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Soziale Medien im Wahlkampf

US-Präsidentschaftswahl: Die neuen Waffen

29.01.2016
Thomas Kloos leitet das SEO Department bei THIRD MAN Digital Solutions KG, einer Full-Service Online Agentur mit Sitz in Wien und München. Er ist seit 2001 im Bereich der Online Kommunikation tätig, entwickelt erfolgreiche SEO und SEM Strategien und spricht auf internationalen Konferenzen. 
Der Wahlkrieg in den USA tobt auf allen medialen Kanälen, auch im Internet, wo er mit teilweise schmutzigen Mitteln geführt wird - von kleinen Tweets mit großer Wirkung, bis hin zu Onlinewetten auf die Sieger der Vor- und Präsidentschaftswahlen.

Am 1. Februar 2016 beginnen in den USA die Vorwahlen, in denen die Kandidaten für die darauffolgende Präsidentschaftswahl gewählt werden. Der Wahlkampf wird jedoch längst nicht mehr nur im Fernsehen, auf Plakaten oder Bühnen ausgetragen - sondern tobt auch im Internet und hier vorzugsweise in den sozialen Netzwerken.

Die Kandidaten für die Vorwahlen zur US-Präsidentschaftswahl fechten den Wahlkampf auch im Netz - und insbesondere in den sozialen Medien - aus.
Die Kandidaten für die Vorwahlen zur US-Präsidentschaftswahl fechten den Wahlkampf auch im Netz - und insbesondere in den sozialen Medien - aus.
Foto: Thomas Kloos

US-Präsidentschaftswahlen: Kleine Tweets, große Wirkung

Als ausschlaggebende Kraft für Barack Obamas Erfolg bei den US-Wahlkampagnen 2008 und 2012 sehen Analysten nicht zuletzt die Nutzung sozialer Medien. Auch die republikanischen Kandidaten haben aus den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt und investieren beachtliche Mittel, um auf sozialen Kanälen wie Twitter, Facebook und Snapchat präsent und vor allem sichtbar zu sein. Zwar erreichen sie auf diese Weise inzwischen bedeutend mehr ihrer Anhänger als noch vor vier Jahren, nach wie vor können sie dem eingespielten Social-Media-Team Obamas nicht Wasser reichen. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton nutzt die sozialen Netzwerke ebenfalls ausgiebig für ihre Zwecke. Neben ihren gut laufenden Facebook- und Twitter-Auftritten nutzt das Wahlkampfteam von Clinton auch Pinterest und Instagram - auf Spotify findet sich gar "The Official Hillary 2016 Playlist".

Dadurch, dass sich die Präsidentschaftskandidaten einem Mix aus sozialen Kanälen bedienen, können sie mehr Content zu spezifischen Zielgruppen transportieren - egal ob es sich dabei nun um sorgfältig verfasste Posts oder spontane Kommentare handelt. Die Wählerschaft soll so einen möglichst umfassenden Eindruck von den Politikern gewinnen. Auch Prominente abseits der politischen Bühne greifen auf denselben Kanälen in das Wahlkampfgeschehen ein und können so ihrerseits die Meinungsbildung der Wählerschaft beeinflussen. Ein gutes Beispiel für kreative Prominenten-Beiträge zur US-Wahl lieferte kürzlich Sängerin Cher auf ihrem Twitter-Account.

Schmutzkampagne 3.0: Der Meme-Feldzug

Die Aktualität und Direktheit von sozialen Medien hat nicht nur Vorteile, sondern öffnet auch Tür und Tor für jede Menge Spott. Eine der meist verbreiteten Spielarten ist dabei das Internet-Meme. Dabei handelt es sich um Momentaufnahmen, die mit (meist sarkastischen) Bemerkungen beschriftet werden. Nahezu jeder Fehltritt von Politikern wird inzwischen in Meme-Form millionenfach im Netz verbreitet. Der Schaden, der durch virale Spottbilder verursacht werden kann, ist enorm. Das bekam der Republikaner Mitt Romney im Jahr 2012 am eigenen Leib zu spüren, als eine seiner Antworten in einem Fernsehduell missinterpretiert und postwendend zu einem viralen Meme wurde.

Diese Entwicklung treibt neue Blüten: Es ist sehr wahrscheinlich, dass einige der aktuell kursierenden Memes von den Wahlkampfteams der Kandidaten ins Netz gestellt werden, um dem Image der Konkurrenten gezielt zu schaden. Es ist eine neue, anonyme (weil kaum zurückverfolgbare) Art der politischen Schmutzkampagne.

Online-Wetten auf den US-Wahlkampf

Eine weitere Internet-Skurrilität, die im Dunstkreis des US-amerikanischen Wahlkampfes entstanden ist, sind Wetten auf den Ausgang der Wahlen im November 2016, beziehungsweise auf die innerparteilichen Vorwahlkämpfe. Zahlreiche namhafte Wettanbieter geben Kunden auf ihren Web-Plattformen die Möglichkeit, Geld auf ihre Favoriten zu setzen und so - mit etwas Glück - Profit aus dem Wahlergebnis zu schlagen. Interessant ist dabei, wie dynamisch die Wettquoten der jeweiligen Kandidaten an aktuelle Ereignisse angepasst werden. Fast in Echtzeit reagieren die Wettquoten auf jeden Fauxpas - und zwar noch bevor große Meinungsforschungsinstitute ihre Prognosen anpassen können. So sind beispielsweise die Quoten auf eine Kandidatur von Ben Carson rapide abgesackt, nachdem ein Video auftauchte, in dem sich der Republikaner mit allerhand konfusen Verschwörungstheorien auseinandersetzt.

Wettquoten können deutlich flexibler reagieren, da sie nicht auf Daten und Fakten basieren, sondern ausschließlich von den Buchmachern diktiert werden. Statistiken und Prognosen von Meinungsforschern sind bestimmt kein unwichtiger Aspekt bei der Berechnung der Wettquoten, doch können die Buchmacher bei ihren Kalkulationen auch Faktoren wie bereits abgegebene Wetten einbeziehen. Somit sind es Portale für Online-Wetten, die unbewusst ein alternatives Wahl-Stimmungsbarometer darstellen. (fm)