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US-Musikindustrie droht mit neuer Klagewelle

22.01.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Recording Industry Association of America (RIAA) hat angekündigt, weitere 532 Klagen gegen Nutzer von illegalen Tauschbörsen einzureichen. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte der US-amerikanische Verband der Musikindustrie 382 Anwender wegen Verletzung von Urheberrechten vor den Kadi gezerrt. Allerdings müssen die Musikmogule einen juristischen Umweg nehmen und zunächst Klagen gegen unbekannt einreichen, da vorerst nur die IP-Adressen der betroffenen Nutzer bekannt sind. Der Grund: Ein US-Gericht hatte Ende Dezember 2003 entschieden, dass Internet Service Provider (ISPs) nicht mehr dazu gezwungen werden dürfen, Kundendaten herauszugeben. Die RIAA hatte sich vergeblich auf den 1998 verabschiedeten Digital Millenium Copyright Act (DMCA) berufen, der das Urheberrecht in den USA gesetzlich regelt, und die Herausgabe der für die Klage notwendigen Kundendaten gefordert. Der neuerliche Vorstoß

soll in vier Sammelklagen, die unterschiedlichen ISPs zugeordnet sind, vor die Gerichte kommen, erläuterte RIAA-President Cary Sherman das Vorgehen des Verbands. Welche Provider betroffen sind, wollte er jedoch nicht verraten. Die von den Klagen betroffenen Nutzer würden im Durchschnitt mehr als 800 urheberrechtlich geschützte Dateien auf ihren Rechnern zum Tausch anbieten. Bislang habe der Verband mit 232 Beklagten eine außergerichtliche Einigung erzielen können, berichtete Sherman. Mit weiteren 100 Nutzern stehe man kurz davor. Verband und Tauschbörsennutzer hätten sich auf die Zahlung von durchschnittlich 3000 Dollar verständigt. Diese Summe könnte sich jedoch in Zukunft erhöhen, drohte der RIAA-President. Wegen des aufwändigeren Gerichtsverfahrens kämen auf die Musikindustrie höhere Kosten zu, was letztendlich auf die Beklagten umgelegt würde. Die neu angestrengten Verfahren seien erst der Beginn einer groß angelegten Aktion

gegen Urheberrechtsverletzungen, kündigten die RIAA-Verantwortlichen an. (ba)