Insiderhandel

US-Justiz knöpft sich Hedge-Fonds-Manager vor

09.02.2011
Die US-Justiz rollt die Wall Street wegen Insiderhandels auf.
Ein Insider-Skandal erschüttert derzeit den Börsenplatz New York und die Hightech-Branche.
Ein Insider-Skandal erschüttert derzeit den Börsenplatz New York und die Hightech-Branche.
Foto: Thomas Cloer

Die Börsenaufsicht SEC und die Staatsanwaltschaft gehen gegen drei Hedge-Fonds-Manager und einen Analysten vor. Sie sollen sich über ein "Experten-Netzwerk" geheime Informationen aus Technologiekonzernen wie dem Prozessoren-Hersteller Advanced Micro Devices (AMD) oder dem Festplatten-Produzenten Seagate beschafft und dadurch mehr als 30 Millionen Dollar an der Börse verdient haben.

"Diese Hedge-Fonds-Manager dachten, sie könnten verbotenerweise schon heute an der Börse handeln mit einem Wissen, das andere erst morgen hatten", sagte SEC-Chefermittler Robert Khuzami am Dienstag in Washington. Der Bundesstaatsanwalt von Manhattan, Preet Bharara, kündigte weitere Ermittlungen an: Seine Behörde habe bis dato zwölf Leute angeklagt, von denen vier gestanden hätten. "Aber wir sind noch weit davon entfernt, den Fall abschließen zu können."

Die Geschichte war im Dezember ins Rollen gekommen. Das FBI hatte mehrere Verdächtige verhaftet, die Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Später sprang die SEC auf den Zug auf und verklagte in der vergangenen Woche die Tippgeber aus den Unternehmen. SEC-Chefermittler Khuzami fordert nun Geldstrafen sowie ein Berufsverbot für einige der Beteiligten. "Die Klageschrift offenbart ein durch und durch korruptes Verhalten", sagte Khuzami. Seine Behörde hat zehn Personen auf ihrer Verdächtigenliste.

Im Mittelpunkt des Falls stehen die beiden Berater James Fleishman und Winifred Jiau. Sie haben nach den Erkenntnissen der Ermittler die Mitarbeiter der Technologiekonzerne mit den Investoren zusammengebracht. In Telefonaten sollen die Insider dann über Neuentwicklungen, Verkaufszahlen oder die noch unveröffentlichten Finanzergebnisse geplaudert haben.

Auch Apple ist eines der Unternehmen, deren Geheimnisse vermutlich in die falschen Hände gelangten. So soll ein Insider schon Monate vor dem Erscheinen verraten haben, dass das neue iPhone 4 eine zweite Kamera für Videotelefonate besitzt und dass Apple zudem eine Art Lesegerät entwickelt - was sich später als der Tablet-Computer iPad herausstellen sollte. Die undichte Stelle war hier ein Mitarbeiter des Auftragsfertigers Flextronics.

Der Handel auf diese Insiderinformationen hin ist verboten, weil er andere Anleger benachteiligt. Wie wertvoll ein derartiger Wissensvorsprung sein kann, lässt sich am Apple-Kurs ablesen: Im Oktober 2009, zum Zeitpunkt des Telefonats zwischen Tippgeber und Investor, kostete eine Aktie etwa 180 Dollar. Heute sind es schon fast 360 Dollar.

Die US-Justiz hat den Insiderhandel verstärkt im Visier - auf ausdrücklichen Wunsch von Präsident Barack Obama. Hintergrund sind spektakuläre Fälle aus der jüngeren Vergangenheit. Das meiste Aufsehen erregte der Milliardär und Hedge-Fonds-Chef Raj Rajaratnam. Zusammen mit Komplizen soll er an den Geheimnissen von IBM , AMD oder Intel verdient haben. Mehrere Beteiligte haben hier ebenfalls gestanden. Das Verfahren gegen Rajaratnam selbst läuft noch. (dpa/tc)