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US-Politikerin läßt sich Party von Telco-Lobbyisten bezahlen

21.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Vielleicht ist man ja mittlerweile nicht mehr gewohnt, Fragen der Ethik noch für wichtig zu erachten. Vielleicht haben sich nach all den Skandalen insbesondere US-amerikanischer Unternehmen die Erwartungen in Bezug auf Stil und Moral ja bis zur Unkenntnlichkeit reduziert. Gerade deshalb ist es interessant, was momentan in den USA für etwas Wirbel sorgt: Dort wurde Nancy Victory, Ansprechpartnerin für die Telco-Industrie in der Bush-Regierung, mit eher unerfreulichen, dabei schon aus dem Jahr 2001 rührenden Details aus ihrem Privatleben konfrontiert. Victory hatte am 14. Oktober 2001 eine Party gegeben, auf der wichtige Vertreter und Lobbyisten aus der Telco-Szene eingeladen waren - angeblich alles persönliche Freunde Victorys. Finanziert wurde die Zusammenkunft von sechs Sponsoren. Dazu gehörten auch Lobbyisten von drei Telco-Unternehmen, die auch im Geschäft mit drahtlosen Kommunikationsgeräten Geschäfte betreiben. Außerdem

gab sich auch ein Anwalt aus Victorys ehemaliger Anwaltskanzlei in Spenderlaune. Die Anwaltssozietät Wiley Rein & Fielding führt auch Victorys Ehemann auf der Gehaltsliste. Dieser hat sich auf Kommunikationsrechtsprechung spezialisiert.

Interessant an dem abendlichen Fest ist, dass Victory nur zehn Tage nach der Party bei der unabhängigen Federal Communications Commission (FCC) mit einer Eingabe vorstellig wurde, in der sie die FCC aufforderte, es solle gesetzliche Restriktionen aufheben, die es Telco-Unternehmen verbieten, ihren Einfluss im Markt für drahtlose Telefonie auszudehnen. Hierbei ging es insbesondere darum, neue Frequenzen zu vergeben. Das FCC hatte ursprünglich Regeln ausgegeben, die den freien Wettbewerb am Markt unterstützen sollten. Unternehmen wie Cingular Wireless, SBC Communications Inc. oder Motorola Inc. würden von der Victory-Initiative profitieren. Alle diese Unternehmen standen auch auf der Einladungsliste für die Feier von Victory in ihrem - wie das "Wall Street Journal" schreibt - Millionen-Dollar-Privathaus. Zwei Wochen nach dem Schreiben von Victory an die FCC entschied die Kommission bei einer einzigen Gegenstimme, die Regeln aufzuheben, gegen die Unternehmen wie Cingular, SBC

und andere bedeutende Anbieter von drahtloser Kommunikationsgerätschaft Sturm gelaufen waren. (jm)