischen Gruppe "Islamischer Heiliger Krieg" sein, die für Selbstmordattentate in Israel verantwortlich ist.

Ptech werden außerdem Verbindungen zu der mittlerweile aufgelösten Firma BMI aus New Jersey nachgesagt. Die US-Behörden ermittelten bereits 1998 und 1999 gegen BMI. Der Hauptinvestor Mousa Abu Marzouk war laut FBI einer der führenden Köpfe der Hamas in Syrien. Über die Firma sollen Gelder zur Vorbereitung zweier 1998 verübter Bombenanschläge auf US-Botschaften in Ost-Afrika geflossen sein.

Die Ermittler gehen jetzt außerdem davon aus, dass die von Ptech für US-Behörden und das amerikanische Militär entwickelte Software Hintertüren enthält, durch die sich Terrorgruppen geheime Informationen verschaffen können. (lex)