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US-Justiz vs Oracle: Behörden warnen vor Innovationsbremse

28.06.2004

Vertreter des US-amerikanischen Justizministeriums warnten im Rahmen des Kartellverfahrens gegen Oracle vor einer nachlassenden Innovationsbereitschaft, sollte die feindliche Übernahme von Peoplesoft gelingen. Als Beleg dafür präsentierten die Kartellbehörden Oracle-interne E-Mails, wonach bestimmte Produktentwicklungen beim Datenbankspezialisten mit Verweis auf entsprechende Anstrengungen der Konkurrenz von Peoplesoft forciert wurden. Oracles Executive Vice President Ron Wohl wies diese Interpretation jedoch zurück. Oracle entwickle neue Funktionen und Produkte unter dem Druck vieler verschiedener Wettbewerber, nicht nur von Seiten Peoplesofts. Ein einzelner Konkurrent könne nicht die Entwicklungspläne von Oracle beeinflussen. Es gehe vielmehr um die generellen Anforderungen im Markt.

Neben einer verringerten Innovationskraft im ERP-Markt befürchten die Justizvertreter mit dem Ausscheiden Peoplesofts einen nachlassenden Wettbewerb für konzernweite Business-Applikationen. In der Folge hätten Kunden steigende Preise zu befürchten. Vor diesem Hintergrund will das Justizministerium Oracle die feindliche Übernahme von Peoplesoft gerichtlich untersagen lassen. Vertreter von Oracle argumentieren dagegen, das besagte Marktsegment lasse sich nicht auf die drei Anbieter SAP, Peoplesoft und Oracle eingrenzen. Vielmehr seien hier auch zahlreiche andere Anbieter aktiv. Deswegen fehle der Argumentation der Behörden jede Grundlage. Der Prozess begann am 7. Juni vor einem Bezirksgericht in San Francisco. Derzeit führen beide Parteien ihre Zeugen ins Feld. Experten gehen davon aus, dass die Anhörung noch bis in die erste Juliwoche andauern wird. Mit einer Entscheidung von Richter Vaughn Walker wird nicht vor August dieses Jahres gerechnet. (ba)