US-Navy sucht im Meer einen defekten Computer

08.10.1976

WASHINGTON - Ursache für den Absturz eines der neuesten und geheimsten Flugzeuge der US-Navy - einer F-14 "Tomcat" - vor zwei Wochen 75 Meilen westlich von Schottland war wahrscheinlich das Versagen des Computersystems. Dadurch - so wird vermutet - geriet eines der beiden Triebwerke der Maschine außer Kontrolle. Bis das Flugzeug geborgen und die Untersuchung abgeschlossen ist, hält die US-Marine jede offizielle Stellungnahme über die Unfallursache zurück.

Das 14,3 Millionen Dollar teure Exemplar der F-14 Tomcat ist mit modernster Computertechnik auf den Gebieten der Navigation und Waffensysteme ausgerüstet, die ihresgleichen sucht.

Die F-14 verpaßte den Katapultstart und rollte mit 50 Knoten Geschwindigkeit über die Deckkante des Flugzeugträgers "John F. Kennedy". Beide Piloten betätigten den Schleudersitz und landeten nur geringfügig verletzt auf dem Deck des Trägers. Die F-14 versank unbeschädigt im an dieser Stelle mehrere hundert Meter tiefen Atlantik - vollaufgerüstet mit einem 500 000-Dollar-Flugkörper vom Typ "Phoenix", einer Mehrfachzieleinrichtung, einem Simultan-Raketen-Lenksystem, einem automatischen ECM-System (Electronic Countermeasure) und einem Communication-Control-System für automatische Einsätze ohne Einflußnahme des Piloten. Auf die Frage, ob diese Systeme von "sophisticated Computers" gesteuert würden, meinte ein Sprecher der Navy lakonisch, er könne sich nicht vorstellen, wie ein Mensch diese Arbeit verrichten solle.

Erste Anstrengungen zur Bergung der Maschine unternahmen die Amerikaner bereits einige Tage nach dem Unfall,

Die Ortung des Flugzeuges auf dem Meeresboden ist allerdings nicht ganz einfach, da an dieser Stelle des Atlantiks starke Strömungen herrschen. So sollen zwei verschiedene Ortungssysteme zum Einsatz kommen: Ein "Seitensicht-Sonar" (Sidescan Sonar) und eine "Festpunkt-Dreiecks-Vermessung" für Meeresboden-Navigation - rechnerunterstützt werden die abgestürzten Computer gesucht.

ECM

"Electronic Countermeasure" (ECM) sind elektronische Störmaßnahmen gegen feindliche Flugzeuge, Raketen oder Bodenstationen. Sie bewirken eine Störung der Navigationshilfen, der elektronischen Zielvorrichtungen oder der Lenkeinrichtungen von Flugkörpern. Im Vietnam-Krieg wurden spezielle ECM-Flugzeuge eingesetzt. Über Nacht gelieferte Störgeräte der Amerikaner verhinderten ein Debakel der Israelis im "Jom-Kipur"-Krieg