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US-Professor will Musik-Copyright umkrempeln

17.05.2004

Statt das bisherige, immer starker versagende Copyright-System zwecks Rettung der Unterhaltungsindustrie zu modifizieren, schlägt der US-Jurist Terry Fisher ein vollkommen neues Konzept vor, das auch im Zeitalter von Internet-Verkäufen funktionieren soll. Terry Fisher, Professor an der Harvard Law School, stellte seine Idee im Rahmen des dreitägigen Kongresses Internet Law Program vor, den das zu seiner Fakultät gehörende Berkman Center for Internet & Society ausrichtete.

Fisher schlägt vor, Künstler abhängig von der Popularität ihrer Musik zu honorieren. Titel müssten dazu zunächst beim Copyright Office angemeldet werden. Dieses würde dann verfolgen, wie oft ein Song herunter geladen wird. Anschließend würden Einnahmen aus Steuern auf beispielsweise Internet-Zugänge oder Verkäufe von MP3-Playern anteilig unter den Musikern verteilt. Ähnliche Vorschläge hatten laut "Wired News" zuvor bereits die Electronic Frontier Foundation (EFF) und Fishers Kollege Neil Natanel von der University of Texas at Austin gemacht.

Die Recording Industry Assocation of America (RIAA) hat seit September Tausende Amerikaner verklagt, die Musik illegal aus dem Netz geladen haben sollen. Das Problem besteht laut Fisher aber weiterhin: 60 Millionen Menschen - "mehr als für Präsident Bush gestimmt haben" - tauschen weiterhin Musik über Peer-to-peer-Netze. Der Harvard-Professor findet, mit seiner Lösungen könnten Fans mehr Musik für weniger Geld bekommen, ohne dabei der RIAA in die Quere zu kommen. Und die Künstler würden dabei besser verdienen als gegenwärtig. Die US-Plattenindustrie "hasse" den Vorschlag, so Fisher. Es gebe "deutlich bessere Aussichten, dies in anderen Ländern zu etablieren". Konkret habe sich beispielsweise Brasilien bereits interessiert gezeigt. (tc)